Top 5 des Monats: August 2014

Veröffentlicht: 13. September 2014 in top 5 of the month
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Der August war ein besonders musikalischer Monat, und so haben alle Filme meiner Auswahl mit Musik zu tun. Dominant sind die Dokumentarfilme, doch auch zwei Spielfilme haben es in die Top 5 geschafft! Für den September habe ich mir vorgenommen, wieder einige nicht-englischsprachige Filme zu sehen. Gerade meine geliebten asiatischen Filme habe ich eine ganze Weile vernachlässigt. Ich kann also heute schon versprechen, dass auch der September wieder was neues und abwechslungsreiches bringt. Doch jetzt zu meinen besten fünf Erstsichtungen des letzten Monats:

Meine Top 5 Filme im August 2014:

5. Platz: CRAZY HEART (USA 2009, Regie: Scott Cooper)

CRAZY HEART

Das Alkoholiker-Drama des alternden Country-Sängers überzeugt natürlich in erster Linie durch die großartige Leistung von Jeff Bridges (THE BIG LEBOWSKI). Das Thema Alkoholismus wurde filmisch schon so oft behandelt, so dass hier sicher nicht das Rad neu erfunden werden konnte, doch Bridges‘ Portrait des Alkoholikers ist ehrlich und subtil und macht ihn zusammen mit seiner Performance an der Gitarre und am Mikrofon zu einer absolut glaubwürdigen und liebenswürdigen Figur in Scoot Coopers Drama. Neben Bridges spielen Maggie Gyllenhaal (THE DARK KNIGHT), Colin Farrell (IN BRUGES) und Robert Duvall (THE GODFATHER).

4. Platz: AIN’T IN IT FOR MY HEALTH (USA 2010, Regie: Jacob Hatley)

AIN'T IN IT FOR MY HEALTH

Dieser faszinierende Dokumentarfilm begleitet Levon Helm, Schlagzeuger und Sänger von The Band, der legendären Gruppe, die u. a. durch ihre Tour mit Bob Dylan groß wurde und für zahlreiche Musiker ein großer Einfluss gewesen ist. Der Film zeigt den alten Helm, der ein neues Album herausbringt, Geldsorgen hat und vor allem aufgrund seiner Krankheit mit seiner Stimme kämpft. Die wahrscheinlich rührendste Szene ist sein Kampf, wenn er während seiner Behandlung mit aller Kraft versucht, wieder einen Ton zu treffen – umso beeindruckender ist seine anschließende Live-Darbietung, in der er die Zuschauer mit nicht einfach zu singenden Songs begeistert. Der Titel des Films – ein Zitat Helms – ist Programm. Der 2012 verstorbene Helm ist ein interessanter Charakter und begnadeter Musiker, der nach dem Zerfall der Band mit den Nachwehen und seiner Verbitterung kämpfte. Dennoch zeugen zahlreiche Szenen von seinem Humor und seiner Geselligkeit. Besonders schön ist mir eine ausführliche Szene im Kopf geblieben, die den Prozess des Songwritings beobachtet. Ein durchum gelungenes Portrait einer bedeutenden Figur der amerikanischen Musikgeschichte.

3. Platz: FEEL LIKE GOING HOME (USA 2003, Regie: Martin Scorsese)

FEEL LIKE GOING HOME

Martin Scorseses FEEL LIKE GOING HOME ist der erste Film einer siebenteiligen Dokumentation namens THE BLUES, die 2003 (von Scorsese) für das Fernsehen produziert wurde. Die Reihe widmet sich ganz dem Ursprung der westlichen Rock- und Popmusik schlechthin, in all seinen Facetten. Im ersten Teil, bei welchem Scorsese selbst Regie führte (die anderen Teile wurden von anderen namhaften Regisseuren realisiert) geht Blues-Musiker Corey Harris den Wurzeln des Blues nach. Seine Reise beginnt im Mississippi-Delta, wo er alte Blues-Größen ausfindig macht und sich mit ihnen unterhält und musiziert. Doch die Reise geht weiter, denn der Ursprung der Rhythmen lässt sich weiter zurückverfolgen bis nach Westafrika. In Mali trifft Harris auf die dort ansässigen populären Musiker, und vor allem hier gelingt Scorsese der magische Moment des Films. Da musizieren Menschen zusammen, die weder die Sprache noch die Kultur teilen. Sie hören sich gegenseitig zu, und schon wird die Musik ineinander verwoben. Ein fantastischer Auftakt einer Serie, deren weitere Teile ich in Kürze sichten werde.

