Top 5 des Monats: April/Mai 2015

Veröffentlicht: 3. Juli 2015 in top 5 of the month
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Dies ist der zweite Teil meiner noch nachzuholenden Filmliste (erster Teil: Februar & März). Diesmal habe ich die Monate April und Mai auf eine kleine Auswahl zusammengefasst. Es handelt sich um Filme neueren Erscheinungsdatums, und die Auswahl ist diesmal erfreulicherweise wieder internationaler gehalten. Wie immer ist das gewählte Ranking nicht der Weisheit letzter Schluss, also nicht allzu ernst zu nehmen. Für den nun abgelaufenen Juni werde ich in Kürze wieder eine eigene Top 5 Liste veröffentlichen. Viel Spaß mit meinen Filmtipps:

Meine Top 5 Filme im April/Mai 2015:

5. Platz: SIN-SE-GAE (NEW WORLD) (Südkorea 2013; Regie: Park Hoon-jung)

NEW WORLD

NEW WORLD ist, wenn man so will, das koreanische Pendant zum Hongkong-Hit INFERNAL AFFAIRS (2002). Doch die zweite Regiearbeit von Park Hong-jung (HYULTU, 2011) sollte keineswegs als billiger Abklatsch degradiert werden, denn der Thriller bietet spannende Unterhaltung und interessante Charaktere. Auch hier wird ein Polizist als Informant in das organisierte Verbrechen platziert. Heikel wird die Angelegenheit, als der Anführer des mächtigsten Clans ums Leben kommt. Denn jetzt entbrennt ein Machtkampf um die freie Stelle, für die sich Jung Chung (Hwang Jung-min, u. a. bekannt aus A BITTERSWEET LIFE, 2005) und Lee Joong-gu (Park Sung-wong) die besten Chancen ausrechnen. Doch auch die Polizei mischt sich massiv in die Syndikat-interne Politik ein und sorgt für so manche Eskalation. Denn sie verfolgt ganz eigene Pläne. Dadurch droht der Informant Ja-sung (Lee Jung-jae, u. a. THE HOUSEMAID, 2010) mehr und mehr, in eine Sackgasse zu geraten und aus der Situation nicht mehr herauszukommen. Seine Paranoia steigt, nachdem sich die führenden Männer des Syndikats sicher sind, dass ein Spitzel in ihren Reihen schnüffelt. Auf Seiten der Polizei spielt übrigens der koreanische Superstar Choi Min-sik (OLDBOY, SYMPATHY FOR LADY VENGEANCE, I SAW THE DEVIL).

4. Platz: AUTÓMATA (USA, Spanien, Kanada, Bulgarien 2014; Regie: Gabe Ibáñez)

AUTÓMATA

Der spanische Regisseur Gabe Ibáñez drehte mit AUTÓMATA einen sehenswerten kleinen SF-Film, der eng an Asimovs „Robotergesetze“ angelehnt ist. In einer verwüsteten Welt im Jahre 2044 leben die Menschen in einem Netzwerk von kleinen sicheren Städten, während die gefährliche Arbeit in der lebensfeindlichen Umgebung von Robotern verrichtet wird. Jacq Vaucan (Antonio Banderas) ist ein Versicherungsdetektiv für die Firma, die solche Roboter herstellt. Er muss einen kuriosen Fall untersuchen, bei welchem ein Polizit einen Roboter erschossen hat, der Modifikationen an sich selbst vorgenommen haben soll. Laut „Roboterprotokolle“ ist das verboten und unmöglich. AUTÓMATA überzeugt durch seinen Fokus, den Look, die Blade Runner’sche Atmosphäre und der guten CGI-Roboter. Im Gegensatz zu I, ROBOT (2004, Alex Proyas) ist AUTÓMATA kein Action-Spektakel am laufenden Band, sondern punktet mit ruhigeren Momenten und Eindrücken, die mir den Film positiv in Erinnerung lassen.

3. Platz: PREDESTINATION (Australien 2014, Regie: The Spierig Brothers)

PREDESTINATION

Robert Heinlein, einer der Großen der SF-Literatur (Starship Troopers, Stranger in a Strange Land), schrieb die Kurzgeschichte All you Zombies (1959), auf welcher PREDESTINATION beruht. Dabei handelt es sich um eine Zeitreise-Geschichte, die einen besonderen Clou hat, den ich an dieser Stelle ungern verraten möchte, falls jemand Heinlein noch nicht gelesen hat. Ich bin froh, dass ich den Spierig Brothers eine zweite Chance gegeben habe, denn sie hatten mich nach ihrem Vampirfilm DAYBREAKERS (2009) sehr enttäuscht. Da ging es um einen interessanten Plot in einem reizvollen Setting, der dann schließlich völlig plump und mit nichts als Action beendet wurde, ohne das Potential dabei auszuschöpfen. PREDESTINATION hingegen macht Spaß – vorausgesetzt, man steht wie ich auf Zeitreise-Geschichten. Auch wenn es nicht der ganz große Wurf ist: Es ist eine würdige Verfilmung der Literaturvorlage, ein gelungener Film und ein sehenswertes Puzzle.

