TRANSCENDENCE

Veröffentlicht: 4. November 2014 in reviews
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TRANSCENDENCE

Nachdem der KI-Forscher Will Caster (Johnny Depp) durch ein Attentat seitens Öko-Terroristen mit einer Polonium-Vergiftung im Sterben liegt, entscheidet sich dessen Partnerin und Kollegin Evelyn (Rebecca Hall), Casters Traum zu erfüllen und schließt ihn kurz vor dem Tod mit Hilfe des Freundes Max (Paul Bettany) an einen Computer an, um sein Gehirn hochzuladen und ihn als künstliche Intelligenz unsterblich zu machen. Kaum online, beginnt der neugeborene virtuelle Caster damit, hochfliegende Pläne in Windeseile in die Tat umzusetzen, und erste Fragen kommen auf, ob das erschaffene Wesen nicht möglicherweise ein gefährliches Monster ist.

Wally Pfister war bisher der treue Kameramann Christopher Nolans, und ist mit ihm zusammen für zahlreiche Hits verantwortlich (MEMENTO, THE DARK KNIGHT, INCEPTION). TRANSCENDENCE ist sein Debüt als Regisseur, und es ist leider gehörig in die Hose gegangen. So interessant an sich das Thema der künstlichen Intelligenz und der Verschmelzung von Mensch und Maschine auch ist, Pfister und Drehbuchautor Jack Paglen wussten jedenfalls nicht, wie sie aus diesen Konzepten eine interessante, möglicherweise gar bahnbrechende Geschichte entwickeln sollten. Stattdessen ist TRANSCENDENCE ein steriler und schläfriger SF-Thriller voller Charaktere, die nur bedingt ausgearbeitet sind oder sich gegenseitig auf die Füße treten. Nicht nur, dass Pfisters Film dramaturgisch durchfällt, selbst seine Inszenierung ist einfallslos und erschreckend unspektakulär. Es scheint ihm gänzlich an Fantasie zu fehlen. Stattdessen beschleicht einem das Gefühl, dass sich Pfister die ein oder andere Sache von seinem Partner Nolan abgeschaut und zu emulieren versucht hat. Das misslingt ihm aber völlig und wird zur leblosen schlechten Kopie. Als SF-Fan ärgert es mich immer am meisten, wenn das Potential eines Konzepts nicht ausgereizt wird (siehe dazu zahlreiche Beispiele im Blog: DAYBREAKERS, IN TIME, PROMETHEUS, SPLICE, SURROGATES, TERMINATOR SALVATION). Aus den ganzen Möglichkeiten, die die zugegebenermaßen etwas an den Haaren herbeigezogene Prämisse eröffnet, ist nichts anderes geworden als die stoische Figur Depps, die mitten in der Wüste eine High-Tech-Basis errichtet (wie viel Zeit soll eigentlich vergangen sein, bis der Bau abgeschlossen war?), um die Menschheit zu verbessern oder was auch immer zu erreichen. Und natürlich wird die Army geschickt, um dem ganzen ein Ende zu bereiten. Um schließlich doch noch etwas Ambivalenz in die banale Geschichte zu streuen, kopiert Pfister mit der letzten Einstellung erneut schlecht bei seinem Meister – nur der Kreisel fehlt in der Einstellung.

TRANSCENDENCE

Der größte Fehler, den Pfister als Regie-Debütant gemacht hat, war die Wahl seines Projekts. Er hätte einen kleinen, persönlichen Film drehen sollen. Eine Herzensangelegenheit, um sein Handwerk als Regisseur in kleinem Rahmen zu testen und reifen zu lassen. Man vergleiche das Big-Budget-Monstrum TRANSCENDENCE mit den Debütfilmen folgender Regisseure: PI (1998, Darren Aronofsky), SYDNEY (1996, Paul Thomas Anderson), RESERVOIR DOGS (1992, Quentin Tarantino), HUNGER (2008, Steve McQueen), FOLLOWING (1998, Christopher Nolan). Mit TRANSCENDENCE hat Pfister höchstens bewiesen, dass er eine große Produktion managen kann. Wenn er jedoch eine eigene interessante Filmographie aufbauen möchte, sollte er einen Schritt zurückgehen und kleiner anfangen – oder wieder die ausgezeichnete Arbeit als Director of Photography aufnehmen.

TRANSCENDENCE
USA 2014
Regie: Wally Pfister
Drehbuch: Jack Paglen
Kamera: Jess Hall
Schnitt: David Rosenbloom
119 min.

4/10

 

edit: Im ursprünglichen Posting hatte ich versehentlich MEMENTO als Debüt-Film Nolans aufgelistet. Dieser Fehler wurde korrigiert.

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