THE BOURNE IDENTITY

Veröffentlicht: 11. Juli 2015 in reviews
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Ohne Erinnerung, bewusstlos und mit Schusswunden im Rücken wird ein Amerikaner (Matt Damon) von italienischen Fischern im Mittelmeer gerettet. Der einzige Hinweis ist ein kleines Implantat in der Hüfte, das die Daten zu einem Züricher Schließfach enthält. So macht sich der Mann ohne Identität auf den Weg in die Schweiz, um sein Geheimnis zu lüften. Im Schließfach befinden sich Ausweise, Geld und eine Waffe. Ziemlich bald wird ihm klar, was auch immer er getan hat und wer er war, man ist ihm auf den Fersen und will ihn aus dem Weg räumen. Es beginnt eine Flucht gemeinsam mit Marie (Franka Potente) nach Frankreich.

THE BOURNE IDENTITY war der erste Teil der Robert Ludlum Buchverfilmungen rund um den Superagenten Jason Bourne. Mittlerweile bereits 13 Jahre seit dem Erscheinen war es interessant, sich den Film nach einigen Sichtungen erneut anzusehen. Regisseur Doug Liman (MR. & MRS. SMITH, FAIR GAME) inszenierte den Auftakt einer neuen Reihe, die gewissermaßen dem bisherigen Supermann des Genres, Ethan Hunt, den Rang ablief. Jason Bourne wacht auf als Niemand und versucht, genau wie der Zuschauer, aufzudecken, was geschehen ist. Seine Fähigkeiten und Talente registriert er im Laufe der Handlung. In kalten, trüben und entsättigten Bildern versucht er sich zunächst Orientierung zu verschaffen. Doch schon unmittelbar nach seinem Besuch in der Züricher Bank beginnt die Hetzjagd und die erste Konfrontation in der amerikanischen Botschaft, aus welcher er nur durch seine außergewöhnlichen Talente wieder herauskommen kann. Zusammen mit der mittellosen Marie reist er nach Paris, um dort seine mutmaßliche Wohnung zu inspizieren. Doch längst haben sich die Mächtigen der Welt gegen ihn verschworen. Von Langley aus, dem Hauptsitz der CIA, wird die Operation koordiniert, um Jason Bourne, der eigentlich hätte tot sein müssen, endgültig verschwinden zu lassen. Mehrere Agenten in Europa werden aktiviert und auf ihn angesetzt, aus Barcelona, Rom, Hamburg.

THE BOURNE IDENTITY

THE BOURNE IDENTITY bedient das Agenten-Genre in seiner Action-Variante. Harte waffenlose Kämpfe, wilde Autoverfolgungsjagden im Straßenverkehr, Profikiller beim Ausüben ihres Jobs, die Paranoia des Gejagten. Inszenatorisch deutet der Film bereits in Richtung chaos cinema, wobei dies erst in den Folgeteilen von Regisseur Paul Greengrass ad extremis geführt wird. Die Kamera (Oliver Wood) ist bei Liman zwar schon lose und shaky, und die Durchschnittsdauer einer Einstellung bis zum nächsten Cut sehr kurz (Editor Saar Klein). Damit wird in erster Linie in den Actionszenen geschummelt, wenngleich das Ergebnis durchaus gelungen ist. Matt Damon (TRUE GRIT, GREEN ZONE, THE INFORMANT!) verkörpert Jason Bourne glaubwürdig und sympathisch, und wenn auch sowohl die BOURNE Teile als auch die MISSION: IMPOSSIBLE Filme einen unrealistischen Überagenten darstellen, so erreicht Damons Charakter glaubwürdigere Züge als Cruises Hunt, der in seinen Filmen (De Palmas sehr guten ersten Teil schließe ich aus) überwiegend waghalsige Stunts zeigen möchte. Apropos Glaubwürdigkeit: akzeptiert man einmal die Rahmenbedingungen dieses Genres, welches man in dieser Hinsicht nicht mit realistischeren Varianten à la TINKER, TAILOR, SOLDIER, SPY (2011, Tomas Alfredson) oder A MOST WANTED MAN (2014, Anton Corbijn) vergleichen sollte, so gelingen fast alle Szenen. Lediglich Bournes Sturz vom gefühlten fünften Stockwerk am Treppenhaus vorbei, inkl. Abschuss eines Kontrahenten im Vorbeiflug und Überleben nach dem Aufprall ohne Blessuren – nun, das ist dann doch etwas zu viel des Guten. Aber in dieser Hinsicht muss man in vielen Actionfilmen einiges an Bullshit über sich ergehen lassen, da kann man ruhig ein Auge zudrücken. Positiv in Erinnerung bleiben auch die interessanten Locations, vor allem die Pariser Szenen und Bournes MacGyver’sche Instant-Aktionen, die unterstreichen, was für eine gut ausgebildete Maschine er ist, auf diese er auch von seinen Vorgesetzten reduziert wird.
THE BOURNE IDENTITY ist noch immer ein gerne gesehener Titel, der bisher gut gealtert ist und als positives Beispiel des Action- und Spionagethrillers dienen kann.

THE BOURNE IDENTITY
USA 2002
Regie: Doug Liman
Drehbuch: Tony Gilroy, William Blake Herron
Kamera: Oliver Wood
Schnitt: Saar Klein
119 min.

8/10

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