BEREULLIN (THE BERLIN FILE)

Veröffentlicht: 27. Juli 2015 in reviews
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Der nordkoreanische Agent Pyo Jong-seong (Ha Jung-woo) ist in Berlin stationiert. Seine Ehefrau Ryun Jung-hee (Jun Ji-hyun) ebenfalls, als Übersetzerin in der nordkoreanischen Botschaft. Nach einer fehlgeschlagenen Transaktion wird Jong-seongs Frau verdächtigt, zu den Südkoreanern überlaufen zu wollen. Jong-seong kommen Zweifel auf, doch bald schon muss er erkennen, dass dies nur der erste Schritt eines gigantischen abgekarteten Spiels ist, bei welchem unter anderem er und seine Frau als Bauernopfer herhalten sollen. Bald befinden sich beide auf der Flucht, doch nicht nur vor den eigenen Leuten, besonders in Person des rücksichtslosen Dong Myung-soo (Ryoo Seung-bum), sondern auch vor dem südkoreanischen Geheimdienstler Jung Jin-soo (Han Suk-kyu) und arabischen Organisationen, die auf sie angesetzt werden.

Der Spionage-Thriller von Regisseur Ryoo Seung-wan (THE CITY OF VIOLENCE) stellt bis auf einzelne gelungene und packende Actionszenen ziemlich durchschnittliche Kost dar. Die Handlung ist durch die zahlreichen Verwirrungen aufgeblasen und nach nur einer Sichtung nicht immer komplett nachvollziehbar; es werden so viele Elemente hineingezogen (arabische Gruppen, Mossad- und CIA-Agenten), dass für mich fragwürdig ist, ob sich alles perfekt reimt. Die Schauspieler jedoch sind ein positiver Aspekt des Films. In erster Linie Ha Jung-woo (bekannt aus THE CHASER und THE YELLOW SEA) liefert eine starke Leistung als gehetzter Wolf ab. Sein südkoreanischer Widersacher wird von Han Suk-kyu (GREEN FISH) gespielt, der bis auf die Szenen, in denen er mit seinem CIA-Kollegen lässiges Englisch sprechen will, ebenfalls überzeugt. Auch Jun Ji-hyun, vor allem bekannt aus dem Megahit MY SASSY GIRL (2001), gefällt mir überwiegend in den ruhigen Momenten in der Berliner Wohnung. Ryoo Seung-bum wiederum ist ein viel zu überdrehter und hipper Antagonist, der keinen glaubwürdigen nordkoreanischen Agenten darstellt.

THE BERLIN FILE

Aber um das eben genannte Stichwort der Sprache nochmals aufzugreifen: Das ist ein großer Schwachpunkt des Films. Wie leider viele Filme, die im Ausland spielen, und bei denen nicht allzuviel Wert auf Authentizität und Realismus gelegt wird, leidet auch THE BERLIN FILE darunter sehr. Für das südkoreanische Publikum mag das unsichtbar sein, doch das schlecht geschriebene und gesprochene Deutsch (von deutschen Darstellern, wohlgemerkt!) und die ebenfalls schlechten englischen Dialoge reißen mich doch sehr raus. Außerdem sind es Kleinigkeiten, die einem als in Deutschland lebenden Zuschauer sofort aufstoßen. So erklingen wie bereits in THE BOURNE SUPREMACY (2004) nicht die typisch deutschen Martinshörner, wenn die Polizei im Anmarsch ist, sondern Sirenen, wie wir sie aus den USA (oder eben Südkorea) kennen. Die Araber fahren kleine Transporter mit der Aufschrift „Döners Kebab“ und auf den PC-Displays erscheint unter einem recht bekannten Logo die Aufschrift „Coomersbank“. Das mögen nur Details sein, die aber zumindest bei mir für Abstriche sorgen. Es ist sicherlich nicht einfach, ein ausländisches Setting realistisch darzustellen. Dazu braucht man kompetente Leute vor Ort, die einem dabei helfen, in Form von gutem Casting und guten Dialog-Schreibern (so wie Tarantino dies für INGLOURIOUS BASTERDS (2009) hatte – natürlich mit entsprechendem Budget).

THE BERLIN FILE

Doch auch wenn man diese mäßige Darstellung Berlins und die schlechten nicht-koreanischen Dialoge außer Acht lässt, bleibt THE BERLIN FILE leider trotzdem durchschnittlich und zeigt nichts Neues. Die Bourne-Trilogie war eindeutig eine Referenz (wie der Regisseur selbst äußerte), doch bis auf wenige Momente kommt der Film nicht an das Vorbild ran. Das ist schade, denn das Thema an sich ist höchst interessant und generell sind koreanische Filme mit der Thematik des Nord-Süd-Konflikts in Südkorea sehr beliebt und Kassenmagnete. Regisseur Ryoo verbrachte zwar Zeit mit nordkoreanischen Überläufern und drehte auch im Vorfeld eine Dokumentation zu dem Thema, doch sein Spielfilm verdient nicht unbedingt das Prädikat „glaubwürdig“. Insgesamt wurde aus dem gegebenen Potential und auch angesichts der starken Besetzung zu wenig gemacht. Für eine abendliche Unterhaltung reichts allemal, doch in dieser Kategorie gibt es weit stärke Filme.

BEREULLIN [베를린] (THE BERLIN FILE)
Südkorea 2013
Regie: Ryoo Seung-wan
Drehbuch: Ryoo Seung-wan
Kamera: Choi Young-hwan
Schnitt: Kim Sang-bum, Kim Jae-bum
120 min.

6/10

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