LIMITLESS

Veröffentlicht: 26. August 2012 in reviews
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Der erfolgs- und antriebslose Buchautor Eddie Morra (Bradley Cooper) kommt durch einen Zufall an eine Droge, durch welche sein Gehirn das maximale Potential, das ansonsten in verborgenen Regionen schlummert, abrufen kann. Mit einem Schlag ist er hellwach, kreativ, hochintelligent und erfolgreich. Er durchschaut die komplexesten Mechanismen des Finanzmarktes und weckt so das Interesse des Geschäftsmanns Carl Van Loon (Robert De Niro), an dessen Seite er schwindelerregende Gewinne einfährt. Doch mit der Zeit treten erste Nebenwirkungen ein: Desorientierung, Blackouts, Übelkeit. Wie gefährlich ist die Droge tatsächlich, und wer ist der Unbekannte, der Morra auf Schritt und Tritt zu folgen scheint?

Auch wenn der Plot von LIMITLESS auf einem hartnäckigen, obwohl längst wissenschaftlich widerlegten, Mythos basiert, dass wir nämlich lediglich 10-20% unseres Gehirnes nutzen, ist die daraus entstehende Geschichte um die mysteriöse Kunstdroge NZT spannend und nicht ohne Reiz. Wie verhält sich ein Mensch, der schlagartig um ein Vielfaches komplexer und schneller denken kann als der Rest? Regisseur Neil Burger (THE ILLUSIONIST) spielt mit Videoeffekten und Farbkorrektur, um den Kontrast zwischen der tristen und trägen Alltagswelt, in welcher Morra nicht in der Lage ist, sich auf den Punkt zu konzentrieren, geschweige denn seine Beziehung am Leben zu halten, und der strahlenden, gesättigten Welt, die Morra jede Erinnerung und jede Assoziation schlagartig offenbart, darzustellen. Bradley Cooper (THE HANGOVER) gelingt es zudem, beide Versionen seines Charakters überzeugend darzustellen, auch wenn die Extreme zwischen den beiden an der Karikatur grenzen (fettig-langhaariger Verlierer auf der einen versus blauäugiger aalglatter Tom Cruise-Typ auf der anderen Seite). Als Zuschauer besteht der Reiz des Films vor allem an dem Potential der McGuffin-Droge und der Neugier, was Morra aus seiner neuen Situation macht. Die Handlung bleibt bis zum Schluss spannend, jedoch muss sich Drehbuchautor Leslie Dixon (MRS. DOUBTFIRE) den Vorwurf gefallen lassen, dass er selbst nicht das Potential abrufen konnte, das er seiner Hauptfigur in den Schoß legt. So sind einige Entscheidungen und Handlungen des doch so intelligenten Morra fragwürdig, und besonders der letzte Akt enttäuscht schließlich in seiner Auflösung und Umsetzung. So bleibt LIMITLESS ein solider und unterhaltsamer Film, der jedoch an seinem zu mächtigen Plot-Device scheitern muss. Morra wird durch NZT zu einem Quasi-Superhelden mit übernatürlichen Fähigkeiten. Das ist ab einem gewissen Grad einfach zu mächtig, um daraus noch eine halbwegs plausible Handlung zu konstruieren, ohne in ein völlig stilisiertes Genre zu wechseln. Robert De Niro hat in jüngster Zeit schon in wesentlich schlechteren Filmen mitgewirkt. Hier wird er lediglich unterfordert und kann seine Rolle ohne Aufwand und routiniert abspielen.

Die Frage, die man sich als Zuschauer nach LIMITLESS stellt, ist die nach einer möglichen Aussage. Klar, nicht jeder Film braucht eine Message oder einen moralischen Standpunkt, aber die Handlungen des Protagonisten, gepaart mit der Funktion der Droge und der Idee, dass man innerhalb von 30 Sekunden alle Probleme lösen kann, lassen einen merkwürdigen Beigeschmack stehen. Würden wir ähnliche Nebenwirkungen in Kauf nehmen, wenn wir dafür die Antwort auf alle unsere Schwierigkeiten immer auf Abruf bekämen? Wie sähe eine Welt aus, in welcher so eine Droge von der ganzen Population konsumiert wird? Eigentlich müßige Fragen, weil die Grundidee viel zu abgehoben ist.

Fazit

Insgesamt ist LIMITLESS ein spannender Film, der von einer interessanten (wenn auch nicht ganz durchdachten) Prämisse ausgeht, die es zumindest schafft, den Zuschauer bis zum Schluss zu unterhalten und neugierig zu halten. Ich hatte Schlechteres erwartet und war daher positiv überrascht, das Finale hingegen ernüchtert aufkommende Hoffnungen auf einen größeren Wurf.

LIMITLESS
USA 2011
Regie: Neil Burger
Drehbuch: Leslie Dixon
Kamera: Jo Willems
Schnitt: Tracy Adams, Naomi Geraghty
105 min.

7/10

 

 

 

Kommentare
  1. kulii sagt:

    Ich fand ihn auch nicht schlecht… aber irgendwie ister mir auch nicht besonders in Erinnerung geblieben.

  2. ilsadelmar sagt:

    Ich würde mich deiner Kritik auch nahtlos anschließen. Unterhaltsam, aber die Story ist nicht ganz abgerundet und die gesamte Aussage des Films mutet leicht fragwürdig an. Bradley Cooper fand ich allerdings eine sehr gute Wahl für die Rolle des Morra, obwohl ich ihn sonst nicht so mag.

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