STAR WARS: EPISODE III – REVENGE OF THE SITH

Veröffentlicht: 13. Dezember 2015 in reviews
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REVENGE OF THE SITH spielt drei Jahre nach dem Beginn des Klonkrieges, mit dem ATTACK OF THE CLONES aufhörte. Die Zeit zwischen den beiden Filmen wurde übrigens mit einer Animationsserie samt Pilot in Spielfilmlänge näher behandelt (STAR WARS: THE CLONE WARS, 2008; Regie Dave Filoni). Diese Serie ist insgesamt gelungener und unterhaltsamer als Lucas‘ Prequel-Trilogie, doch leider musste ich aus Zeitgründen von einer Review bisher absehen. Im dritten Teil der neuen Trilogie jedenfalls kämpfen die Jedi-Ritter im ganzen Universum gegen die vermeintlichen Gegner der Republik, diesmal verkörpert durch General Griveous, dem Anführer der Separatisten. Palpatine (Ian McDiarmid), Kanzler und Strippenzieher im Hintergrund, nutzt die immer häufigere gemeinsame Zeit mit Anakin Skywalker (Hayden Christensen), um diesen für sich zu gewinnen und gegen den Jedi-Rat auszuspielen. Sein Plan ist, die Republik in ein galaktisches Imperium zu verwandeln, um im Stile der Sith für Ordnung zu sorgen.

Anakin ist geplagt von Todesvisionen seiner schwangeren Frau Padmé (Natalie Portman) und glaubt schließlich, ihr Leben mit Hilfe der dunklen Seite der Macht retten zu können. Das glaubt er einfach, weil Palpatine ihm eine entsprechende Sith-Geschichte erzählt – und warum sollte Anakin ihm in dieser Hinsicht nicht vollstes Vertrauen schenken? Anakins Fall vom Jedi-Ritter zum Sith-Lord schließt die Ereignisse ab, die zur Geschichte der klassischen Star Wars-Trilogie führen, mit der 1977 alles begann. Wie schon die ersten beiden Teile, weist auch ATTACK OF THE CLONES quasi die gleichen Probleme und Makel auf. Ich hatte zum Zwecke der Vereinfachung die Problembereiche in drei Kategorien eingeteilt (Charakterzeichnung, Handlung, Einsatz der VFX), die ich auch für diesen Film übernehme.

REVENGE OF THE SITH

Es bleibt auch im dritten Teil dabei, dass George Lucas seinen Namen als grottenschlechter Drehbuchautor festigt, der vor allem mit zwischenmenschlichen Situationen nichts anfangen kann. So ist Anakins Verwandlung überstürzt und völlig unglaubwürdig, da sie nur durch die Story motiviert ist. Erneut will uns Lucas Anakins Verhalten verkaufen, indem er einfach die Ereignisse, die durch die klassische Trilogie determiniert wurden, zitiert. Es ist also irrelevant, wie plausibel und glaubhaft Anakin agiert – die Geschichte erklärt uns unmissverständlich, dass es so sein muss, da er ja zu Darth Vader wird. Dass er sich im Zuge dessen erneut wie ein Vollidiot verhält, ist geschenkt, und auch nicht weiter hervorstechend, da es ihm fast alle anderen Charaktere mit ihrer Intelligenz gleichtun. Anakin Skywalker, der in A NEW HOPE (1977) von Obi-Wan Kenobi (Alec Guiness) als guter Freund, der der dunklen Seite der Macht verfallen war, erwähnt wird, ist nach Sichtung der Prequel-Trilogie nichts anderes als ein stolzer, aggressiver Pfau, der sich als moralisches Wrack, Massenmörder und Arschloch entpuppt. Er braucht nur geringe Anstöße, um zu morden – wirklich darüber nachdenken, tut er an sich nie. So weist er weder die Züge eines „gefallenen Ritters“ auf, sondern eher die eines waschechten Soziopathen, der sich auch für Massenkindsmord nicht zu schade ist. Dass er ein guter Freund von Obi-Wan sein soll, will uns das Drehbuch zwar immer wieder weismachen, wenn die beiden über die „Vergangenheit“ reden, doch alles was wir stattdessen sehen, ist ein aufmüpfiger Lehrling, der seinem Meister von der ersten Minute an widerspricht, ihn provoziert und am Ende verrät. Das ganze Konzept also, den Fall und die Verführung eines tugendhaften Ritters zu zeigen, wurde über den Haufen geworfen, da Anakin von Beginn an weder tugendhaft noch sympathisch ist. Doch wie erwähnt, geht Anakins debile Art, der dunklen Seite zu erliegen, beinahe unter in der Stupidität, die seine Umgebung ausmacht.

