STAR WARS: EPISODE II – ATTACK OF THE CLONES

Veröffentlicht: 11. Dezember 2015 in reviews
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ATTACK OF THE CLONESZehn Jahre nach den Ereignissen von EPISODE I – THE PHANTOM MENACE geht die Vorgeschichte der wohl berühmtesten SF-Trilogie aller Zeiten weiter. In EPISODE II – ATTACK OF THE CLONES lernen wir einen jugendlichen Anakin Skywalker (Hayden Christensen) kennen, der seinem Meister Obi-Wan Kenobi (Ewan MacGregor) mit seiner beratungsresistenten Art zahlreiche Kopfschmerzen bereitet. Nach einem missglückten Attentat auf Senatorin Padmé Amidala (Natalie Portman), der einstigen Königin Naboos, werden die beiden Jedi-Ritter auf den Fall angesetzt. Während Obi-Wan die Hintergründe des Attentäters ermittelt, und dabei zufällig auf eine nahezu fertig gezüchtete Klon-Armee auf einem abgelegenen Planeten stößt, ist Anakin für die Sicherheit der Senatorin zuständig und begleitet sie auf ihre Heimatwelt Naboo. Die Galaktische Republik hat gleichzeitig mit zahlreichen Separatisten zu tun, die sich unter der Schirmherrschaft von Count Dooku (Christopher Lee) von der Republik lösen wollen. Und alles ist letztlich nur Teil des intriganten Planes von Kanzler Palpatine (Ian McDiarmid), der die Macht noch weiter an sich reißen möchte…

Drei Jahre nach dem äußerst schwachen Auftakt der Prequel-Trilogie hatte Regisseur und Drehbuchautor George Lucas die Chance, aus einigen Fehlern, die er in EPISODE I – THE PHANTOM MENACE begangen hatte, zu lernen, um doch wieder auf die richtige Spur zu kommen. Stattdessen wählte er die dunkle Seite der Macht den anderen Pfad und wiederholte einfach alle Fehler in verstärkter Form, wodurch das Ergebnis qualitativ noch unter dem ersten Film eingeordnet werden muss. Ich finde es erneut faszinierend, wie unterschiedlich die Wahrnehmung eines Films altersbedingt und über weite Zeiträume hinweg sein kann. Während mir EPISODE II – ATTACK OF THE CLONES bei der ersten Sichtung im Kino nicht besonders gut gefallen hatte, so erschien mir der Film doch besser als THE PHANTOM MENACE, den ich lange Zeit als den schwächsten Teil der Prequel-Trilogie hielt. Jetzt, Jahre später, nach der erneuten Sichtung kurz hintereinander im Zuge meines STAR WARS-Marathons war mir schon während des Films klar, dass ATTACK OF THE CLONES im Vergleich viel schlechter abschneidet.

ATTACK OF THE CLONES

Ich schrieb bereits, dass Lucas seine Fehler wiederholt hat. Bezogen auf meine Review zu THE PHANTOM MENACE bedeutet das also weiterhin, dass wir es mit haarsträubend schlechter Charakterzeichnung zu tun haben. Lucas wollte zeigen, dass Anakin aufmüpfig und trotzig ist, dass er nicht gerne auf seinen Meister hört, doch WIE er das zeigt, ist an Dilettantismus kaum noch zu überbieten. Christensen hat die undankbare Aufgabe, völlig unglaubwürdiges Verhalten darzustellen. Ja, wir wissen, dass Anakin später zu Darth Vader wird – aber wir sind auch nicht blöd. Das muss uns nicht aufgetischt werden durch ein Verhalten, für das man normalerweise aus jedem elitären Orden schlicht verstoßen würde. Auch nicht durch Sympathie-Bekundungen für faschistische Regierungssysteme (George Lucas: „Seht ihr? Er wird zu Darth Vader werden!!!“). Auf die Figur Anakins, besonders hinsichtlich der Beziehung zu Padmé, komme ich gleich noch weiter zu sprechen. Die Wiederholung der begangenen Fehler lässt sich auch anhand der Handlung erkennen: Erneut passiert eigentlich, wenn man alles Beiwerk kürzt, recht Banales, wenn auch ziemlich fragwürdig an den Haaren Herbeigezogenes. Palpatine möchte gerne Diktator werden. Daher beginnt er heimlich, eine Klon-Armee zu züchten, während sein Lakai Dooku mit den Separatisten eine Droiden-Armee errichtet, die der Republik gefährlich werden soll. Weshalb? Damit Palpatine den Senat überzeugen kann, ihn mit mehr Macht auszustatten und den Einsatz einer Klon-Armee (also der bereits existierenden) für die Republik abzunicken. Der zweite Strang ist die Romanze zwischen Anakin und Padmé, die schließlich zur Heirat führt (und irgendwann zu den Sprößlingen Luke und Leia). Es gibt also erneut lediglich eine Aneinanderreihung von Elementen, die nur für die Handlung der alten Trilogie wichtig sind, hier aber als eigene Geschichte, die bei genauerer Betrachtung mit einigen logischen Problemen zu kämpfen hat, herhalten müssen.

