FAIR GAME

Veröffentlicht: 17. Juli 2013 in reviews
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FAIR GAME ist ein wütender Film, der direkt und offen die US-Regierung, bzw. das Bush-Regime, angreift, welches so sehr darauf erpicht war, gegen den Irak in den Krieg zu ziehen, dass jedes Mittel recht war. Um zu beweisen, dass der ehemalige US-Freund Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen produziert, wird der Diplomat Joseph Wilson (Sean Penn) im Auftrag der CIA in den Niger geschickt, von wo aus angeblich Uran (Yellowcake) in den Irak verschickt worden sein soll. Nach Inspektion der dortigen Infrastruktur kommt Wilson zu dem eindeutigen Schluss, dass eine Uranlieferung aus dem Niger völlig ausgeschlossen war und ist. Doch der Bush-Administration passt dieser Bericht nicht in den Plan, er wird kurzerhand ignoriert und der Irak unter dem Vorwand der Massenvernichtungswaffen angegriffen. Erbost darüber, veröffentlicht Wilson einen Artikel in der New York Times: „What I didn’t find in Niger“. Der Artikel entlarvt die Clique im Weißen Haus als Lügner und Kriegstreiber, und genau deswegen reagiert sie mit aller Macht.

Kurzerhand wird Wilsons Frau Valerie Plame (Naomi Watts) als CIA Agentin öffentlich enttarnt, und Wilsons Niger-Trip als Vetternwirtschaft hingestellt. Außer ihrem Mann und ihren Eltern wusste niemand in ihrem Umfeld, dass Valerie als Agentin arbeitet. Sie betrieb mehrere Operationen weltweit, und ihre Hauptaufgabe war, herauszufinden, wie weit die Entwicklung zu Massenvernichtungswaffen im Irak vorangeschritten ist. Kein einziges Zeichen spricht für deren Existenz im Irak. Valerie weiss das, genauso wie die CIA, das Weiße Haus und wahrscheinlich ein Großteil der Experten weltweit. Durch das Auffliegen ihrer Tarnung wurden schlagartig ihre Agenten im Feld enttarnt, ihre Informanten, die permanent in Lebensgefahr agierten. Zahlreiche wurden infolgedessen getötet. Für Valerie und Joseph beginnt ein Horrortrip von Rufmord und Medienspektakel. Während Valerie, vom Dienst suspendiert, am liebsten nichts mehr von der Sache hören möchte, nimmt ihr Mann den Kampf gegen Riesen auf. Es folgen Schmährufe, Ächtung, die Ehe zerbröckelt. Doch Wilson lässt nicht locker, es kommt zu Untersuchungsausschüssen und Verurteilungen. Der Verantworliche im Weißen Haus muss abtreten, Bush & Co. bleiben verschont.

Diese bemerkenswerte Geschichte wurde von Doug Liman (THE BOURNE IDENTITY) gekonnt in Szene gesetzt und überzeugt nicht zuletzt durch seine beiden Hauptdarsteller. Naomi Watts (MULHOLLAND DR.) gelingt das Porträt einer Agentin, die ihren Beruf liebt und ihn mit Ernsthaftigkeit und Geschick ausübt. Sie ist kein Super-Spion à la Jason Bourne oder Ethan Hunt, sie nutzt schlichtweg Mehrinformationen, die sie über andere Menschen hat, um sie als Informanten zu gewinnen und zu unterhalten. Ansonsten ist sie unauffällig. Die reizende Frau des Diplomaten, die sich bei gemeinsamen Abenden mit Freunden aus den politischen Debatten diskret heraushält und die Unwissende spielt (während ihr Mann eher Hitzkopf ist und sich über die stereotypischen Denkweisen seiner Bekannten auslässt). Letzten Endes übt sie ihren Job so gewissenhaft aus, wie man sie sich in jedem anderen Beruf vorstellen kann. Sean Penn (DEAD MAN WALKING) wiederum ist der Frust anzusehen. Er wirkt unterbeschäftigt und genervt von den Mainstream Medien und wie das Ausland in den USA porträtiert wird. Der Trip in den Niger erfreut ihn, er kann etwas produktives für die gute Sache leisten. Sobald er merkt, wie er hintergangen wird und was das Resultat ist, stellt sich sein Schalter um auf Widerstand gegen die Staatsgewalt. Er erklärt dem Weißen Haus den Krieg und steigert sich energisch in die Sache rein. Er glaubt, damit seiner Frau zu helfen, die immerhin aufgrund seines Artikels ihren Job verloren hat, und möchte anfangs nicht realisieren, dass sie die Sache am liebsten ruhen lassen will. Penn begeistert als Idealist und Kämpfernatur, aber auch als frustrierter Ehemann, der sich um die Kinder kümmert, während er nicht weiß, in welchem Land der Welt seine Frau wieder unterwegs ist und wann sie wieder kommt.

FAIR GAME nennt die echten Namen, macht vor niemandem Halt und ist in seiner Einstellung und Aussage eindeutig. Das macht ihn neben der Tatsache, dass es sich um einen durchweg auf allen Ebenen sehr guten Film handelt, zusätzlich zu einem wichtigen Produkt über die Filmsphäre hinaus, der in ehrlicher Wut das Vorgehen der Bush-Regierung bloßstellt und anprangert. Zu schnelllebig ist die Informationsverarbeitung bei den Menschen geworden, zu gerne wird durch Medienhype die Aufmerksamkeit auf andere Dinge gelenkt, über die man sich eine kurze Weile echauffieren darf (Fukushima, war da was?), bis das nächste Thema ansteht und man schon nicht mehr weiss, über was man sich letzte Woche noch aufgeregt hat. Vielleicht kann ein Film wie FAIR GAME auf seine Art dazu beitragen, dass gewisse Dinge nicht ganz in Vergessenheit geraten, wie eben, dass ein Land in Schutt und Asche gelegt wurde auf Basis einer Lüge, die lediglich als Vorwand dienen sollte. Vielleicht grüßt dann irgendwann das Murmeltier, wenn ähnliche Argumentation von Neuem auf andere Länder angewandt wird, sei es der Iran, sei es Nordkorea oder wo auch immer die Freiheit verteidigt werden soll. In dieser Hinsicht jedenfalls ist ein Film wie FAIR GAME um ein Vielfaches wertvoller als ZERO DARK THIRTY, der zwar minutiös und gekonnt die Liquidierung Bin Ladens dokumentiert, aber ansonsten einfach rein gar nichts zu sagen hat.

FAIR GAME
USA, UAE 2010
Regie: Doug Liman
Drehbuch: Jez Butterworth, John-Henry Butterworth
Kamera: Doug Liman
Schnitt: Christopher Tellefsen
108 min.

9/10

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