Top 5 des Monats: Juli 2014

Veröffentlicht: 17. August 2014 in top 5 of the month
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Nach der obligatorischen WM-Pause konnte ich im Juli endlich wieder einige Filme sichten, von denen heute wieder (mit etwas Verspätung) eine Auswahl vorstellen werden kann. Unbeabsichtigt dominantes Thema war diesmal offensichtlich die Seefahrt mit insgesamt drei Filmen, die auf (oder unter) dem Meer spielen. Hier ist meine Auswahl neu gesichteter Filme im Juli:

Meine Top 5 Filme im Juli 2014:

5. Platz: BROOKLYN’S FINEST (USA 2009, Regie: Antoine Fuqua)

BROOKLYN'S FINEST

Nach dem desaströsen Ärgernis OLYMPUS HAS FALLEN konnte Antoine Fuqua mich durch dieses Cop-Drama mit Starbesetzung wieder besänftigen. Im Stile der klassischen miteinander verwobenen Episoden folgen wir den Handlungssträngen verschiedener desillusionierter Polizisten in New Yorks Stadtteil Brooklyn. Richard Gere spielt den einsamen depressiven Cop, der kurz vor der Pensionierung steht. Ethan Hawke ermittelt im Rauschgiftdezernat, muss aber gleichzeitig durch unsaubere Methoden Geld beiseite schaffen, um seiner kinderreichen Familie ein neues Haus kaufen zu können. Don Cheadle arbeitet undercover und macht durch, was alle Film-Undercover-Cops erleben: Identitätskrise, Sympathie für sein neues Milleu, Ärger mit den Vorgesetzten. Diese Stränge werden gezwungenermaßen etwas künstlich miteinander kombiniert,der Drehbuchautor hält sich also nicht allzu sehr mit seiner Konstruktion zurück. Dennoch ein interessanter, atmosphärischer Film und einer der besseren Cop-Movies.

4. Platz: CRIMSON TIDE (USA 1995, Regie: Tony Scott)

CRIMSON TIDE

Das U-Boot-Genre hat durch die begrenzte Location einen ganz eigenen Reiz und liefert das Potential für so manch guten Film. Während Petersens DAS BOOT unerreicht bleibt, überzeugt Tony Scotts Thriller aus dem Jahre 1995 durch eine moderne Variante des klassischen Bounty-Themas: knallharter Seekapitän gerät in die Kritik und es kommt zu einer Art Meuterei. Rechtmäßig oder nicht, moralisch fragwürdig oder angebracht? Es entsteht ein spannendes Psycho-Duell zwischen den beiden großartigen Darstellern Gene Hackman und Denzel Washington. In einer starken Nebenrolle übrigens ist Viggo Mortensen mit echtem Bürstenschnitt zu bewundern.

3. Platz: ALL IS LOST (USA 2013, Regie: J.C. Chandor)

ALL IS LOST

J.C. Chandor ist definitiv ein Regisseur, den ich weiter beobachten möchte. Nach dem fantastischen MARGIN CALL ist ALL IS LOST ein Film für den sicherlich speziellen Geschmack: dialogarm (bis auf einen Funkversuch gibt es gar keinen), Segelboot als einzige Location. Die Handlung ist simpel: ein älterer Mann (Robert Redford) ist allein auf hoher See, nachdem sein Boot Leck geschlagen hat. Zunächst beginnt er in bewundernswerter Ruhe und Organisation, sich auf die neue Situation einzustellen. Der Kraftakt Redfords bei diesen Dreharbeiten ist erstaunlich und man fragt sich, warum er sich das antun wollte. Doch alles führt scheinbar auf das unausweichliche Ende zu und man fragt sich im Laufe der Handlung, wann der Punkt erreicht ist, an dem der Protagonist gebrochen ist und aufgibt. Interessanter, sehr ruhiger Film mit meditativem Soundtrack und einem wie immer überzeugenden Robert Redford.

2. Platz: ANATOMY OF A MURDER (USA 1959, Regie: Otto Preminger)

ANATOMY OF A MURDER

Dieser raffinierte Klassiker des Gerichtsfilms lässt James Stewart (REAR WINDOW, VERTIGO) in der Hauptrolle glänzen, der als charismatischer Verteidiger (und Ex-Staatsanwalt) einen Mann vertritt, der offensichtlich einen Mord begangen hat. Da das Opfer aber scheinbar zuvor die Frau des Mannes vergewaltigt hatte, gibt es zumindest einen moralischen Trumpf auf Seiten der Verteidigung. Jetzt muss die Jury nur noch davon überzeugt werden, dass der Mörder zum Zeitpunkt des Mordes unzurechnungsfähig gewesen ist und aus einem Impuls heraus agiert hat. Abgesehen von den moralischen Fragen, die der Film aufwirft, macht es irrsinnigen Spaß, James Stewart bei seiner Arbeit zuzusehen. Außerdem darf man auch George C. Scott (PATTON, DR. STRANGELOVE) in einer Nebenrolle als assistierenden Ankläger bewundern.

1. Platz: CAPTAIN PHILLIPS (USA 2013, Regie: Paul Greengrass)

CAPTAIN PHILLIPS

Es ist sehr wichtig, bei Filmen, die „auf wahren Geschehnissen basieren“, die Trennung zwischen Fiktion und Realität zu ziehen. Während Paul Greengrass‘ Film als Thriller nahezu perfekt funktioniert, vor allem auch Dank des fantastischen Spiels von Tom Hanks, stand der Film in der Kritik, da scheinbar besonders die Figur des Captain Phillips nicht ganz der Realität entspricht. Gleichzeitig fühlten sich einige Leute der Schiffsbesatzung falsch portraitiert oder behaupteten, dass bestimmte Szenen falsch dargestellt wurden. Das ist ein allgemeines Problem von Filmen, die reale Ereignisse nachstellen. Deshalb kann ich generell immer nur dazu raten, solche Filme bei gewecktem Interesse höchstens als Anfangspunkt von Recherchen zu nehmen. Will man über ein Ereignis mehr erfahren, sollte man darüber lesen, und nicht einen Film darüber schauen. Die „Aufgabe“ eines Films ist nicht, historisch akkurat zu sein, sondern zu funktionieren. Das also beiseite gestellt, bleibt zu sagen, dass CAPTAIN PHILLIPS rein als Film betrachtet vollauf überzeugt. Selbst wenn ich nicht der größte Fan von Greengrass‘ Stil und seiner etwas unstetigen Kamera bin, funktioniert der Film in all seinen Elementen und bietet Spannung und Drama bis zu den letzten Minuten. Thematisch fast parallel läuft CAPTAIN PHILLIPS mit dem sehr guten, nur ein Jahr zuvor veröffentlichen dänischen Film KAPRINGEN (A HIJACKING), der es in meine Top 5 des Februars geschafft hatte. Während der dänische Film den Schwerpunkt auf die Verhandlungen aus der Perspektive der Schiffseigentümer legt, ist CAPTAIN PHILLIPS ein Thriller, der auf das menschliche Drama und die Spannung vor Ort setzt, und ab und zu auch leichte politische Nuancen durchscheinen lässt. Beide Filme sind empfehlenswert und einer schließt den anderen nicht aus.

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