Top 5 des Monats: Januar 2015

Veröffentlicht: 15. Februar 2015 in top 5 of the month
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Dem aufmerksamen Leser ist sicher nicht entgangen, dass es für den Dezember keine Top 5 gegeben hat. Das lag schlicht daran, das ich zu wenige (gute) Filme gesichtet habe, die es wert waren, in einer Liste aufgenommen zu werden. Das sah im Januar zum Glück schon wieder anders aus, und somit kann ich meine erste Auswahl des Jahres veröffentlichen!

Meine Top 5 Filme im Januar 2015:

5. Platz: BRAVE (USA 2012; Regie: Mark Andrews, Brenda Chapman)

BRAVE

Lange nicht so gut wie etwa die Vorwerke RATATOUILLE (2007) und WALL-E (2008), doch ähnlich liebevoll und nach bewährtem Disney-Rezept überzeugt dieser Pixar-Animationsfilm, der die Geschichte einer schottischen Prinzessin erzählt, die, um ihrer Vermählung zu entgehen, ihre Mutter verzaubern lässt, ohne mit den daraus resultierenden Konsequenzen zu rechnen.

4. Platz: LORE (Deutschland, Australien, Großbritannien 2012; Regie: Cate Shortland)

LORE

Ein gelungener und sehenswerter Film, der in Deutschlands dunkelstem Kapitel spielt, bzw. kurz danach. Nazi-Deutschland hat kapituliert, die Alliierten haben Deutschland in Besatzungszonen aufgeteilt, doch einige führende Nazis befinden sich auf der Flucht. Lore (Saskia Rosendahl), die von der „Arbeit“ ihres Vaters offensichtlich keine Ahnung hat und wie ihre anderen Geschwister indoktriniert von Propaganda und Hitlerjugend ist, muss sich, nachdem ihre Eltern sich schließlich stellen, auf eine Odyssee aus dem Schwarzwald bis nach Hamburg begeben, wo die Großmutter lebt. Die Nahrungsmittel sind limitiert, der jüngste Bruder ist noch ein Säugling und jede Begegnung eine potentielle Gefahr. Unterwegs schließt sich ihnen ein wortkarger Gefährte an, und erst auf dieser Reise voller Strapazen dämmert Lore so langsam, dass ihr bisheriges Weltbild revidiert werden muss. Obwohl mir einige stilistische Entscheidungen missfallen, insbesondere die hektische und willkürlich wirkende Kameraarbeit (Adam Arkapaw), so funktioniert der Film für mich in erster Linie aufgrund der Interaktion Lores mit ihrer Außenwelt, besonders mit Thomas (Kai-Peter Malina); außerdem freue ich mich über jeden guten deutschen Film.

3. Platz: DALLAS BUYERS CLUB (USA 2013, Regie: Jean-Marc Vallée)

DALLAS BUYERS CLUB

Ähnlich wie LORE ist DALLAS BUYERS CLUB weniger aus cineastischen Gründen empfehlenswert, auch wenn hier interessantere Elemente vorhanden sind. Vor allem anderen steht hier die Performance von Matthew McConaughey, der mit seiner Rolle als HIV-positiver und homophober Rodeo-Reiter wohl seine beste Arbeit liefert, im Vordergrund. McConaughey, der in Hollywood leider lange Zeit auf sein Sunnyboy-Image limitiert und schließlich nur noch als aufgepumpter Solarium-Abonnent gecastet wurde, ist es in den letzten Jahren gelungen, seiner Karriere eine Kehrtwende zu verschaffen und konnte mit interessanten Rollen neu aufblühen (THE WOLF OF WALL STREET, INTERSTELLAR). DALLAS BUYERS CLUB funktioniert vor allem deshalb so gut, weil er mit seiner Rolle derart verschmilzt, dass man McConaughey als Darsteller völlig vergisst und mit einer Person leidet, die voller Schwächen und Makel ist – aus dem Leben gegriffen. Bei allem Lob für McConaughey darf man Jared Leto nicht vergessen, der wie der Hauptprotagonist zurecht mit einem Oscar für seine Darstellung des Transsexuellen Rayon ausgezeichnet wurde.

2. Platz: VALMONT (Frankreich, USA 1989; Regie: Milos Forman)

VALMONT

Dass Milos Forman (AMADEUS, ONE FLEW OVER THE CUCKOO’S NEST) zu einem meiner Favoriten zählt, habe ich in diesem Blog schon an mehreren Stellen erwähnt. Seine Verfilmung des Romans Gefährliche Liebschaften von Choderlos de Laclos (1782) kam ein Jahr nach DANGEROUS LIAISONS (1988) von Stephen Frears, der auf der gleichen Vorlage basiert, ins Kino und musste ein Schattendasein fristen. Doch Formans VALMONT ist ein Film, den ich nur empfehlen kann. Er zeigt uns eine dekadente französische Gesellschaft des 18. Jahrhunderts bei ihren Spielchen und Intrigen und untermalt diese mit seinem eigenen Humor und der Opulenz der Bilder, Drehorte und Kostüme. Wer Historienfilme mag, sollte VALMONT jedenfalls gesehen haben, und auch der Vergleich zwischen den beiden Filmen dürfte interessant ausfallen (meine letzte Sichtung von DANGEROUS LIAISONS liegt leider zu weit in der Vergangenheit).

1. Platz: THE GRAND BUDAPEST HOTEL (Großbritannien, Deutschland, USA 2014; Regie: Wes Anderson)

THE GRAND BUDAPEST HOTEL

Auf dem ersten Platz schließlich steht der Stil, das cineastische Element, wieder ganz vorne. Wes Andersons Filme erkennt man auf dem ersten Blick (THE ROYAL TENENBAUMS, THE LIFE AQUATIC WITH STEVE ZISSOU, THE DARJEELING LIMITED), und THE GRAND BUDAPEST HOTEL dürfte stilistisch seine großartigste Arbeit sein. Voller liebevoller kleiner Details und minutiös konzipiert, muss der Film, der mit so vielen Elementen experimentiert und jongliert, jeden Filmliebhaber und Filmemacher entzücken. Da wechselt das Formant vom gewohnten Breitbild plötzlich zum 4:3 Format, um Akteure per Dolly-Trackingshot durch das Hotel zu begleiten oder verschiedene Räume in herrlicher Zentralperspektive zu zeigen. Auffallen tut das nur, wenn man besonders darauf achtet, ansonsten sind Andersons zahlreiche Spielereien (von Animationselementen bis hin zu Slapstick) ähnlich fließend eingebaut wie in Jeunets LE FABULEUX DESTIN D’AMÉLIE POULIN (2001). Auch die großartige Odyssee der Coens, O BROTHER, WHERE ART THOU? (2000), drängt sich mir bei der Sichtung von Andersons Film auf. Neun Oscar-Nominierungen hat der Film, der mit einem gigantischen Ensemble aufwartet, für die kommende Verleihung erhalten, darunter die Königsdisziplinen Bester Film und Beste Regie.

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