ATTACK OF THE CLONES

Mein dritter Kritikpunkt in der Review zu THE PHANTOM MENACE war der sterile Einsatz der visuellen Effekte. Dieser Punkt wurde in ATTACK OF THE CLONES auf die Spitze getrieben, und während man vielleicht noch sagen kann, dass George Lucas schlichtweg nicht (mehr) in der Lage ist, ein gutes Drehbuch mit richtigen Charakteren zu schreiben, und Schauspieler nicht (mehr) inszenieren kann, so muss man hinsichtlich der VFX feststellen, dass Lucas einfach gar nichts gelernt hat. Die visuellen Effekte sind in ATTACK OF THE CLONES ein absoluter Overkill und nur für sich selbst da. Absoluter Tiefpunkt sind unter anderem die sämtliche physikalischen Gesetze ins Gesicht lachende anfängliche Verfolgungsjagd auf Coruscant, die Jump ’n Run Szene in der Droidenfabrik und die Massenszene in der Gladiatoren-Arena gegen Ende des Films. Scheinbar galt die Devise: „Je mehr Lichtschwerter und Effekte gleichzeitig im Bild sind, desto besser. Jetzt können wir es ja machen. Jetzt sind uns keine technischen Grenzen mehr gesetzt!“ Man kann natürlich über manche VFX-Szenen streiten. So finde ich einerseits gut, dass man Yoda in Action sieht, denn natürlich hat man sich immer gefragt, wie der Zwerg so ein mächtiger Jedi gewesen sein soll. Die Tatsache, dass er im Zweikampf gegen Dooku mit seinem Mini-Lichtschwert wie ein Gummiball durch den Hangar wirbelt, lässt mich jedoch zum Schluss kommen, dass die klassische Dosierung, in der der weise alte Meister fast nie zu den Waffen greift und überhaupt kämpfen muss, klüger gewesen wäre. Hätte es nicht zahlreiche andere Methoden geben können, mit denen Yoda gegen Dooku antreten könnte, was ihn dadurch erst recht zu einem mächtigeren und über den anderen stehenden Jedi gemacht hätte? Nein, stattdessen zappelt Yoda genauso herum wie die anderen 500 Jedi mit ihren bunten Lichtern. Lucas hat mit ATTACK OF THE CLONES eindeutig die Grenze zum Star Wars-Porno überschritten. Es ging nur noch darum, das einzubauen, was die Fans geil finden. Also Lichtschwerter, Duelle, Kämpfe. Dabei war es seine Verantwortung, zu realisieren, dass auch Fans solche Elemente eher genießen werden, wenn sie sparsam verwendet, wohl dosiert und an richtiger Stelle platziert werden.

ATTACK OF THE CLONES

Neben den schlechten Figuren, der banalen Handlung und dem VFX-Overkill ist vor allem die Romanze zwischen Anakin und Padmé ein Grund für das Scheitern des Films. Dieses gesamte Kapitel wirkt wie aus der Feder eines pubertierenden Teenagers verfasst. Wenn man die wenigen Szenen Anakins und Padmés vor ihrer Abreise vor Augen hält, in denen sich Anakin lediglich zum Affen macht, der keine Frau der Welt (außer vielleicht für ein körperliches Zwischenspiel) interessieren würde, so wirken die folgenden Szenen aus Naboo wie ein schlechter Witz. Mit einem Mal sollen wir glauben, dass sich diese wildfremden Personen (sie haben sich zehn Jahre nicht gesehen, und damals war Anakin ein kleiner Junge) nicht etwa körperlich anziehend finden (das wäre noch glaubwürdig), sondern sich tatsächlich unsterblich verlieben. Dies soll uns durch kitschige Klischee-Einstellungen wie der romantischen Gondelfahrt, dem Herumtollen auf der Wiese vor gigantischen Wasserfällen (an dieser Stelle bekundet Anakin „im Spaß“ sein Faible für totalitäre Herrschaftsformen) und Candle-Light-Dinnern weisgemacht werden (zwischendurch schlachtet Anakin ein ganzes Dorf Sandmenschen ab, inklusive Frauen und Kinder, und beichtet das Padmé – sexy, dieser Problemjunge!). Auch hier folgt Lucas einfach nur den vorgegebenen Streckenposten seines Universums. Anakin und Padmé sind die Eltern von Luke und Leia, also gehen alle davon aus, dass sie zusammenkommen und sich verlieben, also zeige ich das, und die Leute glauben es einfach. Er zeigt jedoch nicht, wie sich zwei Figuren verlieben, sondern sagt uns mit den Szenen lediglich, dass sie es tun – wir müssen es einfach glauben. Das ist kaum zu unterbieten.

