High Frame Rate und mal wieder die Zukunft des Kinos

Veröffentlicht: 23. Dezember 2012 in diverses
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THE HOBBIT

Eigentlich hätte das hier ein abschließender Abschnitt in der Hobbit-Review sein sollen, doch ist der Text dann etwas lang geraten, was mich dazu brachte, ihm einen eigenen Blogeintrag zu widmen. Es geht mir hierbei um den technischen Aspekten des Films. THE HOBBIT: AN UNEXPECTED JOURNEY wurde stereoskopisch (3D) auf Video gedreht und das mit erhöhter Framerate (48 fps). Das bedeutet, dass die Kamera pro Sekunde nicht wie im herkömmlichen Film 24 Bilder aufzeichnet, sondern doppelt so viele. Auch die Projektion zeigt natürlich 48 fps (andernfalls wäre das Bild verlangsamt). Die erhöhte Framerate, inzwischen HFR (high frame rate) genannt, wurde vor allem eingeführt, um stroboskopartig ruckelnde bzw. wischende 3D Szenen flüssiger wirken zu lassen und um an der Kinokasse mehr für die Karte verlangen zu können. Viele sehen in HFR die Zukunft des Kinos (prominentester Vertreter ist James Cameron, der seine AVATAR Sequels gar in 60 fps drehen möchte) und sind der Meinung, dass eine erhöhte Framerate ebenfalls zu erhöhter Immersion des Zuschauers führt. Ich war einerseits sehr neugierig, aber auch skeptisch, da ich mittlerweile ziemlich gebrandmarkt bin von den bisherigen 3D-Filmen. Meine persönliche Meinung zu 3D allgemein habe ich vor kurzem kundgetan, und für mich ist die Erhöhung der Framerate in erster Linie nur die Behebung eines Folgeproblems. Gleichzeitig bin ich kein Gegner des Fortschritts und auch kein Technikhasser und war daher gespannt auf meinen Eindruck. Nach der Sichtung des ersten 48 fps Films muss ich sagen, dass diese Framerate für meinen Geschmack absolut grausam ist. Sie funktioniert in erster Linie in den sehr wilden Actionszenen und sorgt dort für ein kristallklares Bild ohne Ruckler und Geschmiere, aber ist für meine Wahrnehmung schlichtweg inakzeptabel in sämtlichen ruhigen Szenen. Selbst kleinste Bewegungen der Akteure wirken nahezu beschleunigt und abgehackt. Ich konnte nach der allerersten Einstellung von Bilbo nicht fassen, wie schnell ich abgeschreckt wurde. Mir war klar, dass es gewöhnungsbedürftig sein würde (erhöhte Framerate ist mir nicht unbekannt, die meisten Computerspiele haben sie, und die meisten von uns haben auch schon mal TV geschaut), aber dass ich bereits bei der allerersten Einstellung aufstöhnen musste, überrascht mich auch jetzt noch, da ich diesen Text schreibe. Ich weiss, dass die Wahrnehmung subjektiv ist, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Mehrheit der Zuschauer diesen Look besser findet als den klassischen. Er widerspricht völlig meinem Verständnis von der Ästhetik des Kinobildes. Die Argumentation lautet ja oft, dass dadurch absolut detailreiche und klare Bilder bewegt werden können, und der Zuschauer durch diese flüssige Framerate jedes Element bis ins kleinste Detail betrachten kann. Mir ist diese Denkweise ehrlich gesagt etwas unverständlich, denn 3D Filme haben immer noch mit zahlreichen Krankheiten zu kämpfen, und die doppelten Kanten in THE HOBBIT haben mich mindestens so empört wie die Framerate. Was nützt mir pixelgenauer Detailreichtum, wenn nicht mal die Kontur eines Gesichts dargestellt werden kann, ohne dass der Rand versetzt verdoppelt wird (an dieser Stelle sei gesagt, dass offensichtlich nicht jeder Zuschauer doppelte Kanten sieht. Dies kann unterschiedliche Gründe haben, angefangen von der Platzwahl über die Qualität der Projektion/3D-Brillen bis hin zu Prozessen in den Augen und Hirnen der Zuschauer. Ich habe den Film mit zwei weiteren Personen geschaut, die genau wie ich die Kanten gesehen haben. Für einen der beiden war es sogar der erste 3D-Film)? Ich werde mir in Kürze die 2D 24 fps Variante ansehen, um mal einen Vergleich zu ziehen, aber eines weiss ich: das Betrachten von 48 fps im Kino will ich nur so selten wie möglich, am liebsten nicht wieder, erleben. Jeder von uns kennt höhere Frameraten nicht nur von PC-Spielen, sondern auch vom „Video-Look“ aus TV-Produktionen. Viele TV-Produktionen wurden über umständliche Prozesse auf Filmlook konvertiert, weil es bei den Zuschauern erfahrungsgemäß besser ankommt. Jetzt ist es umgekehrt: Plötzlich soll als Novum verkauft werden, was die meisten bisher als „Soap Opera-Look“ abgetan haben; plötzlich ist es realer und mehr Immersion?

