AFTER EARTH

Veröffentlicht: 3. Januar 2014 in reviews
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Was wurde dieser Film doch zerrissen. Nach den grottenschlechten Kritiken, die ich, ohne AFTER EARTH gesehen zu haben, zunächst nur grob überflogen hatte, brauchte es schon ein ordentliches Maß Überwindung, nun endlich die Blu-Ray einzuwerfen und M. Night Shyamalans neuesten Film anzusehen. Shyamalan selbst, gefeiert durch seinen Sensationserfolg THE SIXTH SENSE im Jahre 1999, der im Anschluss noch einige sehr gute Filme realisierte (UNBREAKABLE, SIGNS), scheint irgendwann seit LADY IN THE WATER und THE HAPPENING seinen Faden verloren zu haben. Zuletzt entsetze er die Zuschauer mit der katastrophalen Anime-Serienverfilmung THE LAST AIRBENDER, und spätestens jetzt mutmaßten nicht wenige, dass der Regisseur von der A-Liste in Hollywood gestrichen wurde. Und nun AFTER EARTH. Ein Science Fiction Film, von Shyamalan und Garry Whitta nach einer Geschichte von Will Smith zu Papier gebracht. Smith selbst spielt im Film, ebenso wie sein Sohn Jaden, der die Hauptrolle in AFTER EARTH spielt. Bevor ich weiterschreibe, möchte ich eine Prämisse festlegen. Im Vorfeld wurde intensiv das Thema Scientology, und inwieweit AFTER EARTH deren Ideologie glorifiziert, vermittelt usw. (Smith ist bekanntlich Mitglied bei Scientology). Das möchte ich in dieser Review völlig ausklammern. Warum? Erstens, weil ich zu wenig über Scientology weiß, um die Details erkennen oder sie kritisieren zu können. Zweitens, weil ich nicht glaube, dass das Thema Scientology in Bezug zum Film relevant ist. Selbst wenn Ideologien und Werte dieser Sekte im Film – coverter oder overter Natur – vorhanden sind, dann ist das vielleicht ein Thema für Diskussionen an anderen Orten. Mich interessiert in erster Linie, ob ein Film funktioniert oder nicht, ob er mir gefällt oder nicht. Einen Drang zum Boykott verspüre ich jedenfalls nicht, denn dann müsste ich ja im Prinzip sämtliche Filme boykottieren, die in irgendeiner Form Bezug nehmen auf dämlichen Hokuspokus, an den Menschen glauben oder nicht, je nachdem, wie sie von klein auf indoktriniert wurden.

AFTER EARTH

Ist AFTER EARTH also an sich ein schlechter Film? Ja, auch wenn er nicht ganz so abgründig ist, wie ihn manche machen. Ein kurzer Abriss der Handlung: Die Menschheit hat die Erde irgendwann zu Grunde gerichtet, und muss sie verlassen. Angeführt von den Rangers, eine Art Kriegerkaste, gibt es einen Massenexodus nach Nova Prime, der neuen Heimat der Menschheit. Dummerweise ist Nova Prime bereits bewohnt, und die Bewohner können mit den Eindringlingen herzlich wenig anfangen, so dass es zum Krieg mit den Ursa kommt. Diesen Krieg gewinnen die Menschen scheinbar, und dabei macht sich vor allem eine Person unsterblich: General Cypher Raige (Will Smith), der so furchtlos ist, dass er für die Ursa im Kampf unsichtbar wird. Man nennt das Ghosting. Raige ist ein verschlossener Befehlshaber mit Stock im Arsch, der eine Tochter bei einem Ursa-Überfall verloren und deswegen Schuldgefühle hat. Ebenso sein Sohn Kitai (Jaden Smith), der beim Überfall als kleiner Junge anwesend war und von der Schwester noch in Sicherheit gebracht werden konnte. Vater und Sohn (der im Gegensatz zum Vater eher zart besaitet ist) driften immer weiter auseinander, und als Gegenmaßnahme, quasi als Familienausflug, nimmt der General Kitai bei einem Raumflug mit. Nach einem Asteroidensturm gibt es eine Bruchlandung ausgerechnet auf der Erde, und es überleben nur Vater und Sohn. Nun beginnt der Überlebenskampf in einer feindseligen Welt, den Kitai nur gewinnen kann, wenn er seine Ängste kontrolliert.