ATTACK OF THE CLONES

ATTACK OF THE CLONES ist ein komplettes Ärgernis, das bei schlechten Charakteren anfängt, für deren Verhalten man sich fremdschämt und das eine Handlung vorweist, die bei genauerer Betrachtung irgendwie wenig Sinn macht. Warum möchte Palpatine das Einverständnis des Senats, eine Klon-Armee aufzustellen, wenn die schon existiert? Klar, Legitimation! Aber fragt sich denn niemand, warum diese Armee existiert? Ist der weise Yoda so schlecht darin, eine Sith-Intrige, die sich quasi in seinem Nebenraum abspielt, zu spüren und zu durchschauen? Und Palpatines Plan ist tatsächlich, dass Dooku eine Gegen-Armee errichtet, die er dann in den Klon-Kriegen bekämpfen kann? Hätte er nicht eine lächerlich schwache Gegen-Armee errichten können, die er im Handumdrehen erledigt, oder die sich nach den erhaltenen Machtbefugnissen ihm direkt anschließt, so dass niemand ihn mehr auf seinem Weg zum Imperator aufhalten könnte? Oder wäre das etwa unglaubwürdig? Jedenfalls wäre es nicht komplizierter als seine bisherige Vorgehensweise. Der VFX-Overkill, der in der Gladiatoren-Arena kulminiert (die Szene wirkt einfach so, als wollte Lucas eine Gladiatoren-Szene haben, egal wie sinnlos sie ist – immerhin hatte Ridley Scott zwei Jahre zuvor gezeigt, wie cool das sein kann), ist ein weiterer Tiefpunkt des Films. Warum sollte Dooku auf diesem Planeten, wo er doch heimlich eine Droiden-Armee bauen lässt, nebenher feierliche Zeremonien mit politischen Gefangenen veranstalten? Zur Belustigung seiner Verbündeten?

ATTACK OF THE CLONES

So endet jedenfalls ATTACK OF THE CLONES mit dem Beginn der Klon-Kriege, also dem Einsatz der republikanischen Klone gegen die Droiden der Separatisten, mit einem beinahe zum Diktator gestärkten Palpatine, mit der Heirat von Anakin und Padmé und der Captain-Obvious-Aussage Meister Yodas: „Begun the Clone War has!“, die eigentlich lauten sollte „Begun the Clone War I have!“ Im folgenden Abschluss der Prequel-Trilogie schließlich muss Anakin endlich der dunklen Seite erliegen, damit der Kreis zu den alten Filmen geschlossen werden kann.

Die Review zum dritten Teil REVENGE OF THE SITH folgt in wenigen Tagen!

STAR WARS: EPISODE II – ATTACK OF THE CLONES
USA 2002
Regie: George Lucas
Drehbuch: George Lucas, Jonathan Hales
Kamera: David Tattersall
Schnitt: Ben Burtt
142 min.

4/10

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Kommentare
  1. Filmschrott sagt:

    Ich kann dir da insgesamt nur zustimmen. Der Film ist eine komplette Katastrophe. Und er zeigt eine eindeutige Prequel-Falle, in die man ganz schnell tappt, wenn man nicht aufpasst. Nämlich das von dir erwähnte „Nicht erzählen, sondern nur zeigen“. Lucas ruht sich hier vor allem bei der Lovestory einfach auf dem vorhandenen Wissen der Zuschauer aus. Warum etwas erklären, wenn es doch sowieso schon fest steht. Dazu kommt dann noch, dass die Chemie zwischen Christensen und Portman quasi non-existent ist.
    Zu dem Effekte-Overkill sage ich lieber gar nix, sonst rege ich mich nur wieder auf.
    Wenn ich mich recht erinnere, ist damit der absolute Tiefpunkt aber zumindest erreicht und mit Episode III wird es zumindest etwas besser.

    • indy sagt:

      Danke für deinen Kommentar! Tatsächlich dachte ich vor der Neusichtung auch, dass mir der dritte Teil etwas besser gefallen würde, doch ich wurde eines Besseren belehrt. Die Review ist in Arbeit und kommt Anfang der kommenden Woche raus!

      Cooler Blog, den du da hast, ich packe ihn mal in meine Blogroll!😉

  2. Für mich war das noch der beste Teil der Prequels. Der Tiefpunkt sollte mit Episode III noch folgen, was AotC gegenüber PM für mich erträglicher macht, ist dass zum einen Jar Jar so gut wie nicht vorkommt und ich auch keinem kleinen Kind zuschauen muss. Sicherlich ist Teenie-Ani genauso nervtötend wie Hosenscheißer-Ani, zumindest kann ich mir jedoch versuchen, sein bipolares Verhalten mit Pubertätsschüben zu erklären. Hinzu kommt, dass Obi-Wan mehr zu tun bekommt.

    Wobei deine Kritikpunkte natürlich alle zutreffend sind. Von schwachen Charakteren, fehlenden Motivationen und CGI-Overkill. Das Traurige ist, dass man das, was Lucas erzählen wollte, sicher ganz gut hätte erzählen können. Wenn es jemand getan hätte, der Ahnung hat. Insofern kann sich Abrams zumindest schon mal gewiss sein, dass egal wie schlecht FA wird, die Prequels zumindest wohl nicht mehr unterboten werden können.

    • indy sagt:

      Da geb ich dir Recht: Abrams hat sozusagen die Joker-Karte gezogen – selbst, wenn er nur einen herkömmlichen durchschnittlichen Blockbuster dreht, wird er allemal besser sein als Lucas‘ Filme.😉

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