MAD MAX: FURY ROAD

Veröffentlicht: 13. Juli 2015 in reviews
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Hier kommt ein Actionfilm eines gewissen Australiers namens George Miller, der in den Achtzigern mit seiner Endzeit-Actiontrilogie einen Kult um die Figur des Mad Max (gespielt von Mel Gibson) gründete. Der erste MAD MAX (1979) war eine Independent-Produktion mit absurden Stunts und knallharter Action, als hätten sich paar Aussies nach ein paar Bierchen zuviel zusammengesetzt und ihre PS-Wahnträume realisieren wollen. Doch in erster Linie war MAD MAX ehrliches Filmemachen: die konsequente Umsetzung einer eigenen, sehr speziellen Vision. Und wer ehrliche Arbeit betreibt, findet seine Nische und damit seinen Anhang. Und eben dieser George Miller, der zwischendurch bizarrerweise für Filme wie BABE: PIG IN THE CITY (1998) und HAPPY FEET (2006) verantwortlich war, bringt nun 36 Jahre nach MAD MAX im Alter von 70 Jahren einen neuen Mad Max Film auf die Leinwand.

MAD MAX: FURY ROAD ist im Gegensatz zu den beiden Fortsetzungen des Originalfilms, die zumindest mich wenig begeistern konnten (da vor allem der dritte Teil mit seinem Kinder-Stamm sehr weichgespült war und bis auf den Anfang inkl. Kampf im Thunderdome nichts mehr vom Original hatte) kein schwacher Neuaufguss eines ausgelutschten Franchises. MAD MAX: FURY ROAD dürfte vielmehr der beste Actionfilm der letzten Jahre sein. Miller macht in dieser Neuauflage so ziemlich alles richtig. Mit Tom Hardy (WARRIOR, THE DARK KNIGHT RISES, BRONSON) hat er einen adäquaten Ersatz für Mel Gibson gefunden, der die Figur des Mad Max quasi reibungslos übernimmt, als wären nicht 30 Jahre seit dem letzten Auftritt vergangen. Charlize Theron (PROMETHEUS, THE ROAD) spielt jedoch die eigentliche Hauptrolle in der Geschichte, und ihre Furiosa dürfte eine der besten weiblichen Actionfiguren seit langem sein (Wer war das zuletzt? Vielleicht Linda Hamilton als Sarah Connor in TERMINATOR 2: JUDGEMENT DAY (1991)? Oder Carrie-Anne Moss als Trinity in THE MATRIX (1999)?). Die Charakterzeichnung ist minimal, doch sie reicht aus, um absolut funktionierende Charaktere herzustellen, um deren Wohlergehen der Zuschauer sich sorgt. Zahlreiche weitere Figuren, in teilweise nur kleinsten Rollen, füllen das originelle Gesamtbild.

MAD MAX: FURY ROAD

Doch nicht nur die Charakterzeichnung, auch die Exposition ist auf ein Minimum beschränkt – erneut ein großer Pluspunkt des Films. Die dystopische, fremdartige und aus den Fugen geratene Welt und Gesellschaft werden dem Zuschauer gar nicht erst erklärt, wir starten einfach mittendrin. Den Reim bildet sich der Zuschauer erst im Laufe der Handlung, als wäre man selbst wie in einem Traum plötzlich in die Geschichte hineingeschleudert. Mad Max wird zu Beginn gefangengenommen und in die Zitadelle verschleppt, wo er als Blutbeutel für die gezüchteten Kindersoldaten des kaiserähnlichen Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne, der bereits im ersten MAD MAX den Antagonisten spielte) herhalten muss. Als die Kriegerin Furiosa unerwartet ihren Herren verrät und dieser mitsamt der gesamten Streitmacht Jagd auf sie macht, wird Mad Max in seiner neuen Funktion einfach als Gallionsfigur an die Motorhaube geschnallt und mitgenommen. Es beginnt eine Verfolgungsjagd, die in over the top Action und PS-Wahn konkurrenzlos ist. Das Geniale: Schlicht zusammengefasst fahren einfach alle nur von A nach B. Wie daraus 120 Minuten Unterhaltung entstehen, das muss man selbst gesehen haben.

MAD MAX: FURY ROAD

MAD MAX: FURY ROAD begeistert mit der oben genannten Ehrlichkeit und Kompromisslosigkeit, die Regisseur Miller an den Tag legte. Seine Vision wurde allen Risiken zum Trotz durchgesetzt (z. B. FSK-Einstufung), und so wird der Film zur konsequent durchgezogenen Freakshow. Die Stunts wirken packender, da nicht jede Einstellung reine CGI-Orgie ist, sondern man das Gefühl hat, dass Stuntleute hier ans Limit gingen. Dadurch ist man nicht so distanziert wie bei den meisten Szenen ähnlicher Filme, in denen aufgrund der fortgeschrittenen VFX am Rechner einfach alles möglich geworden ist und daher die Glaubwürdigkeit darunter leidet. Genauso wie bei den Stuntszenen steckt die Liebe in allen Details: Die Masken und Kostüme der unzähligen Komparsen und Kleinstrollen, die Austattung, die Waffen und die völlig bizarren Fahrzeuge strotzen nur so vor Kreativität und Lust an der Sache. Richard Taylor, der Kopf des Weta Workshop, darf sich einmal mehr auf die Schulter klopfen, und schon jetzt hat der Musikwagen, der mittels Trommlern und Teufels-Guitar-Hero den Kriegern das Adrenalin hochputscht, Kultstatus erreicht.

MAD MAX: FURY ROAD

Apropos hochputschen: Das größte Verdienst von MAD MAX: FURY ROAD, neben der Tatsache, dass er einfach ein verdammt geiler badass Film ist, ist seine Vorbildfunktion für das Actionfilm-Genre. Vielleicht dient er als Defibrillator, der Hollywood mal zeigt, wie man einen richtigen Actioner dreht, und dass die Dinger nicht immer aussehen müssen wie Michael Bay’sches Chaos oder stets die gleichen Stereotypen bedienen müssen. Ich bin gespannt auf die Auswirkungen, die Millers Film haben wird. Er erinnert mich bzgl. des reinen cineastischen Erlebnisses an Alfonso Cuaróns GRAVITY (2013). Beide Filme haben an sich nichts miteinander zu tun, doch beide sind Achterbahnfahrten, die den Zuschauer mit etwas überraschen, das sich immens vom Einheitsbrei abhebt. Genauso wie GRAVITY ist MAD MAX: FURY ROAD ein Trip, der genau das zeigt, was er verspricht: furiose Action, und eine echte auf Leinwand gebannte Vision, so krank sie auch sein mag. Hoffen wir nun, dass die geplanten Fortsetzungen besser sind als jene des Orginals – der Auftakt jedenfalls ist mehr als gelungen.

MAD MAX: FURY ROAD
Australien, USA 2015
Regie: George Miller
Drehbuch: George Miller, Brendan McCarthy, Nick Lathouris
Kamera: John Seale
Schnitt: Margaret Sixel
120 min.

9/10

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