THE ARTIST

Veröffentlicht: 3. September 2012 in reviews
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Man sollte nicht den Fehler machen und THE ARTIST aus Motiven wie „Ich mag keine Stummfilme“ oder „Ich schaue nur Farbfilme“ übergehen, denn es handelt sich bei Michel Hazanavicius‘ Film nicht nur um eine liebevolle Hommage an die alte Stummfilm-Ära Hollywood(land)s und ihrer damaligen Stars, sondern in erster Linie um einen guten Film. Er erzählt eine Geschichte ohne Dialog (bis auf die gelegentlich eingeblendeten Texttafeln), lediglich mit Aktion im Bild und musikalischer Untermalung, und kann dem Zuschauer dennoch die Handlung und die Dramatik um das Leben von George Valentin (Jean Dujardin) in der universalen Sprache der bewegten Bilder vermitteln.

Valentins Geschichte wäre nicht emotionaler, packender oder involvierender, wenn wir ihn auch sprechen hören würden. Als geliebter Stummfilmstar sieht er sich mit der Einführung des Tonfilms konfrontiert – eine Erfindung, der er keine wahre Zukunft zuschreibt. Dass es anders kommt, wissen wir alle, und so sind seine Tage gezählt und seine Filme nicht mehr gefragt. Stattdessen schauen die Menschen jetzt lieber „Talkies“ und himmeln die junge aufstrebende Generation an, deren Vorzeigeperson Peppy Miller (Bérénice Bejo) ist, die einige Jahre zuvor noch ambitionierte Tänzerin und Komparsin in Valentins Stummfilmen war. Dort lernten sie sich auch kennen, es funkte kurz, und indirekt verdankt Miller ihm ihre Karriere.

THE ARTIST weckt thematisch nicht ungewollt Erinnerungen an Billy Wilders SUNSET BLVD. (1950) und an SINGIN‘ IN THE RAIN (1952, Stanley Donen, Gene Kelly). Der Film profitiert besonders von den charismatischen Darstellern. Jean Dujardin (99 FRANCS) könnte man sich aufgrund seiner Körpersprache und theatralischer Mimik gut als reinen Stummfilm-Schauspieler vorstellen, ebenso wie die strahlende Bérénice Bejo. In Nebenrollen begeistern unter anderem John Goodman (THE BIG LEBOWSKI) als Studioboss und James Cromwell (STAR TREK: FIRST CONTACT) als Chauffeur. Die Rekreation der Stummfilm-Optik ist gelungen und zauberhaft, und es gibt einige magic moments im Film (z. B. Millers Spiel mit Valentins Garderobe oder ein Alptraum Valentins), doch die wahre Stärke von THE ARTIST ist, dass man sich sehr schnell nicht mehr um schwarz-weiss, Ton oder kein Ton, Dialog oder Texttafeln, schert, sondern völlig in die Geschichte eintauchen und sie genießen kann. In dieser Hinsicht ist THE ARTIST ein voller Erfolg, der bei der Oscarverleihung 2012 auch fünf Mal geehrt wurde (Film/Regie/Hauptdarsteller/Musik/Kostümdesign), was angesichts des thematischen Gegenstands nicht weiter verwunderlich ist. Für mich ist THE ARTIST nicht der beste Film des Jahres gewesen (diese Ehre gebührt Malicks THE TREE OF LIFE), aber ein wunderschönes Highlight des Kinojahrs allemal.

THE ARTIST
F, BEL, USA 2011
Regie: Michel Hazanavicius
Drehbuch: Michel Hazanavicius
Kamera: Guillaume Schiffmann
Schnitt: Anne-Sophie Bion, Michel Hazanavicius
100 min.

8/10

Kommentare
  1. Kim sagt:

    Also hat der Film zu Recht einige Oscars gewonnen🙂
    Jetzt würde ich ihn auch gerne sehen🙂

  2. Hier ist es so still geworden…

    • indy sagt:

      Ja, hab ziemlich viel um die Ohren und komme kaum zum Schreiben, aber denke, dass sich das bald wieder ändert (zumindest will ich mir demnächst CLOUD ATLAS ansehen).😉

  3. Duke sagt:

    Sehr guter Film! Hat die ganzen Oscars auf jeden Fall verdient!

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