2. Platz: NIGHTCRAWLER (USA 2014, Regie: Dan Gilroy)

NIGHTCRAWLER

Hier und da habe ich gelesen, dass ein fragwürdiger Vergleich zu Martin Scorseses Klassiker TAXI DRIVER (1976) gezogen wird. NIGHTCRAWLER ist ein bemerkenswerter Film: düster, makaber, witzig, ungemein spannend und eine glänzende Satire auf die Sensationsgeilheit der Medien und ihrer Konsumenten. Doch den frischgebackenen Unfall-Kameramann/Journalisten und offensichtlichen Soziopathen Louis Bloom (Jake Gyllenhaal) mit dem Vietnam-Veteranen, Taxifahrer und Soziopathen Travis Bickle (Robert De Niro) gleichzusetzen, ist ein Vergleich von Äpfeln und Birnen. Denn Louis Bloom ist eine durch und durch konstruierte Figur, die nicht den Anspruch auf Realismus und Authentizität hat, sondern die Funktion, eine raffinierte Geschichte und böse Satire auf Trab zu halten. TAXI DRIVER ist eine Charakterstudie (mit einem realistischen Niemand als tragischen Helden), wohingegen NIGHTCRAWLER glänzende Unterhaltung ist, die vor allem im Showdown vor Spannung zu explodieren droht, aber unter ihrer Oberfläche wesentlich weniger Substanz hat. Das macht alles jedoch nichts: Dan Gilroys Regiedebüt ist allemal ein positives Filmerlebnis, und Gyllenhaals Figur einer der gestörtesten Filmcharaktere der letzten Jahre.

1. Platz: INTOUCHABLES (Frankreich 2011, Regie: Olivier Nakache, Eric Toledano)

INTOUCHABLES

Ein herrlich frischer Film aus Frankreich, der dort und auch hier in Deutschland zum Hit geworden ist. Die Geschichte um den arbeitslosen Driss (Omar Sy, u. a. SAMBA, 2014), der beim steinreichen Querschnittgelähmten Philippe (François Cluzet, u. a. der großartige Thriller NE LE DIS À PERSONNE, 2006) als Pfleger anfängt, basiert auf einer wahren Geschichte. Aus dem ungleichen Paar werden Freunde. Driss weckt die Lebensgeister Philippes und bringt Heiterkeit in den Oberklassen-Haushalt voller Bediensteter. Gleichzeitig lernt er Verantwortung, die er später auf seine eigene Familie anwenden kann. INTOUCHABLES ist voller liebenswerter und urkomischer Szenen, geht keine Risiken ein (etwa beim Thema Ungleichheit in Frankreich), und lebt vom Zusammenspiel der beiden sympatischen Darsteller und Charaktere.

Kommentare
  1. Intouchables fand ich so unglaublich scheiße, weiß wirklich nicht was die ganze Welt in dem sieht. Zu Nightcrawler aber Daumen hoch.

    • budgues sagt:

      Ich denke, den Film muss man (mit Hintergrundwissen) in der OV gesehen haben, da die ganzen Witze und Wortspiele nicht bzw. nur ganz schlecht ins Deutsche übertragen werden konnten.
      Ich persönlich finde den Film (wie gesagt in der OV) erstklassig, da ein Reißer nach dem anderen kommt, ohne den Film und den ernsten Hintergrund der Erkrankung Phillipes oder der sozialen Herkunft Drys zu verwaschen. Was mich an diesem Film auch sehr stark beeindruckt hat, ist der O.S.T. von Ludovico Einaudi. Seit dem Film habe ich mich näher mit seiner Musik beschäftigt und bin begeisterter Zuhörer geworden – nur zu empfehlen! Und auch die Leidenschaft für 70er Funk ist aufgeblüht (wie auf der Hochzeit zu sehen war, Indy😉 )

      • indy sagt:

        Bei mir gilt generell: Jeder Film, egal welcher Herkunft, wird ausschließlich im Orginalton geschaut und bei Bedarf untertitelt. Synchronfassungen sind für mich ein absolutes Unding und Vergewaltigung des Ausgangswerks – egal wie gut ihre Qualität sein mag!😉

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