STAR WARS: EPISODE I – THE PHANTOM MENACE

Veröffentlicht: 8. Dezember 2015 in reviews
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THE PHANTOM MENACEAls George Lucas 1999 sechzehn Jahre nach THE RETURN OF THE JEDI einen neuen Star Wars Film in die Kinos brachte, waren die Star Wars Fans weltweit schon längst in Ekstase. Der Hype hinsichtlich der neuen Trilogie, die die Vorgeschichte der alten Klassiker erzählen sollte, war gigantisch. Als die Leute schließlich den ersten Teil, EPISODE I – THE PHANTOM MENACE, zu sehen bekamen, gingen die Meinungen schnell massiv auseinander. Ein großer Teil der Fans und anderer Kinogänger war enttäuscht von Lucas’ neuem Star Wars Märchen. Mit den beiden Nachfolgern, EPISODE II – ATTACK OF THE CLONES (2002) und EPISODE III – REVENGE OF THE SITH (2005) war die Prequel-Trilogie abgeschlossen – und die Einstellung der Zuschauer bleibt divergent. Die nachfolgende Review enthält Spoiler!

In THE PHANTOM MENACE lernen wir Jedi-Ritter Qui-Gon Jinn (Liam Neeson) und dessen Lehrling, den Padawan Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor), kennen. Sie werden von Kanzler Velorum (Terrence Stamp) ausgesandt, um mit der Handelsföderation zu verhandeln, die im Orbit der abgelegenen Welt Naboo eine Handelsblockade errichtet hat, um gegen eine Form der Handelssteuer zu protestieren. Schnell wird ersichtlich, dass hinter der Blockade weit mehr steckt als Handelsinteressen, sondern vielmehr der mysteriöse Darth Sidious, der die Föderation als Werkzeug für eine geplante Invasion Naboos ausnutzt. Die Jedi werden an Bord des Föderationsschiffes angegriffen und fliehen in eines der Invasionsschiffe auf die Oberfläche Naboos, wo sie Königin Amidala (Natalie Portman) vor der bevorstehenden Invasion warnen wollen. So beginnt eine Reise, die die Jedi zunächst zusammen mit Amidala auf die abgelegene Welt Tatooine bringt, wo sie Teile für ihr beschädigtes Raumschiff auftreiben müssen, um weiter zum politischen Zentrum der Republik, nach Coruscant, fliegen zu können. Auf Tatooine treffen Qui-Gon, Obi-Wan & Co. auf den Jungen Anakin Skywalker (Jake Lloyd), der zusammen mit seiner Mutter als Sklave von einem Schrotthändler gehalten wird. Qui-Gon spürt die starke Präsenz der Macht in Anakin und vermutet, dass der Junge der Eine aus der Jedi-Prophezeiung ist, der die Macht ins Gleichgewicht bringen kann. Inzwischen ist auf Naboo die Invasion der Handelsföderation in vollem Gange, während im galaktischen Senat der Republik lediglich debattiert wird…

THE PHANTOM MENACE

Als ich THE PHANTOM MENACE 1999 das erste Mal gesehen habe, war ich, wenn ich mich richtig erinnere, ziemlich angetan. Ich war ganz im Sog des vorangegangenen Hypes, hatte den Trailer unzählige Male angesehen und den Laserschwert-Duellen entgegengefiebert – vor allem dem Dreikampf gegen Darth Maul. Auch wenn ich nie ein Hardcore-Fan war (dazu bin ich einfach nicht so sehr mit Star Wars verbunden wie andere), kann ich mir heute, da ich den Film nicht mag und die neue Trilogie insgesamt für sehr schwach halte, dies nur mit meiner damals spätkindlichen Begeisterung für das Star Wars Universum an sich erklären. Ich gehöre zu einer Generation, die die alte Trilogie nur aus dem Fernseher kennt und sich vielleicht deshalb besonders gefreut hat, eine eigene unsterbliche Trilogie zu bekommen. Dies ist Lucas nicht gelungen (den Gefallen tat mir stattdessen zwei Jahre später Peter Jackson mit seiner Herr der Ringe Trilogie – eine Welt, zu der ich zudem eine noch wesentlich tiefere Verbindung habe). Die neue Trilogie, die in der Vergangenheit spielt, besteht aus Filmen, die mir gerne gefallen würden, die aber einfach zu schlecht dafür ausgefallen sind. THE PHANTOM MENACE weist so viele Probleme auf, dass es an dieser Stelle viel zu viel Zeit und Platz in Anspruch nehmen würde, bis ins letzte Detail zu analysieren – außerdem wurde das bereits in genialer Weise als Video-Review von „Mr. Plinkett“ gemacht. In fast 70 Minuten wird THE PHANTOM MENACE humoristisch (wenn auch mit sehr speziellem Humor, der nicht jedermanns Sache ist) zerlegt und seine Schwächen und Dummheiten offenbart. Daher habe ich mich entschlossen, für diese Review ein paar wenige, dafür meine Hauptgründe zu nennen, die mir an THE PHANTOM MENACE missfallen. Eines ist klar: Es ist als Filmemacher nicht einfach, mit einem solchen Erbe einen Volltreffer zu landen, und man kann dabei fast nur verlieren (damit meine ich nicht den kommerziellen Aspekt – der nämlich war eine sichere Sache). Das jedoch kann keine Entschuldigung für die haarsträubenden Schwachpunkte des Films sein.