Ich glaube Scorsese sagte einst, dass die Kunst des Kinos nicht ist, was man im Bildausschnitt zeigt, sondern was außerhalb des Bildausschnitts nicht gezeigt wird. Filmemachen ist Weglassen, was nicht nötig ist. Reduzieren und Stilisieren, also Information entfernen. Das kann man nicht nur vom Bildausschnitt sagen, sondern auf die Bildqualität erweitern: 24 fps sind reduzierte Information, liefern das bekannte und beruhigende „Flickerbild“ auf der Leinwand, stilisieren gewissermaßen die Realität. Sie sind in ihrer historischen Entstehung natürlich das Resultat von technischen Limitationen, d. h. jedoch nicht, dass das Drängen nach mehr und mehr Realismus und Immersion durch immer mehr Information im Bild der richtige Weg ist, geschweige denn die Zukunft des Films/Kinos. Es mag ein Weg künstlerischen Ausdrucks sein. Ich respektiere, wenn ein Filmemacher aus eigenen Motiven oder künstlerischen Abwägungen die Framerate seinen Bedürfnissen anpasst. Wenn Peter Jackson will, dass THE HOBBIT so aussieht, dann ist das sein gutes Recht. Es ist jedoch fragwürdig, solch eine Wahl verallgemeinernd (siehe Cameron) auf die gesamte Filmlandschaft als nächsten Schritt der Evolution und des Fortschritts anzusehen und als verbessertes Filmerlebnis zu bezeichnen.

Well, you know, that’s just like uh…my opinion, man.

Kommentare
  1. Xander sagt:

    Ganz meine Meinung!

  2. Marco sagt:

    Im Grunde ist es bei Computerspielen das Gleiche: Die Imersion bei Baldur’s Gate war mindestens so hoch, wenn nicht noch höher, wie bei heutigen PC-Titeln, wie Skyrim. Es ist der kommerzialisierte „Fortschritt“, der uns eine andersartige Realität darbietet. Einmal daran gewöhnt, lässt es sich nur noch schwer vorstellen, wieso wir damals einen Spiel unglaublich fanden (ich weiß, hier geht es um Filme, aber bei Spielen wird das derzeitige Problem um den Realismus noch deutlicher). Das erschreckende dabei ist: Selbst wenn ich mir darüber bewusst bin, kann ich mich heute nicht mehr dazu überwinden manche Spiele zu spielen… mein Anspruch an das Eintauchen in eine Realität ist anders geworden. Und das Selbe könnte auch mit dem Film passieren. Ich bin bereits an einem Punkt angekommen, da kann ich mir manche DVDs nicht anschauen, weil ich an die Qualität der Blu-Ray gewöhnt bin… „Ja, aber Blu-Ray ist ja nun auch wirklich ein Fortschritt gegenüber der DVD, aber bei 3D und HFR sehe ich ihn nicht“, sagt jetzt unser Indy und vielleicht hat er damit auch recht aber darum geht es beim technischen Fortschritt nicht immer. Die PC-Tastatur ist ein gutes Beispiel dafür: Sie ist unpraktisch angelegt aber man hat sich dran gewöhnt und kann sich nun nichts anderes mehr vorstellen. Was ich sagen will, ob wir wollen oder nicht, Technik verändert Realitäten und dabei legt es nicht immer Qualitätsmaßstäbe zu Grunde, manchmal sind es auch einfach ökonomische Gründe (es gibt ja dieses Gerücht, dass man die Tastatur so angelegt hat, dass man mit der ersten Zeile „Typewriter“ schreiben konnte).

