Top 5 des Monats: September 2015

Veröffentlicht: 28. Oktober 2015 in top 5 of the month
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Die Auswahl im letzten Monat war etwas begrenzt, dennoch waren ein paar sehenswerte Filme aus dem englisch- und französischsprachigen Raum dabei, die ich in der folgenden Liste vorstellen möchte – viel Spaß damit!

Meine Top 5 Filme im September 2015:

5. Platz: NON-STOP (Großbritannien, Frankreich, USA 2014; Regie: Jaume Collet-Serra)

NON-STOP

Zugegeben, NON-STOP ist der bisher schwächste Eintrag auf einem fünften Platz, seitdem ich diese Monatslisten führe. Tatsächlich wäre eine Top 4 für den September sinnvoller gewesen, aber da ich das Format nicht ständig ändern möchte, ist Jaume Collet-Serras (UNKNOWN) Thriller also mit reingerutscht. NON-STOP ist ein Thriller im Stile von DIE HARD (1988, John McTiernan), wobei er längst nicht an den Actionklassiker rankommt. Die Gemeinsamkeit ist die beengte und abgeriegelte Location, hier an Bord eines sich im Flug befindenden Flugzeugs. Der Air Marshal Bill Marks (Liam Neeson) erhält mitten auf einem Transatlantikflug über sein geschütztes Mobilfunknetz eine Erpresser-SMS. Ein Unbekannter droht damit, alle 20 Minuten einen Passagier zu töten, wenn man seiner Geldforderung nicht nachkommt. Die folgende Handlung beschäftigt sich nun damit, wie Marks versucht, den Unbekannten an Bord ausfindig zu machen, ohne dass dabei eine Panik ausbricht, und möglichst ohne Todesfälle. Dabei wird mit allerlei typischen Paranoia-Mustern und Stereotypen gespielt, so etwa die verdächtigen Blicke auf arabische Fluggäste und ein Katz und Maus Spiel, das sich mit diversen Twists ständig zu übertrumpfen versucht. Ein wenig zu viel von allem, doch insgesamt, wenn man in der richtigen Stimmung ist, ein durchaus unterhaltsamer und spannender Thriller, der trotz seiner Schwächen Spaß machen kann.

4. Platz: FROM HERE TO ETERNITY (USA 1953, Regie: Fred Zinnemann)

FROM HERE TO ETERNITY

Nachdem ich vor einiger Zeit damit begonnen habe, mir James Jones‘ Pazifik-Trilogie zu Gemüte zu führen, konnte ich also nach der Lektüre des ersten Romans From Here to Eternity (1951) die gleichnamige Verfilmung von Fred Zinnemann ansehen. Bisher kannte ich lediglich Terrence Malicks THE THIN RED LINE (1998), die Umsetzung des zweiten Romans (und einer der besten Filme der 90er, wenn auch massiv von der Buchvorlage emanzipiert – was durchaus ein Vorteil sein kann). Zinnemanns FROM HERE TO ETERNITY wurde zum Klassiker und räumte acht Oscars ab, darunter für den besten Film, die beste Regie und das beste Drehbuch. Auch wer den Film nicht gesehen hat, kennt sicher die unsterbliche Einstellung des von den Wellen umspülten Liebespaars am Strand. Ich war zweifellos sehr gespannt, und tatsächlich handelt es sich auch um einen guten Film, doch nach der Lektüre des Romans war ich mehr als skeptisch. Der über 800 Seiten dicke Wälzer, der auf Hawaii im Jahr vor dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor spielt, behandelt zahlreiche schwierige Themen, ist gespickt mit vielen Charakteren und in seinem Umfang kaum im Spielfilmformat vorstellbar. Wie zu erwarten, musste für die Verfilmung vieles weichen, so dass eine massiv gekürzte und für meinen Geschmack viel zu oberflächliche Geschichte dabei herauskam. Gewalt, Sex und gesellschaftliche Tabus wie der Umgang der in den Schofield Barracks auf Hawaii stationierten amerikanischen Soldaten mit den Homosexuellen in der Stadt wurden entweder nur leicht angedeutet oder komplett rausgelassen. Mehrere Charaktere sind verschwunden oder zu einem verschmolzen. Wer das Buch nicht gelesen hat, wird sicher Gefallen an dem Film finden, vorausgesetzt er betrachtet ihn im historischen Kontext. Ich wurde leider ein wenig enttäuscht, obwohl ich begeistert war über die Leistungen von Burt Lancaster in der Rolle des Milton Warden und Montgomery Clift als Robert Prewitt – die Hauptfiguren des Romans. FROM HERE TO ETERNITY sollte jeder Cineast mal gesehen haben, aber für den absoluten Genuss und das Porträt einer Zeit und seiner Menschen, empfehle ich vor allem Jones‘ Roman.