AFTER EARTH

Die Grundidee der Geschichte mag gar nicht so schlecht sein. Leider wurde sie in eine durch und durch sinnlose Handlung gepackt. Warum die abgebrühte Crew aus Rangers einen Ursa im Kokon an Bord gefangen hält, erschloss sich mir bei der Sichtung nicht. Parallelen zum Alien-Universum kommen auf. Wie das Raumschiff dann in einen “Asteroiden-Sturm” geraten soll, ist mehr als fragwürdig. Und dass man zuletzt ausgerechnet auf der alten verlassenen Erde landet, ist regelrecht lachhaft. Abgesehen davon, dass es jeder erdähnliche Planet getan hätte, gibt es gar keinen Grund, dass es nur die Erde sein darf. Schwamm drüber. Lässt man einmal Handlung und Unstimmigkeiten außer Acht, bleibt leider kaum noch etwas übrig. Kitais Reise auf der Erde ist ziemlich unspektakulär und einfallslos. Die Dialoge zwischen Vater und Sohn sind flach und führen ins Lächerliche. Der Soldaten-Jargon, mit dem der Vater seinen Sohn bombardiert, ist redundant und grotesk. Man fragt sich, was für eine Störung einer haben muss, um seinen Sohn in dieser Situation ständig “Soldier” zu nennen und herumzukommandieren. Überhaupt ist die Figur des Vaters enervierend. Jaden Smith wiederum nutzt seine limitierten Möglichkeiten so gut es geht aus, auch wenn die Handlung nicht viel mehr von ihm verlangt, als davonzurennen und Angst zu haben. Die Szenen auf der Erde haben eine gewisse Schönheit inne, doch kommt leider nie wirkliche Spannung auf. Das liegt natürlich in erster Linie daran, dass der Ablauf von Anfang an komplett vorhersehbar ist. [Spoiler-Warnung] Wem nicht kurz nach der Bruchlandung dämmert, dass der Sohn schließlich wie der Vater zum Ghost wird, der muss mit seinen Gedanken schon ganz woanders sein (Dieses ganze Konzept des Ghosting erscheint mir, nebenbei bemerkt, ziemlich bescheuert, worunter der Film natürlich auch leidet). [Spoiler-Ende] Somit wird das mögliche Potential leider nicht ausgenutzt. Stattdessen ermüdet Shyamalan den Zuschauer im Vorfeld mit wirklich schlechten Szenen im Raumschiff, das ein kurios einfallsloses und billiges Setdesign aufweist, und Figuren, die sich wie leblose Marionetten verhalten. Wenn schließlich noch Sätze fallen wie “everything on this planet has evolved to kill humans” und damit offenbart wird, dass die Drehbuchautoren (oder zumindest die Figur des Generals) nicht den blassesten Schimmer davon haben, wie Evolution funktioniert, schalte ich als interessierter SF-Gucker irgendwann in den Eco-Modus und sitze den Rest des Films aus.

AFTER EARTH

AFTER EARTH ist ein Science Fiction Film, in dem letztlich wenig passiert, und das Wenige auch noch komplett vorhersehbar und sinnlos ist. Das Grundkonzept der Annäherung von Vater und Sohn mag ein guter Ausgangspunkt gewesen sein, aber die Hülle, die Shyamalan dem ganzen gegeben hat, ist uninspiriert, fade und langweilig. Interessant bleibt lediglich zu sehen, ob der Stern Shyamalans tatsächlich bereits untergegangen ist, oder er sich in naher Zukunft wieder mit einem guten Film erholen kann. Zurzeit scheint ihm das nicht zu gelingen.

AFTER EARTH
USA 2013
Regie: M. Night Shyamalan
Drehbuch: M. Nigth Shyamalan, Gary Whitta
Kamera: Peter Suschitzky
Schnitt: Steven Rosenblum
100 min.

5/10

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