STAR WARS: EPISODE IV – A NEW HOPE

Veröffentlicht: 16. Dezember 2015 in reviews
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„A long time ago in a galaxy far, far away …“ So beginnt STAR WARS (der Titel der Originalfassung, ehe die spätere Trilogie in Episoden aufgeteilt wurde), die legendäre Space Opera von George Lucas, die 1977 in die Kinos kam und seitdem die Menschen begeistert. In der Galaxie herrscht ein Bürgerkrieg. Die Rebellen kämpfen gegen das totalitäre Imperium, das vor kurzem den Bau seiner Superwaffe, den „Todesstern“, abgeschlossen hat. Prinzessin Leia (Carrie Fisher) schmuggelt die technischen Daten des Todessterns in dem Droiden R2-D2 (Kenny Baker), der diese zur verborgenen Rebellenbasis bringen soll. Dort soll dann hoffentlich eine Schwäche im Todesstern ausgemacht werden, um ihn irgendwie zerstören zu können. Das Imperium wiederum will das Versteck der Rebellen ausfindig machen und sie ein für allemal vernichten.

Unglücklicherweise wird Leias Schiff vom Imperium geentert und der Kommandant Darth Vader (David Prowse) nimmt Leia gefangen. R2-D2 kann jedoch zusammen mit dem Protokolldroiden C-3PO (Anthony Daniels) mit Hilfe einer Rettungskapsel fliehen und auf Tatooine, einem Wüstenplaneten, notlanden. Dort soll sich ein gewisser Obi-Wan Kenobi aufhalten, für den Leia eine Notrufnachricht aufgezeichnet hat. Der junge Luke Skywalker (Mark Hamill), der über Umwege an die beiden Droiden kommt, macht sich nun zusammen mit dem alten Obi-Wan (Alec Guiness) auf die Reise, um die wertvollen Daten an die Rebellen weiterzugeben – ein großes Abenteuer wartet auf ihn …

A NEW HOPE

Nach der Sichtung der Prequel-Trilogie und den damit verbundenen Qualen war es eine wahre Freude, den Klassiker nach über zehn Jahren wieder sehen zu dürfen. Lucas‘ Film, der sämtliche Kassenrekorde sprengte, Spezialeffekte revolutionierte und auch künstlerisch äußerst gut aufgenommen wurde (zehn Oscar-Nominierungen), macht es in quasi allen Belangen vor, wie so ein Film funktionieren und unterhalten kann. Bei den Motiven und der Handlung bediente sich Lucas im breiten kollektiven Pool von Mythen und Erzählungen, doch auch konkret bei Kurosawas THE HIDDEN FORTRESS (1958). Er machte aus STAR WARS einen Genremix, basierend auf der Heldenreise aus Joseph Campbells The Hero with a Thousand Faces (1949), mit dem er eben nicht alles neu erfand, sondern originell neuerzählte (ein Konzept, mit dem er damals zusammen mit seinem Buddy Steven Spielberg äußert gut gefahren ist, wie die Indiana Jones Trilogie eindrucksvoll unter Beweis stellt. Und ein Konzept, das Tarantino perfektioniert hat). STAR WARS ist voller Archetypen, versetzt mit ein wenig Magie (die Macht, die hier als Religion erwähnt wird), die klassische Quest eines Helden, ein Märchen, der Kampf des Guten gegen das Böse. Das ganze Gerüst funktioniert, weil es von glaubwürdigen, sympathischen und eindrucksvollen Charakteren bewohnt wird, die bis heute Kultstatus genießen und dafür sorgen, dass wir mit ihnen mitfiebern. Eine Szene wie in der Müllpresse des Todessterns wäre nur halb so einprägsam, wenn wir nicht schon längst Interesse und Sympathie für den Schmuggler Han Solo (Harrison Ford), seinen haarigen Gefährten Chewbacca, Luke und Leia empfinden würden. Man stelle sich diese Szene mit den leblosen Hohlkörpern aus der Prequel-Trilogie vor … Die Dialoge zwischen Han Solo und Leia oder zwischen Han und Luke sind humorvoll und bissig, und Harrison Ford gewinnt den Zuschauer mit seinem Charme in beinahe jeder Szene für sich. Der Comic Relief wird einserseits durch die Interaktion der Droiden, aber auch zwischen den Charakteren und Chewbacca gut dosiert gebracht (im Gegensatz zum missglückten Slapstick-Versuch Jar-Jar Binks aus THE PHANTOM MENACE). Dosierung ist hier das Stichwort: Man achte auf den minimalistischen Kampf zwischen Darth Vader und Obi-Wan Kenobi, der so viel mehr Dramatik ausstrahlt als die unzähligen Massenschlachten und unnötig in die Länge gezogenen Duelle der Prequel-Trilogie.

A NEW HOPE

Dass Fans der alten Trilogie diesen Film mit der Bestwertung benoten, kann ich nachvollziehen und empfinde ich auch als rechtmäßig. Ich selbst mache ein paar Abstriche vor allem im letzten Drittel des Films, nach der Flucht vom Todesstern. Ab dann läuft die Handlung schlagartig im Schnelldurchlauf und lässt sich längst nicht mehr so viel Zeit wie zuvor. Dadurch wirkt dieses Finale auf mich ein wenig gehetzt und weniger sympathisch. Doch die Szenen zuvor machen den Film dennoch zu einem großartigen Erlebnis.

