ALIEN³

Veröffentlicht: 18. Februar 2016 in reviews
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Nachdem Ripley zusammen mit Newt und dem Colonial Marine Hicks von der Kolonie LV-426 fliehen konnten, ereignet sich auf ihrem Raumschiff während ihres Kälteschlafs eine Katastrophe, die zur Abtrennung der Rettungskapsel und zum Absturz auf die abgelegene Welt Fiorina „Fury“ 161 führt. Hicks und Newt überleben nicht, daher findet sich Ripley (Sigourney Weaver) alleine auf einer Gefängniskolonie wieder, in der ausschließlich „Doppel-Y-Chromosom“-Mörder und Triebtäter arbeiten, die hier der Außenwelt entsagt und ihren Glauben in einer fundamentalistischen christlichen Religion gefunden haben. Alles wäre halb so schlimm, wenn Ripley nicht der dringende Verdacht plagen würde, dass sie möglicherweise einen ungebetenen Gast in ihrer Kapsel mitgebracht hat …

Der dritte Teil der Alien-Saga war der erste Spielfilm von David Fincher (SE7EN, FIGHT CLUB, ZODIAC) und eine turbulente Produktion, von der sich Fincher im Anschluss distanzierte (und auf die man ihn wohl nicht ansprechen sollte). Ähnlich konfus ist die ursprüngliche Kinofassung von 1992. Während eine beklemmende und depressive Atmosphäre aufgebaut wird und zahlreiche Einstellungen in überwiegend gelb-braunen Farbtönen den typischen Fincher-Look haben, leidet die Kinofassung unter der hektischen Montage vor allem im letzten Akt. Zahlreiche Charaktere des Gefängnisses werden nur unzureichend entwickelt. Schließlich ist die Handlung natürlich erzwungen und muss als Prämisse akzeptiert werden (ebenso wie die zunehmend ausgelutschte sich wiederholende Thematik). Wie das Facehugger-Ei an Bord der Rettungskapsel gekommen ist, bleibt jedem überlassen. Dass mit Hicks (Michael Biehn) und Newt (Carrie Henn) zwei wichtige Charaktere aus Camerons ALIENS (1986) gleich zu Beginn sterben mussten, ist für den Verlauf von ALIEN³ verständlich. Ripley muss auf sich allein gestellt sein, in einer Welt, die einerseits gefährlich durch den Xenomorph, andererseits durch die Insassen ist, die seit Jahren keine Frau mehr zu Gesicht bekommen haben. Der einzige Verbündete, den Ripley findet, ist der Mediziner Clemens (Charles Dance), der sie aufpäppelt und sich auf ihre Seite schlägt, obwohl er früh merkt, dass sie ihm etwas verheimlicht. Sein früher Tod im Film ist schockierend, für den Zuschauer frustrierend, doch ähnlich wichtig wie der Abgang des Mentorencharakters in GRAVITY (2013, Alfonso Cuarón).

ALIEN 3

Für die „Alien Anthology“ wurden alle vier Spielfilme in doppelter Ausführung beigefügt. Neben den Kinofassungen ist zu jedem Teil eine „Special Edition“ enthalten. Fincher selbst weigerte sich, an der neuen Schnittfassung von ALIEN³ mitzuwirken, auch wenn sie wahrscheinlich so nahe an einen Director’s Cut kommt, wie das noch möglich ist. Tatsächlich ist die erweiterte Schnittfassung ein insgesamt besserer Film. Zahlreiche zusätzliche Szenen vertiefen die Charaktere der Insassen und deren religiöse Ansichten. Der finale Akt ist ausführlicher und wirkt kohärenter, das psychologische Element wird verstärkt, da es gelingt, den Xenomorph in einer Falle einzusperren, er aber durch einen labilen Insassen wieder befreit wird. Auch die Anfangssequenz ist in der Special Edition geändert. Im Gegensatz zur Kinofassung wird Ripley an den Strand gespült und dort von Clemens gefunden, und auch die Geburt des Xenomorph geht anders vonstatten. ALIEN³ hält keinen Vergleich zu seinen beiden Vorgängern stand, besitzt aber trotzdem genug depressive Stimmung und Atmosphäre, um als würdiger Film des Franchises zu bestehen (auch wenn die Effekte des laufenden Xenomorph sehr schlecht gealtert sind). Es wäre interessant zu sehen, wie ein Fincher-Film im Alien-Universum heute aussehen würde.

ALIEN³
USA 1992
Regie: David Fincher
Drehbuch: David Giler, Walter Hill, Larry Ferguson
Kamera: Alex Thomson
Schnitt: Terry Rawlings (David Crowther für die Special Edition)
114 min. (Kinofassung 1992)
145 min. (Special Edition 2003)

6/10 (Kinofassung)
7/10 (Special Edition)

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