2. Platz: GEORGE HARRISON: LIVING IN A MATERIAL WORLD (USA 2011, Regie: Martin Scorsese)

GEORGE HARRISON - LIVING IN THE MATERIAL WORLD

Und wieder Scorsese. Der Altmeister beherrscht nicht nur den visuellen Aspekt des Filmemachens, sondern hat vor allem seit Jahrzehnten das richtige Händchen für den Musikfilm. Mehreren Größen hat er bereits ein Denkmal setzen können, z. B. The Band in THE LAST WALTZ, Bob Dylan in NO DIRECTION HOME, den Rolling Stones in SHINE A LIGHT. Jetzt also endlich auch einem der Beatles. Dafür suchte sich Scorsese nicht die Alpha-Männchen Lennon oder McCartney aus, sondern den schüchternen Schweiger George Harrison, Lead-Gitarrist und Sänger der Fab Four und Songwriter von Hits wie Something, Here Comes The Sun, While My Guitar Gently Weeps, Beware of Darkness, My Sweet Lord, All Things Must Pass etc.. Scorsese vermeidet in dieser Dokumentation vor allem ausgetretenes Bekanntes. Er kümmert sich nur kurz um die Beatlemania und wie alles anfing und verrückt wurde. Stattdessen interessiert ihn eher der Mensch Harrison und seine Zeit nach den Beatles, als er mit seinem ersten (leider etwas überproduzierten) Solo-Album All Things Must Pass die Welt mit seiner Kreativität überraschte. Auch seine Zeit in Indien und die tiefe Freundschaft und Kollaboration mit Ravi Shankar werden ausgiebig behandelt. Dank dessen Einfluss kamen erstmals indische Klänge in die westliche Musik, doch auch der spirituelle Aspekt Indiens spielte eine große Rolle im Leben von George Harrison. Auch die Freundschaft und Zusammenarbeit mit Monty Python (ohne Harrison hätte es wohl kein LIFE OF BRIAN gegeben) wird in Form von Interviews mit Eric Idle und Terry Gilliam erwähnt. Leider kommen die weiteren erfolgreichen Alben zu kurz (bis gar nicht vor), ebenso die Kontroverse des Plagiat-Urteils zu My Sweet Lord. Dafür streicht Scorsese dezent die zwischenzeitlichen Drogenprobleme an. Dazu reicht ihm nur eine Andeutung von Klaus Voorman und der Schnitt auf einen Auftritt Harrisons, der mit der Stimme kämpfend ins Mikrofon brüllt. Alles gesagt mit einer einfachen Montage. Ähnlich verhält es sich mit Harrisons Verhältnis zu Frauen. Auch hier reichen kurze Einblicke im Interview mit seiner Witwe Olivia, die mehr als tausend Worte sagen. Fans der Beatles und der Musik werden LIVING IN A MATERIAL WORLD sowieso schauen, doch im empfehle Scorseses Doku auch anderen, um diese faszinierende Person kennenzulernen.

1. Platz: INSIDE LLEWYN DAVIS (USA 2013, Regie: Joel Coen, Ethan Coen)

INSIDE LLEWYN DAVIS

Der erfolglose Folk-Sänger Llewyn Davis versucht im Jahre 1961 in Greenwich Village/New York, nach seinem Erfolg als Duo eine Solo-Karriere anzugehen, denn sein ehemaliger Partner hat Selbstmord begangen. Sein Album verkauft sich nicht, er ist abgebrannt und obdachlos. Er kommt bei Freunden und Verwandten unter und tritt abends in Kneipen auf. Er scheint vom Pech verfolgt zu sein, doch er weigert sich, aufzugeben und sich wie seine Freunde zu verkaufen und zu „kommerzialisieren“. Von denen kann er sich vor allem im Form seiner Ex-Freundin regelmäßig Schelte wegen seiner Unzuverlässigkeit und Rücksichtslosigkeit anhören. Den Gebrüder Coen ist ein faszinierender Mood-Film über das Künstlerleben gelungen. Die Kulisse von Greenwich Village und später Chicago ist stimmungsvoll, obwohl alles sehr dezent gehalten wird und man von den Städten nicht viel sieht. INSIDE LLEWYN DAVIS könnte man gewissermaßen als Sequel zu einem anderen Coen-Film sehen: A SERIOUS MAN. Nicht ganz so skurill geht es in diesem Drama zu, dennoch erinnert man sich an die höhere Gewalt, die dem Protagonisten immer wieder einen Strich durch die Rechnung macht. 1961 war ein Meilenstein in der amerikanischen Folk-Musik, und dieser Fakt, auf den ich nicht weiter eingehen möchte, um Spoiler zu vermeiden, spielt meines Erachtens eine wichtige Rolle für die gesamte Geschichte von Llewyn Davis. Neben Oscar Isaac (SUCKER PUNCH), der der Titelfigur eindrucksvoll Leben verleiht, glänzen in weiteren Rollen Carey Mulligan (DRIVE), Justin Timberlake (IN TIME), John Goodman (THE BIG LEBOWSKI) und F. Murray Abraham (AMADEUS). Dieser Film wird nicht jedermanns Sache sein, aber man sollte ihn gesehen haben, denn den Coens ist mal wieder eine Perle gelungen.

Kommentare
  1. Musik-Monat, wie? Bist selber Musiker oder wie kommt’s?

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