WARRIOR

Veröffentlicht: 6. Januar 2013 in reviews
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WARRIORBrendan und Tommy sind Brüder mit unterschiedlichen und auch gemeinsamen Problemen. Brendan (Joel Edgerton) ist verheiratet, hat zwei Töchter und arbeitet als Lehrer. Um seine finanziellen Schwierigkeiten zu lösen und aus Angst, das Haus verkaufen zu müssen, kämpft der Ex-MMA-Sportler bei Amateurkämpfen auf Parkplätzen. Als er deswegen von der Schule suspendiert wird, bleibt ihm nur noch der Kampf um den Turniersieg bei einem hoch dotiertem MMA-Event in Atlantic City und damit die Rückkehr als Profi. Sein Bruder Tommy (Tom Hardy), in der Jugend ein viel versprechender Ringer,  avanciert im Irak gleichzeitig zum Kriegshelden und Deserteur. Seine Schuldgefühle und eigenen Dämonen plagen ihn und bringen auch ihn dazu, sich für das Turnier anzumelden und um den Titel zu kämpfen. Die zerstrittenen Brüder haben eine verbleibende Gemeinsamkeit außer dem Kämpfen: ihren Vater Paddy (Nick Nolte), der ihnen als Alkoholiker Kindheit und Leben zerstört hat und mittlerweile als alter einsamer Mann vergeblich versucht, zu seinen Söhnen wieder Zugang zu erhalten.

WARRIOR ist aus mehreren Blickwinkeln ein interessanter Film: zunächst ist es ein Martial Arts Film und wird dadurch auch nach bestimmten Aspekten beurteilt, nämlich vor allem der Qualität in der Darstellung des Kampfes. Nun kann man zu MMA stehen wie man möchte (für mich ist es reiner Kampfsport und keine Kampfkunst mehr), die Kämpfe im Käfig sind überaus überzeugend inszeniert, beeindrucken durch ihre extreme Physis und Dynamik. Edgerton und Hardy gelingen glaubhafte und realistische Performances und lösen diese Herausforderung ihrer Rollen mit Bravur. Als einer der wenigen Martial Arts Filme aus dem Westen sticht WARRIOR hervor und kann es mit vielen asiatischen Titeln in dieser Hinsicht aufnehmen. Doch WARRIOR ist mehr als nur ein Martial Arts Film. Der sehr simple und ziemlich vorhersehbare Plot dient als Gerüst nach bewährtem Muster in diesem Genre, doch die wirkliche Geschichte ist die Beziehung zwischen den beiden Brüdern und wiederum deren Beziehung zu ihrem Vater. WARRIOR ist zugleich Familiendrama und beeindruckt den Zuschauer in einigen Szenen mit brillianten Momenten, die Einblick gewähren in eine zerrüttete Familie. Nick Nolte ist trotz der fantastischen Leistungen von Edgerton und Hardy der heimliche Star des Films. Sein von Schuldgefühlen geplagter ehemaliger Trinker ist kein stereotyper Säufer, sondern strahlt eine Authentizität aus, die besonders in einer Hotelszene mit Tom Hardy dem Zuschauer das Blut in den Adern gefrieren lässt. Auch sein Aufeinandertreffen mit Brendan vor dessen Haus ist traurig, rührend und aufwühlend. Es gibt in WARRIOR weder good guy noch bad guy. So vorhersehbar es auch ist, dass die Brüder früher oder später beim Turnier aufeinander treffen, wünschen wir uns nicht den Sieg des einen und die Niederlage des anderen, sondern hoffen auf irgendeinen Ausgang, der ihnen weiterhilft, sie wieder zusammenkommen lässt. Die Beziehung zum Vater scheint nicht mehr reparabel, aber können wenigstens die Brüder sich vertrösten?

WARRIOR - Tom Hardy & Joel Edgerton

Fazit

WARRIOR ist ein ungemein physischer Film, nicht nur aufgrund seiner intensiven Kampfszenen, sondern auch in der Beziehung der Charaktere zueinander. Regisseur Gavin O‘Connor (PRIDE AND GLORY) schont seine Darsteller nicht, zwingt sie dazu, emotional überzulaufen und bannt diese Momente in starken Close ups voller Schweiss, Blut und Tränen. WARRIOR wird nachträglich in meine Best of 2011 Liste als Titel im erweiterten Kreis eingetragen. Sehenswert.

WARRIOR
USA 2011
Regie: Gavin O‘Connor
Drehbuch: Gavin O‘Connor, Anthony Tambakis, Cliff Dorfman
Kamera: Masanobu Takayanagi
Schnitt: Sean Albertsen, Mett Chessé, John Gilroy, Aaron Marshall
140 min.

8/10

Kommentare
  1. Jop, für meinen Geschmack zwar etwas länger als nötig gewesen wäre, aber durchaus einer der besten des Jahres – zu welchem man ihn nun auch zählen will.

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