    Im Grunde geht es hier in diesem Blog um einen Aufschrei, den es schon immer von manchen Leuten gab (gerade von denen, die einen künstlerischen Anspruch hatten/haben), wenn eine Kunst in ein anderes Medium übertragen wurde oder eine „Innovation“ erfahren hat. Ich würde gerne mal wissen, was Romanautoren von den Anfängen des Films gedacht haben: vielleicht haben sie auch die Hände über den Kopf geschlagen oder gelacht, weil sie dachten „und die glauben wirklich, dass sie somit eine größere „Imersion“ erreichen? Es gibt keine größere Schöpfungskraft als die Phantasie und nun schreiben sie einem vor was man sehen, fühlen und hören muss… diese Narren“.

    Ich persönlich bin nicht überrascht, über den Hype von 3D etc.. Ich sehe Filme nicht nur als Kunstobjekt, sondern auch als ein Geschäft, welches gerade bei solchen Filme wie „Der Hobbit“ imense Summen bzw. Risiken auf sich nimmt und um diese abzufedern, sucht man Wege, den Film teurer an den Mann zu bringen.

    Was im Moment mit 3D abgeht, ist ein Musterbeispiel einer Technologieverbreitung und ich bin der Meinung, die Zeit der Entrüstungen sollte langsam mal vorbei sein und man sollte sich dieser Technologie annehmen und sich mal überlegen, was noch alles damit möglich ist. Denn ich persönlich glaube, dass viel künstlerisches Potenzial darin steckt und ich glaube auch, dass 3D 2D nicht ersetzen, sondern ergänzen wird.

    Bei dieser ganzen Diskussion fühle ich mich immer an Harry Haller aus Hesses Steppenwolf erinnert, der sich tiersich darüber aufregt, dass man Mozart nun im Radio bringt, dass diese göttliche Musik durch die Technik geschändet wird… Ich denke manchmal selbst so, aber manchmal muss ich auch – genauso wie Mozart über Harry – über diese ganze Entrüstung einfach nur lachen, denn es ist nicht die Technik, die Kunst zerstört, sondern wir selber und unsere Vorstellung davon, was Kunst ist und was nicht.

    Gruß
    Marco

    • indy sagt:

      Hey Marco,

      danke für deinen langen Beitrag! Zunächst einmal muss ich eines relativieren: der Blog bzw. dieser Eintrag ist kein „Aufschrei“ gegen neue Technik. Ich habe ja bereits im 3D-Artikel geschrieben, dass ich 3D als neues Medium sehe (in weiterer Zukunft) und nicht als verbesserten Film. Von daher habe ich auch nichts gegen das Prinzip 3D, nur überzeugt mich bisher nichts Gesehenes, vor allem weil die Schwächen überwiegen. Aber 3D ist hier ja nur Randthema.

      Was die HFR angeht: klar kann man der Ansicht sein, dass man den kommerziellen Aspekt der Filme mitbetrachtet, dass durch solche „Innovationen“ mehr Geld gemacht wird. Aktuell muss das auch der Hauptgrund sein, vielleicht kommen Filme zustande, deren HFR auch einen „künstlerischen“ Gedanken hatte. Ich sehe allerdings keinen Grund, die „Entrüstung“ sein zu lassen (Ich würde sie nicht so bezeichnen, zumindest ist es nicht mein Interesse, auf irgendeiner Hater-Welle zu reiten), vor allem wenn man triftige Gründe angeben kann, warum eine Innovation einem nicht zusagt, weil sie vielmehr negatives aufdeckt (dies besonders im Falle von „3D“).

      Mein Hauptanliegen mit diesem Beitrag war (und ich hoffe, das kommt rüber, ansonsten habe ich mich schlecht ausgedrückt), dass der prinzipielle Gedanke fragwürdig ist, einen besseren Film nur dann zu erzielen, wenn man ihn optisch der Realität immer mehr anpasst und dies vor allem auch noch auf die ganze Industrie als kommenden Standard verallgemeinert.

      Du hast natürlich Recht wenn du sagst, dass Technik Realitäten verändert, und dies nicht zwangsläufig als Verbesserung. Umso wichtiger finde ich es dann, so genannte Innovationen kritisch zu hinterfragen, vor allem, wenn sie wie im Falle von 48fps beim Hobbit einen solchen schlechten Eindruck auf meine Wahrnehmung machen.😉

      p.s.: ich musste zu Beginn deines Beitrags auch automatisch an den Steppenwolf denken, allerdings finde ich den Vergleich nicht wirklich passend. Auch die Einführung des Films war ja keine Innovation des Buches, sondern ein neues Medium. Von daher kann es natürlich immer Leute geben, die gegen ein neues Medium sind (z. B. deine genannten Autoren, die sich an den Kopf fassen), aber wir reden ja hier von einer angeblichen Verbesserung des Mediums selbst (so als müssten künftig alle Bücher laminierte Seiten haben, und dann bitteschön gleich alle, weil ja neu und besser und teurer…).