THE PHANTOM MENACE

Problem 1: die Charaktere (wenn man in THE PHANTOM MENACE überhaupt von Charakteren sprechen kann)

Die Figuren in THE PHANTOM MENACE sind allesamt absolut oberflächlich und ohne Persönlichkeit. Dies ist ziemlich kulant formuliert. Oberflächlich sind zahlreiche Charaktere in Mainstream-Filmen, doch die Charaktere in Lucas‘ Film sind schlichtweg von Schauspielern ausgefüllte dramaturgische Hohlkörper. Wir können bis zum Schluss nicht sagen, wer eigentlich die wichtige Hauptfigur ist, stattdessen agieren zahlreiche Charaktere zum größten Teil fragwürdig und unlogisch, um eine Handlung durchzusetzen, die letztlich angesichts der Lauflänge des Films banal und kurz ist (mehr zum Meta-Plot im nächsten Abschnitt). Liam Neeson geistert zusammen mit Ewan McGregor durch die Geschichte, und es wird ziemlich früh offensichtlich, dass mindestens einer der beiden überflüssig ist. Der angeblich weise Meister trifft befremdliche Entscheidungen und handelt an bestimmten Stellen bockig und wie man es eher von Obi-wan Kenobi erwarten würde (etwa indem er gegen den Beschluss des Jedi-Rates Anakin Skywalker als Padawan aufnehmen will, oder sich auf fragwürdige Wetten einlässt). Der Charakter, den man eher als jugendlichen Draufgänger erwarten würde, handelt wiederum stoisch und im Hintergrund und ist in den meisten Punkten weiser als sein Meister. Stattdessen darf er die meiste Zeit im Raumschiff warten, während Qui-Gon Ginn seine merkwürdigen Entscheidungen trifft. Königin Amidala ist eine völlig leblose Hülle, die lediglich durch ihre zahlreichen Kostüme für Abwechslung ihrer Figur sorgt. Anakin Skywalker ist der kleine Junge, der es Qui-Gon so angetan hat. Sein Charakter ist jedoch die typische von einem schlechten Darsteller verkörperte Kindsfigur vieler Spielfilme. Seine Figur bündelt keine Sympathie, denn sein angeblich hartes Schicksal als Sklave wirkt unglaubwürdig, wenn man sieht, dass er zusammen mit seiner Mutter in einem scheinbar stabilen Haushalt lebt und neben seiner Arbeit als Sklave zuhause wie ein ganz normaler Junge mit seinem Technik-Spielzeug bastelt und in der Freizeit Pod-Rennen fährt. Was macht eigentlich den Sklavenstatus der Mutter aus? Dies sind mitunter Gründe, weshalb auch Anakin als mögliche Identifikationsfigur des Zuschauers ausfällt, stattdessen eher nervt. Wenn man auch nur kurz die Charakterzüge der Figuren aus der alten Trilogie zum Vergleich herbeizieht, erkennt man sehr schnell das Nichtvorhandensein selbiger bei den neuen Charakteren. Dies ist eigentlich schon das Todesurteil des Films, denn was soll uns eine Geschichte interessieren, in der es keine interessanten Figuren gibt. Das ist angesichts des hochwertigen und talentierten Casts doppelt schade. Schließlich ist da Jar-Jar Binks, die CGI-Figur für den Comic Relief, über die ich am liebsten gar nichts schreiben möchte – ja, ich gehöre wohl zu Jar-Jars Hatern…

THE PHANTOM MENACE

Problem 2: die Handlung

Im Gewirr der Laufzeit, der zahlreichen Locations und Figuren fällt es manchmal etwas schwer, Aussagen über die eigentliche Handlung zu treffen. Ernüchternd ist dann schließlich, wenn man alle Elemente bis auf den letztlich relevanten roten Faden reduziert: drei Dinge passieren, die für das Star Wars Universum wichtig sind. 1) Senator Palpatine von Naboo (der zugleich der mysteriöse Sith Darth Sidious ist; gespielt von Ian McDiarmid) wird durch einen politischen Coup zum Kanzler im Senat, 2) Qui-Gon Jinn trifft auf Anakin Skywalker – und im Zuge dessen lernen 3) Anakin und Amidala (die Eltern von Luke Skywalker) sich kennen (man könnte den weiteren vierten Punkt hinzuziehen, dass die Jedi mit den Sith konfrontiert werden). Dies ist keine wirkliche Handlung, zumindest nicht im klassischen Sinne (es sind vielmehr Elemente, die zur Handlung der alten Filme führen), und sie besitzt auch keinen Höhepunkt, an dem alles kulminiert und sich auflöst bzw. auf den nächsten Film weiterleitet. Man fragt sich, ob George Lucas nichts spannenderes oder besseres einfallen konnte, um von diesen Ereignissen zu berichten. Grenzenloses Universum, grenzenlose Möglichkeiten, Mann!