3. Platz: LA FRENCH (Frankreich, Belgien 2014; Regie: Cédric Jimenez)

LA FRENCH

Die meisten kennen William Friedkins grandiosen Thriller THE FRENCH CONNECTION (1971). LA FRENCH erzählt über die gleiche Sache, aus der Perspektive der anderen Atlantikseite. In der Mittelmeerstadt Marseille blüht in den 70ern das Drogengeschäft. Das türkische Morphin wird in großem Stil als Kokain in die USA verschifft, und das organisierte Verbrechen verdient sich eine goldene Nase. Dabei genießen die Hintermänner fast Immunität, da sie so ziemlich jeden Offiziellen in der Tasche haben. Schließlich taucht der ehemalige Jugendrichter Pierre Michel (Jean Dujardin) auf. Unbestechlich, ambitioniert und naiv sagt er den Unterweltbossen den Kampf an – und verschafft sich dadurch mächtige Feinde. Der Verfilmung des Lebens von Michel, der 1981 auf offener Straße in Marseille erschossen wurde, gelingt nie der ganz große Wurf wie Friedkins erwähnter Klassiker oder andere Perlen des Genres, dennoch gefällt mir der Film von Cédric Jimenez – einerseits wegen seiner charismatischen Darsteller (nicht nur Dujardin (THE ARTIST, THE WOLF OF WALL STREET), auch Gilles Lellouche (L’INSTINCT DE MORT)), aber auch wegen des erfrischenden Settings in Marseille, denn die meisten französischen Filme, die ich zu sehen bekomme, spielen meistens in Paris. Kennt man die wahre Geschichte, ist die Handlung natürlich vorhersehbar, doch so oder so ist LA FRENCH ein positives Erlebnis.

2. Platz: THE SPY WHO CAME IN FROM THE COLD (Großbritannien 1965, Regie: Martin Ritt)

THE SPY WHO CAME IN FROM THE COLD

Der Vergleich ist zwar unfair, denn bei John Le Carrés drittem Roman The Spy Who Came in from the Cold (1963) handelt es sich um ein wesentlich kompakteres Werk als Jones‘ From Here to Eternity. Dennoch ist die Verfilmung im Gegensatz zu Zinnemanns Film absolut adäquat zur Vorlage. Der Plot ist komplex und spannend, die schauspielerische Leistung von Richard Burton (1984) großartig, die Atmosphäre des Romans perfekt getroffen. Burton spielt Alex Leamas, einen britischen Geheimdienstler, der während der Hochspannung des Kalten Kriegs im Zuge einer komplexen Operation eine letzte Mission erhält: Sein eigener Rausschmiss aus dem Geheimdienst wird vorgetäuscht, damit er irgendwann vom Geheimdienst der DDR kontaktiert werden soll, um vorgeblich überzulaufen. Ziel der Operation ist das Ausschalten des Geheimdienstlers Mundt (Peter van Eyck), der als Doppelagent denunziert werden soll. Le Carrés Plot ist außergewöhnlich raffiniert und stellt große moralische Fragen. Die Verfilmung von Martin Ritt (HOMBRE) zählt zu den besten Buchverfilmungen, die ich gesehen habe.

1. Platz: UN PROPHÈTE (Frankreich, Italien 2009; Regie: Jacques Audiard)

UN PROPHÈTE

Der „Gefängnis-Film“ kann fast als eigenes Genre angesehen werden. Innerhalb dieses Genres ist UN PROPHÈTE mit der beste Film, den ich je gesehen habe. Doch auch totaler betrachtet ist der Film von Jacques Audiard (DE ROUILLE ET D’OS) ein grandioses Drama und extrem spannender Thriller. Malik El Djebeena (Tahar Rahim) ist ein jugendlicher Delinquent arabischer Herkunft, der nach mehreren Taten schließlich im Gefängnis landet. Verängstigt und desorientiert, versucht er mit den komplizierten gesellschaftlichen Strukturen zurechtzukommen. Als er von einer korsischen Clique gezwungen wird, einen Mord innerhalb der Gefängnismauern auszuüben, verschafft er sich zum ersten Mal Respekt und einen gewissen Schutz. Doch seine Orientierungslosigkeit bleibt. Die Korsen sehen in ihm nur einen minderwertigen arabischen Diener, die Araber einen verräterischen Korsen. Doch Malik ist ambitioniert, und nach und nach lernt er das Spiel besser kennen und versucht, seinen eigenen Weg zu finden. Tahar Rahim glänzt in der fordernden Rolle, und es gelingt ihm, seinen Gemütszustand und seine Gefühle auf den Zuschauer zu übertragen. UN PROPHÈTE ist voller interessanter und markanter Charaktere, der Film ist einerseits ungemein spannend und brutal, gleichzeitig aber auch auf gesellschaftskritischer Ebene relevant. Wir sehen quasi live zu, wie ein Jugendlicher, der nie eine echte Chance hatte, im Gefängnis zum richtigen Kriminellen heranwächst. Eine Gesellschaft, die gewissen Minderheiten und Schichten nur solche Karrieremöglichkeiten überlässt, hat ein großes Problem.

Kommentare
  1. Zustimmung zu Un prophete – damals in meiner Jahresliste gelandet.

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