      • Marco sagt:

        Nein, künftig gibt es keine laminierten Seiten, sondern digitalisierte Bücher und zwar schon heute und ist das eine Innovation? Manchen sagen ja, manch nein. Und das Selbe gilt für den Film.
        Ich hab schon verstanden was du willst aber ich sage, dass Innovationen nicht so ticken, wie du sie bewertest (Innovation schlecht = soll sich bitte nicht durchsetzen) Damit möchte aber auch nicht sagen, dass Kritik sinn- und zwecklos ist; wir sind ja keine Lämmer die zur Schlachtbank geführt werden, wo wir uns unserem Schicksal fügen müssen. Die kritische Auseinandersetzung ist ja die Keimzelle für kreative Alternativen. Nur sollte man aufpassen, Innovationen von anfang an abzulehnen.
        Alles was ich sagen wollte war, dass Innovationen sich dann durchsetzen, wenn sie gewisse Innovationsgesetze erfüllen (Überwindung des kritischen Punktes der Massenverbreitung etc.) und das wird leider nicht mit künstlerischer, sondern mit monetärer „Überzeugungskraft“ erreicht. Meiner Meinung nach, sind wir leider keine Gesellschaft, die künstlerische Maßstäbe zur Verbreitung von Technologien ansetzt, sondern es muss einfach ein neues Erlebnis geschaffen werden (Ulrich Beck lässt grüßen).
        Wir sollten Innovationen Zeit lassen und Chancen geben und nicht gleich beim ersten Film sich darüber beschweren, dass ist meiner Meinung zu einfach. Wenn die Regisseure dieser Welt den Xten Film mit FHR drehen und es sich nichts getan hat, wenn man merkt, dass man stupide eine Innovation anwendet – was ich mir bei manchen Regisseuren einfach nicht vorstellen kann, da sie einen zu hohen künstlerische Ansprüche an ihre Filme haben – dann, dann sollte man sich mit kreativer Kritik damit auseinandersetzen und für sich selbst, als Konsument, entscheiden, ob man dafür noch Geld ausgeben möchte.
        Noch mal kurz zu deinem Scorsese-Zitat: Demnach ist fraglich, ob die Umstellung auf Farbfernsehn eine nützliche Innovation ist, denn hier kann man genauso argumentieren… weglassen von Informationen, Stilisieren etc… aber nein, wir fahren darauf ab, weil die Imersion gesteigert wird, und so ist es mit 3D.
        Die Frage ist natürlich, wollen wir eine 1zu1 Abbildung unserer Realität in Filmen,Spielen etc.. Von den Spieleherstellern weiß ich, dass das nicht deren Ziel ist. Aber was die Imersion betrifft, so sind sie lange, lange noch nicht am Ziel.
        Am Ende liegt es dann doch wieder an uns, was wir mit den Werkzeugen der Technik machen. Hätten wir alle weggeworfen, die wir am anfang für nicht brauchbar gehalten hätten (Ich weiß, dass sagst du nicht direkt aber darauf läuft es oftmals bei solchen Diskussionen hinaus)… will mir gar nicht vorstellen, in was für einer Welt wir heute leben würden. Ich persönlich habe einfach zu großen Resepkt vor dem menschlichen Einfallsreichtum, als dass ich Innovationen in solch einem frühen Stadium bewerten möchte.

        Marco

        • indy sagt:

          Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: ich gebe dir Recht, was Innovationen generell angeht! Nur: weder „3D“ noch „HFR“ sind tatsächliche Innovationen, die jetzt plötzlich eingeführt wurden und schlagartig (ungerechtigterweise?) kritisiert werden. Es gibt sie wesentlich länger, sie kommen wie im Falle des „3D“ zum x-ten Male und werden als völlig neue Innovation verkauft.

