Top 5 des Monats: Februar 2016

Veröffentlicht: 7. März 2016 in top 5 of the month
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Im Februar war meine Auswahl zahlenmäßig begrenzt, doch qualitativ eng beieinander, so dass ich mich mit dem Ranking sehr schwer getan habe. Tatsächlich sollten die finalen Platzierungen nicht so engstirnig betrachtet werden, alle fünf Filme kann ich empfehlen und haben ihre eigenen Stärken. Diese Liste knapp verpasst hat der wunderbare schwedische Film TILL DET SOM ÄR VACKERT [PURE] (2009, Lisa Langseth) mit der zauberhaften Alicia Vikander, die inzwischen auch Oscarpreisträgerin ist. In diesem Film spielt sie eine orientierungslose Jugendliche aus schwierigen Familienverhältnissen, für die sich mit der Musik von Mozart und schließlich mit dem Kontakt zu einem Komponisten eine völlig neue Welt eröffnet. Sehenswert! Doch nun zu meiner Filmauswahl aus dem Februar:

Meine Top 5 Filme im Februar 2016:

 

5. Platz: THE HATEFUL EIGHT (USA 2015, Regie: Quentin Tarantino)THE HATEFUL EIGHT

Dieses Western-Kammerspiel, das fast ausschließlich in einer abgelegenen Hütte stattfindet, ist gespickt mit Paranoia, Ressentiments und Rassismus. Eine Geschichte, die wie von Tarantino gewohnt narrativ zerstückelt und in Kapiteln erzählt wird, eröffnet sich dem Zuschauer mit der Zeit, verkörpert durch hochkarätige Schauspieler, intelligenten Dialogen und überraschenden Momenten. Die ausführliche Review gibt es hier im Blog.

4. Platz: IL CONFORMISTA [THE CONFORMIST] (ITA, FRA, GER 1970; Regie: Bernardo Bertolucci)IL CONFORMISTA

Ein Mann, der unbedingt dazugehören möchte. Er ist irgendwie anders, doch er will alles darum geben, konform zu sein. Selbst wenn die konforme Gesellschaft der italienische Faschismus unter Benito Mussolini ist. Und so macht sich der Protagonist Marcello Clerici, der aus einer dysfunktionalen aristokratischen Familie stammt und seit früher Kindheit traumatisiert ist, im Auftrag der faschistischen Geheimpolizei OVRA auf den Weg nach Paris, um dort seinen alten Universitätsprofessor zu ermorden. Bernardo Bertolucci (THE LAST EMPEROR, THE DREAMERS) inszenierte diesen Außenseiter, verkörpert von Jean-Louis Trintignant (AMOUR, IL GRANDE SILENZIO), indem er architektonische Elemente des Faschismus zu Kompositionen inspiriert von Leni Riefenstahl kombinierte. Die unglaubliche Kameraarbeit von Vittorio Storaro (APOCALYPSE NOW, THE LAST EMPEROR) überrascht immer wieder mit einfallsreichen Momenten, etwa der mehrfachen Fahrt durch eine Wand, um während des Dialogs zwischen Protagonist und dessen Mutter hin und her zu wechseln, aber auch mit virtuosen Licht- und Schattenmomenten, wie z. B. in einer Szene zwischen Trintingnant und Enzo Tarascio. Ein besonderer Film, der Filmemacher nachhaltig beeinflusst hat.

3. Platz: EX MACHINA (UK 2015, Regie: Alex Garland)EX MACHINA

Alex Garland ist Roman- und Drehbuchautor. Aus seiner Feder stammen die Bücher The Beach (1996), The Tesseract (1998) und The Coma (2004). Er schrieb die Drehbücher zu 28 DAYS LATER (2002, Danny Boyle), SUNSHINE (2007, Danny Boyle), NEVER LET ME GO (2010, Mark Romanek) sowie DREDD (2012, Pete Travis). Mit EX MACHINA setzte er sich das erste Mal in den Regiestuhl (das Drehbuch ist ebenfalls von ihm), und sein Debütfilm ist ein beachtenswerter Auftritt. Der Programmierer Caleb Smith (Domhall Gleeson) wird von seinem exzentrischen superreichen Chef Nathan Bateman (Oscar Isaac) in dessen abgelegene Villa eingeladen, um dort einen Turing Test mit einem Androiden durchzuführen, der über künstliche Intelligenz verfügt. Smith hat seine Schwierigkeiten, Bateman zu duchschauen, und wird durch die einnehmende und frappierende Persönlichkeit Avas (Alicia Vikander) zunehmend in den Bann gezogen. Der Film überzeugt sowohl durch sein intelligentes Drehbuch und die darin aufkommenden philosophischen Fragen, aber auch visuell in allen Belangen. Garland hält den gesamten Film sehr ruhig und low key, spielt mit minimalistischen und stilistischen Kompositionen und begeistert auch durch das starke Spiel seiner drei Darsteller. Die visuellen Effekte (ausgezeichnet bei der letzten Oscarverleihung), natürlich in erster Linie Vikanders Androidenkörper, wurden wie selbstverständlich eingebettet, ohne den Zuschauer durch Hascherei aus der Geschichte zu reißen.