THE PHANTOM MENACE

Problem 3: sterile CGI-Sequenzen

Ich bin generell sehr kulant, wenn es um die Qualität von Visual Effects geht, besonders in einem historischen Kontext betrachtet. Wenn Effekte verwendet werden, um die Geschichte zu erzählen oder voranzutreiben, müssen sie nicht perfekt sein, vor allem, wenn es technisch zu dem Zeitpunkt noch nicht möglich ist. Gewisse Szenen in THE FELLOWSHIP OF THE RING, dem ersten Teil der Herr der Ringe Trilogie von Peter Jackson aus dem Jahre 2001 (also zwei Jahre nach THE PHANTOM MENACE), weisen auch vereinzelt schwächere VFX auf, die ich jedoch billigend in Kauf nehme, wenn dafür das Gesamtbild funktioniert. Das Problem von THE PHANTOM MENACE ist nicht die Qualität der VFX, die noch nicht auf dem höchsten Stand der Dinge waren (wenngleich man beim Vergleich mit THE MATRIX aus dem gleichen Jahr auch zu anderen Schlüssen kommen könnte), sondern deren Einsatz und Fantasielosigkeit. George Lucas war froh, viele Jahre nach der alten Trilogie so fortgeschrittene Technologie anzuwenden, dass er sie fast überall einsetzen wollte, wo es nur ging. Während Einzelelemente wie Raumschiffe, Droiden usw. zwar designtechnisch gelungen und ansehnlich sind, wirkt das Zusammenspiel leblos und steril. Vor allem die Bodenschlacht zwischen den Gungans und der Droiden-Armee der Handelsföderation auf Naboo ist ein absoluter Reinfall, der nach Copy & Paste auf einer hellgrünen Fläche aussieht (es hilft auch nicht sonderlich, dass die „Identifkationsfigur“ während dieser Schlacht Jar-Jar Binks ist). Ich kann verstehen, dass Lucas seine Fantasie ausleben und so viel wie möglich einbauen wollte, aber hier hat definitiv eine Kontrollinstanz gefehlt, eine kreative Kompetenz, die die nötige Balance gewährleistet. Dieses VFX-Problem steigert sich in den beiden folgenden Filmen noch mehr.

THE PHANTOM MENACE

Dies sind meine Hauptgründe für das Versagen von THE PHANTOM MENACE, auch wenn zahlreiche weitere Elemente stören, wie z. B. die schwachsinnige Jesus-Legende von der unbefleckten Empfängnis der Mutter Anakins oder das ganze Midi-Chloriens-Konzept, das die Macht erklären soll. Insgesamt verläuft die Handlung kühl und undramatisch (was mit Problemen 1 und 2 zu tun hat), wir werden nie richtig involviert (Problem 1) und schließlich ist auch der vermeintliche Showdown zwischen Qui-Gon Jinn, Obi-Wan Kenobi und Darth Maul (Ray Park aus X-MEN) bis auf wenige gelungene Elemente (etwa den Kraftfeldern) unspektakulär und schwach. Interessanterweise habe ich bei dieser letzten Sichtung etwas mehr Gefallen am Film gefunden als bei den letzten Malen – vielleicht, weil ich diesmal mit der Akzeptanz herangegangen bin, einen ziemlich schlechten Film zu schauen, und die wenigen guten Elemente herausfiltern konnte (das beste Element bleibt wohl John Williams’ „Duel of the Fates“). Man kann ein wenig Spaß haben an THE PHANTOM MENACE, wenn man möchte, aber leider doch nur sehr wenig. Der Auftakt der neuen Trilogie war also enttäuschend, doch es sollten noch zwei weitere Filme folgen …

Die Review des zweiten Teils ATTACK OF THE CLONES (2002) folgt in Kürze!

STAR WARS: EPISODE I – THE PHANTOM MENACE
USA 1999
Regie: George Lucas
Drehbuch: George Lucas
Kamera: David Tattersall
Schnitt: Ben Burtt, Paul Martin Smith
136 min.

5/10

Kommentare
  1. Filmschrott sagt:

    Mir ging es damals ähnlich. beim ersten Sehen fand ich Episode I noch ganz cool, wenn auch nie so gut, wie die Vorgänger. Aber schon mit Episode II war bei mir völlig die Luft raus, da der Film einfach unfassbare Grütze war. Als dann Episode II rauskam hab ich mit meinem Cousin noch mal alle Filme zur Auffrischung angeguckt und da war dann auch Episode I einfach völlig kacke. Ich denke, der Hype damals hatte da viel mit zu tun, dass man trotzdem von Episode I erst mal durchaus begeistert war. Mit etwas Abstand hat man dann aber halt gemerkt, dass das alles Müll ist. Ich hoffe, dass wird mit der neuen Trilogie nicht auch so. Ich bin da ja noch skeptisch. Allerdings auch bei weitem nicht so gehyped, wie ich damals vor dem ersten Prequel war.

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