          Sollte ich mal einen 3D Film sehen oder einen HFR Film, der mir sehr gut gefällt, dann werde ich sicher nichts gegen die angewandte Technik sagen, da ich per se Fortschritt begrüße und mich der Film als Gesamtwerk interessiert. Nur ist das bisher nicht der Fall, die aktuelle 3D-Welle läuft mittlerweile seit AVATAR (2009) – auch wenn sie flacher wird – und seitdem kam nichts überzeugendes. Wir hatten bisher über drei Jahre Zeit, um eine Meinung zu bilden. Ich lehne also nichts vorab ab, sondern kritisiere etwas, wie du sagst, anstatt es wie das Lamm einfach hinzunehmen.

          THE HOBBIT mag der erste 48fps Kinofilm sein, aber HFR und seinen „Look“ kennen wir durch diverse TV-Produktionen bereits sehr gut. Also ist es auch hier nicht eine voreilige Kritik, bevor eine Innovation überhaupt die ersten Gehversuche machen konnte. Meine Hoffnung war, dass der Look auf der Leinwand anders und besser wirken würde, aber dem ist leider nicht so (zumindest für meine Wahrnehmung).

          eBooks sind ein sehr gutes Beispiel. Man kann sich hier streiten. Ich würde sagen, natürlich sind sie eine Innovation, die Sinn macht und an sich gut ist (Fortschritt, Lagerplatz, Papier und damit Holz Ersparnis etc.), wenn man die Nachteile dabei nicht vergisst (virtuelle Daten, die verloren gehen können oder bizarre Rechteverwaltung der Dateien). Nostalgiker wollen die Haptik des Papiers und des Einbands vielleicht nicht abgeben, doch der Inhalt ist immer noch Text, der also im Kopf immer noch die gleichen Prozesse auslöst. Daher ist das nicht ganz mit Film zu vergleichen, denn hier wird ja beim visuellen Medium direkt etwas verändert, womit die Prozesse definitiv anders arbeiten (wie ich zu meinem Leidwesen im Kino spüren musste). Letztlich kann man sich ewig streiten bei diesem Thema, weil es eben Geschmacksache ist. Über die Zeit wird sich zeigen, was der Mehrheit besser zusagt und was nicht. 3D-Zahlen sind scheinbar rückgängig (habe ich aber lange nicht mehr geprüft), und wir werden sehen, wie die HFR auf Dauer ankommt.😉

          Und zuletzt noch ein paar Worte zum Farbfilm: der Vergleich mag hier zwar nahe liegen, aber ich finde, genauer betrachtet hinkt er. Farbe im Film war etwas technisch nicht mögliches, aber jeder hätte dies wohl von Anfang an erwünscht (Fotografen oder Filmemacher). Man wäre gar nicht auf die Idee gekommen, schwarz-weiss zu fotografieren, wenn von Anfang an chemischer Film auch Farbe hätte abbilden können. Interessant sind nach der Einführung des Farbfilms die Entscheidungen von Fotografen und Regisseuren, in schwarz-weiss zu arbeiten. Das ist dann die stilisierte künstlerische Entscheidung, von der ich rede. Wenn man das jetzt 1:1 mit 3D vergleicht, dann müssten ja ein Großteil aller Kinofilme seit Jahrzehnten mit Rot-Grünen Brillen betrachtet werden, aber das hat sich natürlich nicht durchgesetzt. Farbe ist elementares Element unserer Sichtweise der Welt, „3D“ jedoch nicht. Beides sind Innovationen, jedoch ist erstere ein elementarer Fortschritt (und vergleichbar mit Farbmalerei), der sich aus künstlerischen Motivationen auf Graustufen entsättigen lässt, wohingegen „3D“ ein Gimmick bleibt (wohlgemerkt rede ich nicht vom Holodeck, also von echtem 3D und damit völlig neuem Medium).

          • „Man wäre gar nicht auf die Idee gekommen, schwarz-weiss zu fotografieren, wenn von Anfang an chemischer Film auch Farbe hätte abbilden können. “

            Man wäre aber auch nicht auf die Idee gekommen mit 24fps zu filmen wenn man das von Anfang an hätte vermeiden können. Anfangs gab es ja die 24fps noch nicht, man musste ja beim Drehen die Geschwindigkeit manuell anpassen, was zu Unregelmäßigkeiten beim Abspielen geführt hat.
            Also beim Hobbit muss irgendwas faul gelaufen sein. Wenn man Fußball guckt, hat man doch auch keinen „Benny Hill“-Effekt und das Bild sieht gut/normal aus. Irgendwas stimmt da nicht. Vielleicht hat das Kino was verbockt!

