ALIENS

Veröffentlicht: 15. Februar 2016 in reviews
Schlagwörter:, , , , , , , , , ,

Sieben Jahre nach dem SF-Klassiker ALIEN (1979) drehte Action-Regisseur James Cameron (THE TERMINATOR, AVATAR) die Testosteron-geladene Fortsetzung ALIENS. Damit gelang Cameron ein weithin ebenbürtiger Film, den man nicht allzu stark mit Scotts Film vergleichen sollte, da beide Filme das Konzept unterschiedlich angehen. Letztlich wird der persönliche Geschmack ausmachen, ob man den ersten oder den zweiten Teil bevorzugt. 57 Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils erwacht Ripley (Sigourney Weaver), die einzige Überlebende der Katastrophe auf der Nostromo, aus ihrem Kälteschlaf. Sie steht unter Schock, als sie erfährt, wie lange es gedauert hat, bis sie entdeckt und gerettet wurde. Sie erfährt, dass die ominöse Firma, für die auch die Nostromo flog, auf LV-426, der Welt, auf der Ripley und ihre Crew damals den gefährlichen Organismus entdeckten, tatsächlich eine Kolonie errichtet hat und nichts von ihren Horrorgeschichten hält, für die es scheinbar keine Beweise gibt. Ripley kann es nicht fassen und versucht vergeblich, die Vertreter der Firma von der Gefahr zu überzeugen. Einige Zeit später jedoch wird sie erneut von den Vertretern des Unternehmens angesprochen – der Kontakt zur Kolonie ist abgebrochen. Zwar glaubt weiterhin niemand an Ripleys Geschichte, doch sie soll dennoch als Beraterin für alle Fälle bei einer Rettungsmission, die von Colonial Marines geleitet wird, dabeisein. Widerstrebend willigt sie ein.

ALIENS

Cameron sah sich einer anderen Ausgangssituation ausgesetzt als Ridley Scott beim ersten Teil. Während der Zuschauer damals noch nicht wusste, was ihn erwartete, beobachtet der Zuschauer in Camerons Film zusammen mit Ripley, wie die unwissenden Marines nach und nach realisieren, was für eine Hölle sie betreten. Hier lag die Kunst also zunächst nicht darin zu zeigen, was passiert, sondern wie es passiert. Und hier zeigt sich auch die Virtuosität Camerons bei der Inszenierung spannungsgeladener Action-Szenen: Der komplette erste Teil auf der Kolonie, der die Aufklärung und Untersuchung der Marines zeigt, ist eine geniale Mischung aus Suspense (der sich aus dem Vorwissen des Zuschauers und dem Vortasten der Marines nährt), und dem Chaos, das ausbricht, sobald die Marines in Panik geraten und das Feuer eröffnen. Cameron spielt mit bekannten Elementen, wie dem Bewegungsmelder, die er auf die Spitze treibt, während er gleichzeitig in einer komplexen Montage die Operation aus verschiedenen Perspektiven zeigt (Helmkameras, deren Feeds im Einsatzwagen auf zahlreichen Monitoren angezeigt werden; Funkkontakt zwischen den Marines in der Kolonie und dem Einsatzleiter bzw. Ripley; Perspektive der einzelnen Marines in der Kolonie), und die scheinbare Ordnung und Organisation der militärischen Einheit schnell im Nichts verpuffen lässt. Einer der Clous ist dabei die Großmäuligkeit der Marines, die ahnungslos einem Feind gegenübertreten, über den sie nichts wissen. Erst der Kontakt mit den Xenomorphs und Ripleys Ergreifung der Initiative führen dazu, dass der Ernst der Lage begriffen und entsprechend gehandelt wird. Während in ALIEN der Horror leise und langsam aufgebaut wurde und sporadisch minimalen Einsatz von schockierenden Szenen verwendete (Der Xenomorph ist kaum zu sehen), ist die Action-Komponente in ALIENS ungemein höher. Die Xenomorphs sind zahlreich, die Marines schwer bewaffnet, die Kolonie droht durch den kollabierenden Fusionsreaktor zu explodieren. ALIENS ist laut und an vielen Stellen bombastisch, doch Cameron weiß die Balance sehr gut zu halten, um die Spannung des Zuschauers nicht zu verlieren.