REVENGE OF THE SITH

Die vermeintlich so kluge Padmé, ehemalige Königin von Naboo, von der wir noch immer glauben sollen, dass sie sich aus unbekannten Gründen in eine Person wie Anakin unsterblich verliebt haben soll, erkennt weder die Wandlung ihres Mannes, noch die Intrige im Galaktischen Senat. Der weise Yoda, der in seiner Blindheit bereits den Klonkrieg startete, erfasst noch immer nicht, dass der gesuchte Sith-Lord in seinem Nebenraum sitzt und allen schon allein aufgrund seines politischen Verhaltens verdächtig sein sollte (dazu braucht es nicht mal Jedi-Kräfte). Obi-Wan, der in all den Jahren mit Anakin offensichtlich blind war oder sich weigerte, die Realität hinsichtlich seines Schülers zu erkennen, wird auch jetzt nicht weiser. Doch, ein wenig vielleicht, denn immerhin sichtet er die Sicherheitsaufzeichnungen aus Palpatines Büro, um wirklich mit eigenen Augen sehen zu können, dass Anakin dem Kanzler die treue als Sith-Lehrling geschworen hat. Da es so einfach ist, sich diese Aufzeichnungen anzusehen (da ein Videobeweis also tatsächlich existiert), muss man sich doch fragen, warum Palpatine nicht einfach gleich öffentlich entlarvt wird (stattdessen geht lieber der weise Mace Windu (Samuel L. Jackson) samt Jedi-Garde beim peinlichen Versuch drauf, Palpatine zu erledigen). Palpatine selbst ist übrigens die einzige Figur, die trotz ebenso unglaubwürdigem Verhalten am interessantesten und eindruckvollsten gespielt wird. So bleibt McDiarmid wohl der einzige, der ein wenig Schauspielkunst in das Projekt einbringen durfte.

REVENGE OF THE SITH

Die Handlung wirkt insgesamt ein wenig spannender als in den ersten beiden Teilen, doch liegt das womöglich an der Action, die hier in höherer Frequenz auftritt, die aber in den meisten Fällen ziemlich sinnfrei und over the top ist (dazu gleich mehr). Doch letzten Endes passiert nichts anderes, als dass Palpatine wieder alle durch den fragwürdigen Plot an der Nase herumführt (Beispiel: Sollen wir wirklich glauben, dass Palpatine zu Beginn des Films Griveous veranlasst, Coruscant zu bombardieren, sich von ihm entführen lässt, um von den Jedi Anakin und Obi-Wan befreit werden zu können, wobei Count Doku mal eben bereitwillig exekutiert werden darf, nur damit Anakin und Palpatine dann mehr Zeit zusammen verbringen? Was hätte bei dieser Aktion alles schiefgehen können, wer hätte versehentlich draufgehen können? Und warum sieht Coruscant nach diesem ganzen sinnfreien und unspektakulären Intro aus wie auf Glanz poliert, ohne einer einzigen Spur der orbitalen Bombardierung?). Wirkliche Spannung oder gar ein Sinn für eine unterhaltsame intergalaktische Abenteuergeschichte kommt dabei nie auf.

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Der dritte Punkt bezieht sich schließlich auf den Einsatz der visuellen Effekte. Hier kann man einerseits sehen, dass sie inzwischen eine qualitative Entwicklung durchgemacht haben, doch war meine Kritik an den ersten beiden Filmen nie die Qualität der VFX, sondern deren unkreativer und inflationärer Einsatz. Dieses Overkill-Problem hat Lucas auch im dritten Film nicht gelöst. Wieder ist in jeder Einstellung mehr besser, Lichtschwerter sind überall, und auch in diesem Film gibt es wieder dämliche Jump ‚N Run Szenen, die den Film ins Lächerliche ziehen (bis hin zum finalen, viel zu langen und einfallslosen Zweikampf zwischen Obi-Wan und Anakin). Immerhin beschert uns Lucas mit der finalen Vader-Verwandlung den peinlichsten und gleichzeitig unfreiwillig witzigsten Moment seiner ganzen Trilogie:

Mein Fazit der Prequel-Trilogie lautet: Die Chance wurde kolossal vertan und Lucas ist grandios gescheitert. Natürlich nicht finanziell – die Filme haben selbstverständlich genug Geld abgeworfen und das Franchise ist beliebter denn je. Doch kreativ und künstlerisch waren diese Filme Lucas‘ Bankrotterklärung. Anstatt sich auf einen bestimmten Aspekt, von mir aus die Verwandlung Anakins, zu konzentrieren, und um diesen herum eine spannende, einnehmende und tragische Geschichte zu spannen, die mit weiteren interessanten und unvergesslichen Figuren geschmückt wird, entschied er sich für das sterile Abarbeiten der chronologischen Ereignisse, für austauschbare und leblose Hüllen als Protagonisten, die es nicht mal im Ansatz mit Charakteren der klassischen Trilogie aufnehmen können. Lucas wurde meinem Eindruck nach zu einem Opfer im Stile Michael Jacksons, d. h. er war von einer Entourage Ja-Sager umgeben und hatte ein Standing und eine Sättigung, so dass er ohne kreative Herausforderung, Kontrollinstanz und Ambition letztlich versagen und untergehen musste. Ein Blick in das reichliche behind the scenes Material reicht aus, um diesen Eindruck zu bestätigen. Lucas konnte sich selbst nicht mehr realistisch genug einschätzen, sonst hätte er eingesehen, dass er als Regisseur nicht mehr in der Lage war, gute Filme zu machen (sein letzter Spielfilm als Regisseur war nun Mal STAR WARS im Jahr 1977, und es kann nicht jeder ein Terrence Malick sein). Diesen Job hätte er gleich an hungrige und talentierte Nachwuchsregisseure oder etablierte Größen weiterdeligieren müssen (eine Entscheidung, die er bereits nach dem ersten STAR WARS Film für die beiden Fortsetzungen gefällt hatte). Seine neuen Filme sind schlichtweg ein langweiliges Durcheinander, das man genauso schnell wieder vergisst, wie man es gesehen hat.

REVENGE OF THE SITH

Nach dieser erneuten Sichtung der Prequel-Trilogie bin ich froh, dass ich diese Filme eine ganze Weile lang nicht mehr sehen muss. Umso mehr freue ich mich auf die nächsten drei Filme in der Reihe, die ich hier rezensieren werde. Die „echten“ Star Wars Filme, die es verdienen, als Klassiker behandelt und verehrt zu werden.

STAR WARS: EPISODE III – REVENGE OF THE SITH
USA 2005
Regie: George Lucas
Drehbuch: George Lucas
Kamera: David Tattersall
Schnitt: Roger Barton, Ben Burtt
140 min.

4/10

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Kommentare
  1. Filmschrott sagt:

    Stimme dir mal wieder in allen Punkten zu. Wobei ich Episode III nicht ganz so kacke fand, wie die beiden davor. Aber ich muss mir die vielleicht auch einfach mal wieder angucken. Ist schon lange her.
    Das größte Problem ist und bleibt für mich aber tatsächlich die völlig hingerotzte Lovestory zwischen Anakin und Padme. Da funktioniert halt einfach überhauot nix auch nur ansatzweise. Und irgendwie zieht diese völlig an den Haaren herbei gezogene Geschichte den Rest nur noch mehr mit runter.
    Mal davon abgesehen, dass es natürlich auch einfach mal der simpelste Grund ist, jemanden auf die „böse Seite“ zu schicken. „Oh, meine Frau stirbt in meinem Traum. Ich muss sie beschützen und nur der böse Typ da kann mir zeigen wie.“ Ist doch einfach nur lahm.
    Es ist aber nun mal, wie du sagst: Lucas hat sowas einfach nicht drauf. Und wenn ich mal ganz ehrlich bin, frage ich mich: Was hat der überhaupt drauf?

    • indy sagt:

      Tja, diese Frage stelle ich mir nach der Sichtung der überarbeiteten EPISODE IV auch immer wieder …

      • Filmschrott sagt:

        Ja, irgendwie ist es schon bemerkenswert, wie der Typ nicht nur größtenteils völligen Müll verzapft hat, sondern auch noch ausufernd versucht hat, sein eigens gebautes Denkmal komplett einzureißen, indem er daran herumpfuscht. Ich weiß auch nicht, was bei dem schief gelaufen ist. Zum Glück sind wir ihn wohl los.

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