Top 5 des Monats: Januar 2016

Veröffentlicht: 15. Februar 2016 in top 5 of the month
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Es ist wieder Zeit für die erste Top 5 Liste des Jahres. Für den letzten November und Dezember habe ich keinen Eintrag gemacht, da ich in der Zeit relativ wenige gute Filme gesehen habe (stattdessen die ein oder andere Serie), allerdings möchte ich an dieser Stelle Joshua Oppenheimers grandiose Dokumentation THE LOOK OF SILENCE (2014) über den Genozid in Indonesien erwähnen, ebenso wie den Dokumentarfilm RETURN TO HOMS (2013, Talal Derki), der einen erschütternden Einblick in das vom Krieg zerstörte Syrien gibt. Im Januar hingegen war meine Auswahl schwer zu treffen, da einige gute Filme am Start waren. So mussten leider zwei Filme knapp die Top 5 verpassen, die ich dennoch empfehlen möchte: zunächst Peter Weirs THE WAY BACK (2010) über eine Gruppe Gulag-Ausbrecher, die es von Sibirien bis über das Himalaya-Gebirge nach Indien schaffen, sowie die klasse Musikdoku KEITH RICHARDS: UNDER THE INFLUENCE (2015, Morgan Neville), die sich mit dem Kultgitarristen der Rolling Stones und seiner Liebe für den Blues befasst. Doch hier nun also die erste Liste des Jahres:

Meine Top 5 Filme im Januar 2016:

5. Platz: MOONRISE KINGDOM (USA 2012, Regie: Wes Anderson)

MOONRISE KINGDOM

Ein Film, wie ihn nur Wes Anderson (GRAND BUDAPEST HOTEL) machen kann. Ein wunderbarer verträumter Rückblick in die Kindheit, der unter anderem von einem Zwölfjährigen (Jared Gilman) erzählt, der in den Sechziger Jahren aus einem Pfadfinderlager ausbricht, um gemeinsam mit einem Mädchen (Kara Hayward) durchzubrennen. Kauzige Charaktere, Starbesetzung (u. a. Bruce Willis, Edward Norton und Tilda Swinton) mit einigen üblichen Verdächtigen (natürlich Bill Murray und Jason Schwartzman), humorvoll melancholisch und einfach sehenswert.

4. Platz: JANE EYRE (UK, USA 2011; Regie: Cary Joji Fukunaga)

JANE EYRE

Eine der zahlreichen Verfilmungen dieses gleichnamigen klassischen Romans der viktorianischen Zeit von Charlotte Brontë, in dem die tragische Lebensgeschichte Jane Eyres (Mia Wasikowska) erzählt wird, die sich nach schlimmer Kindheit als Gouvernante in ihren Chef (Michael Fassbender) verliebt (der ein dunkles Geheimnis zu haben scheint) und trotzdem versucht, weiterhin ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die anderen Filmvarianten dieses Klassikers kenne ich noch nicht, doch diese Version von Fukunaga (BEASTS OF NO NATION, 2015) gefällt mir wegen ihrer trüben Bilder, des intensiven Spiels der beiden Hauptakteure (und auch Jamie Bell in einer Nebenrolle) sowie der Luft abschnürenden Atmosphäre des viktorianischen Zeitalters, voller unterdrückter Emotionen und Erotik.

3. Platz: INHERENT VICE (USA 2014, Regie: Paul Thomas Anderson)

INHERENT VICE

Es wäre anmaßend von mir, hier zu behaupten, dass ich den Plot von INHERENT VICE nach nur einer Sichtung völlig verstanden und durchschaut habe. Tatsächlich sind weitere Sichtungen dieses Films vorprogrammiert, auf die ich mich allerdings sehr freue. Der Film, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Thomas Pynchon handelt von dem Ende der unschuldigen Hippie-Zeit der Sechziger. In Gestalt eines Film Noir muss Hauptfigur Larry „Doc“ Sportello (Joaquin Phoenix) mehrere Fälle lösen, die irgendwie miteinander zu tun haben, wobei sein dauerbedröhnter Zustand, der dem Dude (THE BIG LEBOWSKI, 1998) in nichts nachsteht, nicht gerade zum optimalen Durchblick verhilft. Es sind Drogen im Spiel, eine Irrenanstalt, ein Zahnarzt, ein mysteriöses Boot und das noch mysteriösere „Golden Fang“-Kartell. Wie gesagt, auch ich habe die Handlung nicht völlig durchschaut, doch INHERENT VICE betört vor allem durch die unnachahmliche Handschrift von Regisseur Paul Thomas Anderson (THERE WILL BE BLOOD, THE MASTER), dessen Bildsprache ein Genuss für Cinephile ist. Zahlreiche Stars schmücken diesen actor’s film weiter aus, so z. B. Josh Brolin (NO COUNTRY FOR OLD MEN), Benicio Del Toro (TRAFFIC) und Owen Wilson (THE DARJEELING LIMITED). Wie schon beim Vorgänger THE MASTER (2012) erschließt sich der Film nicht ganz beim ersten Mal und ist sicherlich auch kein Mainstreamkino, aber große Kunst. Und ganz im Ernst: Ich bin bereit, einem Film nicht ganz folgen zu können, wenn ich dabei einfach nur geniale Charaktere wie die, welche von Phoenix, Brolin und Del Toro verkörpert werden, beobachten darf!