ALIENS

Mir persönlich sagt der erste Teil am meisten zu, aus mehreren Gründen. Einerseits gefällt mir das Setting besser (die Klaustrophobie auf dem Raumschiff; die Crew, die auf so eine Situation weder vorbereitet noch militärisch ausgebildet ist), aber auch das insgesamt sehr realistische und professionelle Verhalten der Crew, die irre Bildkomposition Scotts und das Setdesign der Nostromo sowie der Minimalismus beim Spannungsaufbau. Das Machogehabe der Marines in ALIENS sorgt zwar für einen eigenen Humor, doch kann es auch ein wenig auf die Nerven gehen. Man stellt sich als Zuschauer gelegentlich die Frage, ob es tatsächlich plausibel ist, einen undisziplinierten Haufen Soldaten auf eine Mission zu schicken, ohne zu wissen, was sie erwartet; ohne wirkliche Expertise. Es ist ja nicht besonders realistisch, dass die Army tatsächlich blind vor Optimismus ihre Truppen auf verschiedene Kampfschauplätze schickt, ohne zu wissen, auf welchen Widerstand sie stoßen und wie die Konsequenzen aussehen könnten, einfach nur mit schwerem Geschütz auffahrend und …oh wait! Vielleicht ist Camerons Darstellung doch realistischer, als ich anfänglich dachte. Als kompetent erweist sich letztlich allein der Zweite in der Kommandostruktur, Hicks (Michael Biehn), der schließlich mit Ripley kooperiert und versucht, die Situation gemeinsam mit dem Androiden Bishop (Lance Henriksen) irgendwie zu meistern.
James Cameron versteht jedenfalls sein Handwerk und realisierte mit ALIENS eine gelungene, unterhaltsame und würdige Fortsetzung. Ähnlich wie Scott (ALIEN und BLADE RUNNER) brachte James Cameron somit zusammen mit THE TERMINATOR zwei großartige SF-Klassiker und Meilensteine hintereinander auf die Leinwand.

ALIENS
USA 1986
Regie: James Cameron
Drehbuch: James Cameron
Kamera: Adrien Biddle
Schnitt: Ray Lovejoy
137 min.

9/10

Weitere James Cameron Reviews:

Kommentare
  1. Für mich der schwächste Teil der Reihe und kein besonders gelungener Film.

    Man stellt sich als Zuschauer gelegentlich die Frage, ob es tatsächlich plausibel ist (…)

    Die stelle ich mir bei dem Film in nahezu jeder Szene – das Drehbuch ist eine mittlere Katastrophe und unsinnig von vorne bis hinten. Wen man einen straighten „Shoot ‚em up“ inszenieren will, dann bitte, aber nicht versuchen, nebenher enorm ungeschickt eine Handlung zu erzählen.

    • indy sagt:

      Deine Rezension werde ich mir bald mal durchlesen. Für mich waren Teil 3 und 4 die wirklich schwachen Teile dieser Reihe, wobei ich dem dritten noch mehr abgewinnen konnte.

    • indy sagt:

      Gerade gelesen und kommentiert, oder es zumindest versucht! Deine Kommentar-Funktion ist ein pain in the ass! Ich weiß nicht, ob das Ding jetzt gefressen wurde noch oder aktualisiert wird!😉

      • Find leider (bisher) nix, auch nicht beim Spam. Dabei gibt es ja die Option über WordPress zu kommentieren. Ist eben die Krux eines Google-Blogspot-Blogs🙂

        • indy sagt:

          Ich hab das auch über das WordPress Drop-down-Menü gemacht, aber wenn ich dann auf „Veröffentlichen“ klicke, arbeitet die Seite ne Weile, und dann erscheint der Post wieder mit einem „Veröffentlichen“-Button. Dann ist immer unklar, obs jetzt online ist oder nicht. Aber ich kann nichts anderes machen, außer den Button klicken oder wieder gehen. Schade😉

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s