HELL

Veröffentlicht: 26. August 2013 in reviews
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Allein die Tatsache, dass ein Film wie HELL in Deutschland produziert wird, verdient bereits ein Ausrufezeichen. Viel zu selten kommen bei uns Genre-Filme raus, stattdessen lieber ne neue Til Schweiger Komödie. Das SF- und Endzeit-Genre ist leider eine völlig vernachlässigte Sparte in Deutschland. HELL ist wahrlich kein großartiger Film, hat mit zahlreichen Problemen und Mittelmäßigkeiten zu kämpfen und bedient sich zudem noch großzügig bei John Hillcoats THE ROAD (in den letzten Jahren DIE Referenz hinsichtlich Endzeitfilm) bzw. bei dessen Buchvorlage von Cormac McCarthy, aber für Fans des Genres ist der Film allemal eine Sichtung wert. Das nicht nur, weil es eine deutsch-schweizerische Produktion ist, sondern weil HELL überraschenderweise gute Momente und insgesamt keinen schlechten Eindruck hinterlässt.

Im Jahre 2016 sind aufgrund massiver Sonnenstürme die Temperaturen auf der Erde massiv gestiegen. Die Gesellschaften sind kollabiert, Wasser, Benzin und Nahrungsmittel sind rar. Das Sonnenlicht ist mittlerweile lebensgefährlich, die Überlebenden schützen sich im Schatten und im Dunkeln und gehen nur vermummt ans Tageslicht, wenn überhaupt. Marie (Hannah Herzsprung) und ihre jüngere Schwester Leonie (Lisa Vicari) sind zusammen mit Phillip (Lars Eidinger) auf dem Weg nach Süden, wo sie Wasser vermuten. Unterwegs treffen sie auf Tom (Stipe Erceg), der sich ihnen nach anfänglichen Schwierigkeiten anschließt. Als sie auf ihrer Reise in eine Falle geraten und Leonie dabei von einer Gruppe Fremder entführt wird, entschließen sich Marie, Phillip und Tom, eine Rettungsaktion zu versuchen.

Die Handlung ist simpel und folgt bekannten Genre-Klischees. Besonders der letzte Teil hinsichtlich der feindlichen Gruppierung ist nicht originell (ich vermeide Spoiler), doch HELL bietet einen gewissen Unterhaltungswert. Zunächst ist die Optik des Films ansprechend. Ein völlig überstrahltes, gelblich-bräunliches Bild veranschaulicht die Zerstörungskraft des Sonnenlichts. Ansprechendes Produktionsdesign und Kostüme liefern eine glaubwürdige Kulisse des zerstörten Deutschlands, und auch die Darsteller bieten im Rahmen eine solide Leistung, allen voran Hannah Herzsprung (DER BAADER MEINHOF KOMPLEX). Schade ist, dass die Handlung recht vorhersehbar ist und für diejenigen, die THE ROAD kennen, wenig Neues liefert. Im letzten Akt fährt sich HELL auf einer Genre-Schiene fest und verliert dadurch an Faszination. Ich hätte mir mehr Einblick in die Welt gewünscht: Wie sehen die Großstädte aus, gibt es Orte, an denen Menschen miteinander interagieren, eine Art Handelsplätze? Wie viele Menschen gibt es überhaupt noch, und was tun sie überwiegend? Sind es räuberische Gruppen, sich selbst verwaltende Kommunen oder Nomaden wie Marie und ihre Begleiter? Das Potential in dem von Roland Emmerich produzierten Film (Regie: Tim Fehlbaum) wurde nicht ausgeschöpft, doch mit seiner Laufzeit von 89 Minuten wird HELL zu einem kurzweiligen und nicht ermüdenden Trip, der seine Momente hat und zeigt, dass Genrekino in Deutschland definitiv möglich ist und öfter versucht werden sollte.

HELL
D, CH 2011
Regie: Tim Fehlbaum
Drehbuch: Tim Fehlbaum, Oliver Kahl, Thomas Wöbke
Kamera: Markus Förderer
Schnitt: Andreas Mann
89 min.

6/10

Kommentare
  1. Jan sagt:

    Der Film gefiel mir auch erstaunlich gut – ohne mich jetzt vollkommen zu faszinieren. Bis auf den letzten Akt zumindest. Der war mir irgendwie zu platt, zu oft gesehen und zu wenig Neues. Dafür war die Optik ganz klar das Highlight, obwohl die Idee wohl nur eine Notlösung war, da das Budget für mehr Endzeit-Feeling nicht ausgereicht hätte.

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