THE HOBBIT: THE DESOLATION OF SMAUG

Veröffentlicht: 8. Januar 2014 in reviews
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Nach ihren ersten Abenteuern und der Flucht vor Azog gelangen Bilbo, Gandalf und die Zwerge um Thorin Oakenshield in den verhexten Mirkwood (Düsterwald), wo sie das Reich Thranduils betreten. Das gespannte Verhältnis zwischen Thranduil und Thorin führt zu weiteren Komplikationen, die nur durch die Raffinesse Bilbos gelöst werden können. Auf ihrer Reise zum Einsamen Berg gelangt die Gruppe nach Lake-Town, und auch dort sind nicht alle froh, die Abenteurer zu sichten. Doch schließlich sind sie am Ziel ihrer Reise: der Einsame Berg, in welchem sich Erebor, die Stadt der Zwergenkönige befindet – und wo Smaug, der Drache, auf dem Goldschatz der Zwerge schlummert.

Im Vergleich zum ersten Teil der Hobbit-Trilogie, gibt es in THE DESOLATION OF SMAUG von Anfang an Action, und das Abenteuer um Bilbo Baggins setzt nahtlos an AN UNEXPECTED JOURNEY an. Wie in allen seinen Mittelerde-Filmen setzt Peter Jackson ein Intro voran, diesmal ist es das erste Treffen Gandalfs mit Thorin in Bree (inklusive Peter Jackson Cameo). Wer bereits mit dem ersten Teil seine Probleme hatte, der wird auch den zweiten Teil nicht mögen. Wer jedoch bereit ist, die freie Interpretation Jacksons, samt Abweichungen von der Buchvorlage Tolkiens, zu akzeptieren und die Filme als eigenes Werk anzusehen, kann am zweiten Teil der Trilogie ebenso seine Freude haben. THE DESOLATION OF SMAUG ist eine weitere faszinierende Reise durch Mittelerde. Die Geschichte um Bilbo Baggins erreicht (wie auch im Buch) nie die Tiefe oder gar die schicksalshafte Schwere der Herr der Ringe-Trilogie, sondern ist nun mal ein Abenteuer, das seinen Schwerpunkt in der Leichtigkeit, im Witz und der Fantasie setzt. Auch wenn hier bereits durch die Bedrohung Saurons die aufkommende Dunkelheit eingeführt wird, so bleibt der Film dennoch stets die eher sorgenfreie Geschichte, in der Thorin und Co. von einem Schlamassel in das andere geraten, und dabei stets gerettet werden müssen – sei es von Gandalf, von Bilbo, oder – wie in diesem Teil: von Legolas und Tauriel. Letztere, gespielt von LOST-Darstellerin Evangeline Lilly, ist eine vom Drehbuch-Team komplett erdachte Figur am Hofe Thranduils. Streng genommen ist Tauriel ein überflüssiger Charakter, doch ich verstehe, warum Peter Jackson sie einbauen wollte. In Tolkiens Geschichten sind Frauen selten über Nebenrollen hinausgegangen (es gibt zwar Erzählungen wie die von Beren und Lúthien, oder etwa die Figur Eowyns in Herr der Ringe, doch die Hauptcharaktere waren stets eine reine Männerdomäne), daher ist die Idee, eine Elbin einzuführen, per se nicht schlecht. Ähnlich ging Jackson auch vor, indem er in der LotR-Trilogie Arwens Rolle und Screentime ausweitete. Nach anfänglicher Skepsis musste ich jedoch feststellen, dass mir die Figur Tauriels zusagt und Lilly eine sehr gute Elbin abgibt (darin Liv Tyler auch übertrifft). Durch die Ergänzung des Duos Legolas/Tauriel ist im Film für weitere spektakuläre Action gesorgt (wir kennen die Legolas-Stunts aus der LotR-Trilogie) – mal abgesehen davon, dass es irgendwie Sinn macht, Legolas zu sehen, da die Zwerge nun mal am Hofe seines Vaters ankommen. Da ich schon immer ein Elben-Fan war (meine Lieblingslektüre ist das Silmarillion und die Geschichte der Eldar-Sippen), war ich ob dieser Ergänzungen sehr dankbar, und sie sind gelungen. Thranduils Reich ist detailliert und liebevoll entworfen und wirkt gleichzeitig düsterer als Lórien oder Rivendell. Auch die Figur Thranduils (Lee Pace) ist gelungen und an den richtigen Stellen unsympathisch.