2. Platz: THE MARTIAN (USA, UK 2015; Regie: Ridley Scott)THE MARTIAN

Der Überlebenskampf des Botanisten Mark Watney (Matt Damon) auf dem Mars ist ein weiterer Vertreter gelungener Science Fiction der letzten Jahre. Ridley Scott (ALIEN, GLADIATOR, PROMETHEUS) findet hier wieder zu alter Form und inszeniert einen unterhaltsamen, optimistischen, spannenden und optisch virtuosen SF-Film, der, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Andy Weir, seine große Stärke in der realistischen Darstellung der technischen und wissenschaftlichen Elemente hat. Die ausführliche Review zu THE MARTIAN gibt es hier im Blog.

1. Platz: SOSHITE CHICHI NI NARU [LIKE FATHER, LIKE SON] (JAP 2013, Regie: Hirokazu Koreeda)LIKE FATHER, LIKE SON

Der Albtraum aller Eltern wird für Ryota Nonomiya (Masaharu Fukuyama) und seine Frau Midori (Machiko Ono) wahr, als sie vom Geburtskrankenhaus ihres mittlerweile fünfjährigen Sohnes Keita (Keita Ninomiya) kontaktiert werden und erfahren, dass ihr Baby damals versehentlich vertauscht worden ist. Keita ist also nicht ihr leiblicher Sohn. Der befindet sich in einer anderen Familie, bei den biologischen Eltern Keitas. Nun müssen sich die beiden Elternpaare treffen, um schließlich zu beschließen, wie weiter vorgegangen werden soll. Die meisten Paare, so die Repräsentanten des Krankenhauses, entscheiden sich für einen Austausch. Nun sehen sich alle Beteiligten mit einer unmöglichen Situation konfrontiert, welche zur Belastungsprobe wird. LIKE FATHER, LIKE SON ist ein wunderschöner Film, der sich nicht in erster Linie mit dem Dilemma des Plots beschäftigt, sondern, wie der Titel sagt, vor allem die Frage nach Vaterschaft (oder Elternschaft) stellt. Was macht das eigene Kind aus? Das Blut, oder die Zeit und Liebe, die man mit ihm verbringt? Der wohlhabende Ryota ist ein Arbeitstier und will seine hohen Ziele und Ambitionen mit Autorität auf seinen Sohn übertragen. Wirklich Zeit verbringt er mit ihm aber nicht, ganz im Gegenteil zu Familie Saiki, über deren gesellschaftlichen Status und geringen Wohlstand Ryota lediglich die Nase rümpft, ohne dabei zu realisieren, dass Vater Yukari (Rirî Furankî), der vermeintliche Taugenichts, ein inniges und intensives Verhältnis zu seinen Kindern pflegt. Das Drama von Hirokazu Koreeda (OUR LITTLE SISTER) ist ein wundervoller Film und sticht im japanischen Kino, das sich seit Jahren in einer kreativen Krise befindet und bis auf wenige Ausnahmen kaum etwas Substantielles hervorbringt, hervor und lädt ein, sich über Prioritäten im Leben essentielle Fragen zu stellen.

Kommentare
  1. Schön, Kore-eda auf Platz 1🙂

  2. Mir selbst geht die vermeintliche Philosophie in EX MACHINA übrigens gänzlich ab. Caleb agiert für mich wie er agiert, weil er Ava scharf findet und das alte Rein-Raus-Spiel mit ihr spielen will. Folglich seine Realisierung, dass Bateman sie explizit für ihn nach seinen Porno-Präferenzen gebaut hat. Wenn ihm wirklich etwas an der „Persönlichkeit“ der AI liegen würde, hätte ich es bevorzugt, diese in den „Körper“ eines fetten Kerls zu packen, den Caleb nicht unbedingt intim näher kennenlernen möchte. Würde er dem auch helfen (wollen)? Wohl eher nicht. Letztlich wird Ava auf ihr „weibliches“ Erscheinungsbild reduziert, was sich die AI sicher fraglos zu Nutzen macht. Unterm Strich enthält für mich der Film jedoch ein fragwürdiges Rollenbild, entsprechend fand ich ihn bestenfalls durchschnittlich. *duckundweg*

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