2. Platz: ENCOUNTERS AT THE END OF THE WORLD (USA 2007, Regie: Werner Herzog)

ENCOUNTERS AT THE END OF THE WORLD

Ich muss zugeben, dass ich einen Narren an Werner Herzog gefressen habe. Für mich ist er wohl der beste deutsche Regisseur schlechthin. Dabei geht es nicht nur um seine Qualität als Regisseur und seine Filme selbst, die mir auch zusagen, sondern vor allem um seine konsequente Outlaw-Herangehensweise. Er zieht seine Projekte knallhart durch, egal, wie speziell sie sind, unabhängig von großen Studios und großem Geld. Dabei ist er unglaublich vielseitig, bringt sowohl Romanverfilmungen (WOYZECK, 1979), cineastische Klassiker (NOSFERATU: PHANTOM DER NACHT, 1979), filmische Kraftakte am Rande des Wahnsinns (AGUIRRE, DER ZORN GOTTES, 1972; FITZCARRALDO, 1982), „mainstreamige“ Spielfilme (THE BAD LIEUTENANT: PORT OF CALL – NEW ORLEANS, 2009) als auch intensive Dokumentarfilme (INTO THE ABYSS, 2011; GRIZZLY MAN, 2005) auf die Leinwand. Besonders Letztere tragen unverkenntlich seine Handschrift, da sie von seiner trägen, monotonen, stark akzentuiert englisch sprechenden Stimme erzählt werden, die ebenfalls Kultstatus erreicht hat. ENCOUTERS AT THE END OF THE WORLD ist ein faszinierender Einblick in die Welt und die Menschen am Südpol. Dabei ging es Herzog nicht darum, einen Film über „fluffy penguins“ zu drehen, sondern eher über die hochinteressanten Charaktere, die sich in so einem extremen Gebiet sammeln. Und von ihnen kriegt er tatsächlich einige vor die Kamera, die von erstaunlichen Lebensläufen und Anekdoten berichten. Ironischerweise gibt es dann doch eine Pinguinszene, die aber in Herzog’scher Manier eine unerwartete Wendung macht, wodurch plötzlich ein magischer Filmmoment entsteht. Gelangweilt wegen eines Interviews mit einem wortkargen Pinguinforscher stellt Herzog plötzlich Fragen, mit denen der arme Ökologe nicht gerechnet hat: Gibt es Homosexualität unter Pinguinen? Können Pinguine verrückt werden? Nicht, dass sie sich für Napoleon oder Lenin halten, aber eben anderweitig durchdrehen? Und tatsächlich erfährt Herzog von Momenten, von denen er schließlich einen sogar einfängt, in dem ein einzelner Pinguin schlagartig entscheidet, weder zurück zu den Anderen, noch ans Wasser zu gehen, wo es Futter gibt, sondern direkten Kurs auf das Landesinnere nimmt. Der Forscher erklärt Herzog, dass dieser Pinguin sich durch nichts mehr davon abhalten lassen wird, diesen mehrere tausend Kilometer langen Weg in den sicheren Tod zu gehen. Man könnte ihn einfangen und zurückbringen (ein Tabu in der Antarktis, die Forscher dürfen mit den Tieren nicht interagieren oder ihnen helfen), er würde sofort wieder losziehen. Wir beobachten den winzigen schwarzen Punkt, der immer kleiner wird, und haben einen Szene erlebt, wie sie eben nur der an allem interessierte Werner Herzog einfangen kann.

1. Platz: THE REVENANT (USA 2015, Regie: Alejandro González Iñárritu)

THE REVENANT

Die Überlebensgeschichte von Hugh Glass (Leonardo DiCaprio), der von einem Grizzlybären schwer verwundet im nördlichen Louisiana Purchase des Jahres 1823 seinen Weg zurück ins Fort antritt, angetrieben von dem Rachedurst nach dem Verrat seines Trapper-Kameraden Fitzgerald (Tom Hardy), habe ich hier im Blog bereits ausführlicher rezensiert. Der Film von Regisseur Alejandro González Iñárritu (BIRDMAN, BABEL, 21 GRAMS) ist ein schonungsloses, intensives und bildgewaltiges Kinoerlebnis, das man auf der großen Leinwand erleben sollte.

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