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Mir gefällt auch, dass Peter Jackson sich die Zeit lässt (kann er ja, bei so langer Laufzeit) für die kleinen und großen Details. Er baut den Gestaltenwandler Beorn ein, dessen Bärengestalt und Verwandlung in die Menschenform fantastisch ist. Auch Esgaroth (Lake-Town) ist ein großartiges Set, mit seinen vereisten Kanälen und engen Hütten. Stephen Fry begeistert als abgehobener Meister des Stadtstaats, während Ryan Gage beweist, dass Black Adder bereits in Mittelerde sein Unwesen trieb. Vor einer Szene hatte ich gelinde gesagt etwas Angst: Bereits im Buch ist die Fass-Szene (mit den Augen eines Erwachsenen betrachtet) ziemlich albern, und ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie sie im Film umgesetzt werden sollte, ohne lächerlich zu werden. Hier hat Peter Jackson genau den richtigen Weg gewählt. Es ist nun mal eine lustige Episode in dieser Kindergeschichte, und dementsprechend wurde dieser Moment mit einer Leichtigkeit und in der Gewissheit inszeniert, dass hier nichts glaubhaft sein, sondern ausschließlich Spaß machen muss. Und genau so ist es dann auch. Ähnlich wie in der Trollszene des ersten Teils ist die Achterbahnfahrt der Zwerge auf dem Wasser, gepaart mit der Elben-Action durch Legolas/Tauriel, unterhaltsam und unbeschreiblich spektakulär. Erneut staune ich über die perfekte Choreografie aller Elemente dieser Szene.
Als letztes Highlight muss natürlich Smaug erwähnt werden, der auf der Leinwand eine fantastische Präsenz hat. Jedem Fantasy-Fan geht das Herz auf, wenn er den bis dato besten Drachen in einem Film erblicken darf. Kombiniert mit der Stimme Benedict Cumberbatchs (STAR TREK INTO DARKNESS) ist Smaug definitiv das Highlight des zweiten Teils. Das Ende ist wie erwartet/befürchtet abrupt, doch an der logischen Stelle, und ich freue mich auf das große Finale und die letzte Schlacht. Erst nach dem dritten Teil möchte ich meine Bewertung des Films auch in Zahlenform festsetzen.

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Neben all den positiven Eindrücken meiner erneuten Rückkehr in das geliebte Mittelerde, gibt es natürlich auch Abstriche, die ich machen musste. Den technischen Aspekt möchte ich nur am Rande streifen, da mir das Thema ein wenig zum Halse raushängt. Ich kann weiterhin nichts mit der HFR (High Framerate) anfangen. Der einzige Moment, wo sie für mich funktioniert oder gar gut aussieht, sind die fast reinen CGI-Szenen, so z. B. Smaugs Auftritt. Ansonsten ist die Anmutung der HFR für mich absolut unästhetisch und wertet das Bild auf TV-Look ab. Ich freue mich bereits auf die Sichtung der Blu-Ray in herkömmlicher Framerate, denn auch beim ersten Teil hat mir die zweite Sichtung zuhause mehr Freude bereitet.
Inhaltlich bin ich ein wenig gespalten. Die Komik rund um die Zwerge ist ein Element, dass ich akzeptiere, auch wenn ich dadurch nie eine Verbindung haben werde wie etwa zur LotR-Trilogie. Das trifft aber auch auf die Bücher zu. Über die Abweichungen und Dazudichtungen Jacksons lässt sich natürlich streiten. Puristen werten wahrscheinlich jedes abweichende Element als Sakrileg. Ich bin eher der Ansicht, dass ein Künstler sein eigenes Ding durchziehen muss, sofern er der Seele des Ausgangsmaterials treu bleibt (siehe als Beispiel Stanley Kubricks THE SHINING, das vom Buch abweicht, von Stephen King sehr negativ aufgenommen wurde, aber dennoch ein filmisches Meisterwerk ist). Dies tut Jackson in erster Linie durch die humorvolle Note und das Einbauen der zahlreichen Details. Aber auch, indem er Szenen einbaut, die die Ereignisse der Bücher verknüpfen. So wollte ich als Leser des Hobbits schon immer gerne wissen, was Gandalf tut, wenn er die Gruppe immer wieder verlässt. Die Reise Gandalfs nach Dol Guldur und das erste Duell mit Sauron ist für mich dadurch eine großartige Szene, die ich ungern missen möchte. Letztlich muss der Film als eigenes Werk betrachtet werden. Als Jacksons Interpretation des Buchs, bzw. des Mittelerde-Universums. Während mich also der Auftritt Tauriels zunächst irritierte, dann zunehmend erfreute, störten mich eher klischeeartige Momente, in denen in allzu vorhersehbarer Manier Stichworte oder Einzeiler gegeben werden. Das Überraschungsmoment ist in der Hobbit-Trilogie nicht ganz so gelungen wie in der LotR-Trilogie, wahrscheinlich, weil wir Jacksons Blick auf Mittelerde mittlerweile nach so vielen Filmen sehr gut kennen. Das bringt mich auf den Gedanken, der mir im Kino und im Anschluss hin und wieder kam: Es hätte mich schon sehr interessiert, was der ursprünglich eingeplante Regisseur Guillermo del Toro (EL LABERINTO DEL FAUNO, PACIFIC RIM) aus dem Material gemacht hätte. Inwieweit hätte der Hobbit visuell und stilistisch sich von Peter Jacksons Filmen unterschieden und das Überraschungsmoment wieder vergrößert? Diese Frage wird für immer unbeantwortet bleiben (es sei denn, weitere Tolkien Bücher werden irgendwann verfilmt).

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Mein Fazit nach zwei Teilen: Fantasy-Fans werden, wenn sie bereit sind, eine infantile Geschichte und entsprechende Inszenierung zu akzeptieren, ihre Freude haben. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Peter Jackson in diesem Genre die besten Filme hergestellt hat, an die keiner vorbei kommt. Für Kinder jedenfalls wird THE DESOLATION OF SMAUG, neben einigen schaurigen Momenten, ein fantastisches Erlebnis sein.

THE HOBBIT: THE DESOLATION OF SMAUG
USA, NZ 2013
Regie: Peter Jackson
Drehbuch: Fran Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson, Guillermo del Toro
Kamera: Andrew Lesnie
Schnitt: Jabez Olssen
161 min.

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