Ein dunkler Schatten liegt allerdings auch auf der Sichtung dieses Films: George Lucas ließ es sich nicht nehmen, in seinen alten Filmen herumzupfuschen und diese nachzubearbeiten. Hierbei ging es nicht nur um Restaurierung und Remastering. Lucas, der so begeistert war von der neuen Technik, die ihm endlich zur Verfügung stand, baute in zahlreichen Szenen neue CGI-Elemente ein, die einfach überflüssig und unschön sind und die Einstellungen zunichte machen. Nun reiten Sturmtruppen auf gigantischen Echsen durch die Wüste Tatooines, überall durchkreuzen diese Viecher das Bild und wecken böse Erinnerungen an Episoden I, II und III. Man fragt sich tatsächlich, was für ein Film damals herausgekommen wäre, wenn Lucas damals schon die heutigen Mittel zur Verfügung gehabt hätte. Hätte er damals schon alles so überladen und jedes Maß verloren? War STAR WARS etwa ein reiner Glücksgriff, weil Lucas eben so limitiert in seinen technischen Möglichkeiten war und daher kreativ und logistisch herausgefordert wurde?

A NEW HOPE

Ich möchte nur noch ein weiteres Beispiel nennen, das hier exemplarisch für das Versagen von Lucas‘ künstlerischem Geschmack dienen soll. In der berühmten Mos Eisley Cantina Szene, in der Han Solo von dem Kopfgeldjäger Greedo gestellt wird, feuert Han Solo in der Originalfassung eiskalt seinen Blaster ab und schießt Greedo über den Haufen. Diese Szene wurde von Lucas mehrfach nachbearbeitet, so dass in der neueren Fassung von 1997 Greedo zuerst schießt und in der neuesten „offiziellen“ Fassung von 2004 beide beinahe gleichzeitig schießen (für die Blu-Ray-Fassung von 2011 wurde der Moment um weitere Frames gekürzt). Lucas behauptete nach heftigen Fan-Protesten, dass der schlechte Schnitt der Originalfassung für Konfusion gesorgt habe, und dass Greedo immer zurerst geschossen haben soll, was nach Einblick in verschiedene Drehbuchfassungen höchst fragwürdig ist. Warum ist diese Änderung schlecht? Weil erstens Hans Charakter massiv geändert wird (der im Laufe der Geschichte vom Anti-Helden zum Helden wird) und zweitens die akute Gefahr verharmlost wird angesichts der Tatsache, dass Greedo als erster Schütze scheinbar nicht in der Lage ist, Han aus einem Meter Abstand zu treffen. Man muss also bei der Sichtung des alten Klassikers die Änderungen Lucas‘ wohl oder übel hinnehmen und sie sich wegdenken, denn die Originalfassung ist offiziell gar nicht mehr zu haben. Auch das ist ein Skandal und spricht nicht gerade für eine gute Einstellung Lucas‘ gegenüber seinen Fans. Man vergleiche hierzu die Alien-Anthology, die bei allen vier Filmen die jeweilige Originalfassung UND den Director’s Cut bzw. die Special Edition enthält. Auch Peter Jackson bietet seine Herr der Ringe Filme sowohl in Kino- als auch in Extended Editions an (natürlich auch aus kommerziellen Gründen). Doch Lucas möchte mit seinen Eingriffen Geschichtsrevision betreiben. Das ist äußerst schmerzhaft, denn es scheint außer Frage zu stehen, dass er sein Mojo schon vor langer Zeit verloren hat [Edit: Gerüchten zufolge soll die unbearbeitete Fassung wieder in den Verkauf gehen. Lucas verkaufte sein Star Wars Franchise bekanntermaßen an Disney, und die wollen sich die zusätzlichen Einnahmen wohl nicht entgehen lassen – den Link hierzu muss ich erst wieder ausgraben].

A NEW HOPE

Der bahnbrechende Erfolg von STAR WARS führte zu zwei Fortsetzungen, für die andere Regisseure hinter der Kamera standen (auch eine weise Entscheidung seitens Lucas, die er Jahre später hätte wiederholen sollen). THE EMPIRE STRIKES BACK (1980, Irvin Kershner) und RETURN OF THE JEDI (1983, Richard Marquand) formten zusammen mit STAR WARS die wahrscheinlich berühmteste SF-Trilogie aller Zeiten. Keine Frage: George Lucas schrieb mit STAR WARS Geschichte. Das abenteuerliche Weltraummärchen revolutionierte nicht nur das Kino und das Konzept des Blockbusters, es fraß sich zudem tief in unser kollektives Gedächtnis. Selbst Menschen, die STAR WARS noch nicht gesehen haben, kennen Darth Vader, Yoda, Lichtschwerter oder die unsterbliche Fanfare von John Williams. Es gibt Parodien (z. B. Mel Brooks SPACEBALLS) und unzählige Anspielungen und Zitate. Selbst Ökonomen berechnen die Wirtschaftlichkeit des Todessterns und die Konsequenzen seiner Zerstörung. STAR WARS ist aus unserer Popkultur kaum noch wegzudenken.

STAR WARS: EPISODE IV – A NEW HOPE
USA 1977
Regie: George Lucas
Drehbuch: George Lucas
Kamera: Gilbert Taylor
Schnitt: Richard Chew, Paul Hirsch, Marcia Lucas; T. M. Christopher (1997 version)
125 min. (special edition)

8/10

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