  3. Kim sagt:

    Hört sich ja nach Horror an, den ich vermutlich tunlichst vermeiden werde. Aber da ich „The Hobbit“ ja generell ignoriere.

    • indy sagt:

      Naja, Horror ist wahrscheinlich das falsche Wort. Schaus dir irgendwann mal an, natürlich bei einem Film, der dir zusagt (werden ja sicher einige Titel in HFR kommen demnächst), um selber ein Urteil fällen zu können. Wie ich schon Marco geschrieben habe, ist mein Artikel nicht in der Absicht verfasst worden, Leute von der HFR Sichtung abzuhalten!😉

  4. eos-fan sagt:

    Es ist schon ein zwei Monate her, das ich den Hobbit gesehen habe. nichts desto trotz möchte ich euch meine Meinung schreiben.

    Ich habe „Der Hobbit“ in 3D 48fpr gesehen. Ich bin enttäuscht. Der Film ist erschreckend realistisch. Ich bin nicht so richtig in den Film hinein gekommen. Die erste Szene kommt ziemlich langatmig daher. Die Fressorgie der Zwerge hätte man mit wenigen Bilden abhaken können. Gerade weil die Handlung hier zur Nebensache wird hat es Zeit in den Bilder zu schweifen und jedes Detail analysieren zu können. Die 3D Effekte wirken so wie es mein Auge gewöhnt ist. Keine Übertrieben Räumlichkeit. Es ragt auch nichts unangenehm aus der Leinwand heraus (Popoutefekt), was ich extrem unangenehm finde. Die Kinoleinwand öffnet einem ein Fenster zu Mittelerde.

    Die 48 für machen das geschehen absolut realistisch, dass es überhaupt nicht mehr filmisch, aussieht. Die Landschaftsbilder wirken dadurch sehr dokumentarisch. Bei einem Tierfilm ist das bestimmt genial. Aber so viel Realismus will doch niemand in einem Phantasiefilm haben.

    Machen nur die 48 Bilder pro Sekunde den Filmlook kaputt?

    Ich glaube es liegt nicht nur an der Bildrate liegt. Meine Foto Digitalkamera filmt mit 24 Bildern pro Sekunde und es kommt auch kein Filmlook auf. Was digitalen Filmen fehlt ist das Filmkorn. Der Film wirkt viel schärfer als ich das vom Kino gewöhnt bin. Das Filmkorn sorgt für einen sehr feine Unschärfe, das man bei Oberflächen nicht jedes Detail erkennen kann, Digital gefilmt wird dem Auge jedes auch noch so unwichtige Detail sichtbar gemacht. Obwohl wie bei Filme üblich mit der Tiefenschärfe gearbeitet wurde. Die Perücken und die Gumminasen der Zwerge sehen aus wie solche. Bei Film sah alles viel „echter“ aus, jedenfalls ist mein Auge diese filmische Realität gewöhnt, wie auch von vielen anderen Filmfans auch.

    Farblook
    Was sich noch auf den Filmlook auswirken könnte ist die Farbe. Der chemische Film bildet die Farben anders ab als der digitale Sensor oder wider etwas anders wie unser Auge, weil jeder Lichtempfänger eine andere spektrale Empfindlichkeit hat. Mittels Weißabgleich und Kameraprofil kann man Farben genau reproduzieren, wie unser Auge es sehen würde. Man könnte auch genau die farbliche Abweichung von chemischen Film und digitaler Filmkamera erfassen und in der Postproduktion dieses „Farbprofil“ über die Rohen Filmaufnahmen ziehen, damit die Farbe dem chemischen Film angenähert wird

    Peter Jackson hat mit „Der Hobbit“ einen Demofilm geliefert, der das im Augenblick technisch machbare zeigt. Weniger wäre hier mehr gewesen. Er hätte versuchen sollen zumindest ein Bisschen digitales Filmkorn seinem Film hinein zu mischen, und die Farben dem gewohnten Film annähern können. Irgendwie erinnert das ganze an die Einführung der Stereoplatten. Am Anfang hat Instrument nur auf dem rechten oder nur auf dem linken Tonkanal gemischt, was man heute nicht mehr macht. Ich hoffe das bei 3D und HFR eine Entwicklung zum „natürlichen“ Filmlook geht. Mit dem Videolook kann ich mich nicht anfreunden.

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