Top 5 des Monats (kind of): März – September 2016

Veröffentlicht: 15. Oktober 2016 in top 5 of the month
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Nach einer viel zu langen Auszeit konnte ich endlich wieder eine Filmauswahl zusammenstellen. Da ich im zurückliegenden Zeitraum im Vergleich zur normalen Routine aus verschiedenen Gründen nur wenige Filme gesehen habe, habe ich mich entschieden, eine „Top 5“ für den gesamten ausgelassenen Zeitraum, von März bis September, zu veröffentlichen. Sie umfasst daher ausnahmsweise auch nicht fünf, sondern acht Filme. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Wochen und Monaten wieder das Pensum erhöhen kann, um an dieser Stelle auch darüber schreiben zu können. Hier sind die besten Filme, die ich den letzten sieben (!) Monaten gesehen habe:

Meine Top 8 Filme von März – September 2016:

8. Platz: DAI-BOSATSU TÔGE [THE SWORD OF DOOM] (JAP 1966, Regie: Kihachi Okamoto)

THE SWORD OF DOOM

Dieser kuriose Film von Regisseur Kihiachi Okamoto hebt sich von ähnlichen Filmen des Genres ab, indem der Zuschauer die Perspektive des „Bösewichts“, verkörpert von Tatsuya Nakadai (RAN, YÔJINBÔ, SEPPUKU), einnimmt und diesen bei seinen amoralischen und scheinbar emotionslos begangenen Handlungen begleitet. Die ästhetisch inszenierten Kampfszenen im Stile des klassischen jidai-geki kulminieren im finalen Akt, in welchem der Protagonist wohl endgültig den Verstand verliert. Das fantastische Ende des Films verblüfft und spielt in einer Liga mit IL GRANDE SILENZIO (1968, Sergio Corbucci), wobei es in diesem Fall auch daran liegt, dass geplante Sequels nie realisiert wurden. Neben Nakadai ist auch der legendäre Toshiro Mifune (SEVEN SAMURAI) Teil des Ensembles.

7. Platz: X-MEN: DAYS OF FUTURE PAST (USA, UK, CAN 2014; Regie: Bryan Singer)

X-MEN: DAYS OF FUTURE PAST

Bereits X: FIRST CLASS (2011, Matthew Vaughn) zog die Filmreihe um die Mutantenmänner und -frauen wieder auf eine erfreulichere und ansprechendere Ebene, nachdem zumindest für mich die X-Men durch den dritten Teil der ursprünglichen Trilogie X-MEN: THE LAST STAND (2006, Brett Ratner) und vor allem durch X-MEN ORIGINS: WOLVERINE (2009, Gavin Hood) abgestürzt waren. Wahrscheinlich spielte der Abgang von Bryan Singer, der für die ersten beiden Filme verantwortlich gewesen war, eine Rolle bei diesem Einbruch. Umso mehr wirkt sich seine Rückkehr auf X-MEN: DAYS OF FUTURE PAST aus, der interessant aufgebaut ist und in zwei verschiedenen Zeitebenen spielt, eine davon im Jahre 1973. Auch sonst bereitet der starbesetzte Film (u. a. Patrick Stewart, Ian McKellen, James McAvoy, Michael Fassbender, Hugh Jackman, Jennifer Lawrence) viel Spaß und weiß mit zahlreichen netten Einfällen und gelungenen Szenen zu überzeugen. Wer wie ich auf Zeitreisefilme und -geschichten steht, muss ihn sowieso sehen.

6. Platz: THE CHINA SYNDROME (USA 1979, Regie: James Bridges)

THE CHINA SYNDROME

In dem Thriller von James Bridges (URBAN COWBOY) werden eine TV-Reporterin (Jane Fonda) und ihr Kameramann (Michael Douglas) bei der Besichtigung eines Atomkraftwerks im Zuge einer Reportage zufällig Zeugen eines Zwischenfalls, der im Anschluss vertuscht wird. Da sie heimlicherweise Aufnahmen von der Situation im Kontrollraum gemacht haben, kommt es nun zu diversen Interessenkonflikten. Der Sender wird vom Betreiber des Kraftwerks unter Druck gesetzt, der idealistische Kameramann will die Öffentlichkeit unbedingt in Kenntnis setzen und riecht die große Story. Der Sicherheitschef des Kraftwerks (Jack Lemmon) verspürt zunehmend Gewissensbisse, nachdem er anfänglich gemäß seinen Anweisungen beschwichtigt und alle Bedenken abtut. Nicht nur Fonda und Douglas, sondern vor allem der großartige Jack Lemmon (GLENGARRY GLEN ROSS) ist es wert, sich THE CHINA SYNDROME anzusehen.

5. Platz: PERFECT BLUE (JAP 1997; Regie: Satoshi Kon)

PERFECT BLUE

Satoshi Kons großartiger Psychothriller um eine J-Pop-Sängerin, die entscheidet, ihre Musikkarriere zu beenden und fortan als Schauspielerin zu arbeiten, um dann zu merken, dass einige Fans ihr diesen Schritt mehr als übel nehmen, begeistert durch das zunehmende Verwirrspiel um den Identitätsverlust und die Paranoia. Dabei ist PERFECT BLUE zum einen Krimi, in dem man rätselt, wer der durchgedrehte Stalker ist, doch gleichzeitig auch ein Psychotrip, bei welchem die Protagonistin zunehmend selbst an ihrem eigenen Verstand zweifelt. Großartiger Film von Satoshi Kon, dessen anderen fantastischen Film PAPRIKA (2006) ich an dieser Stelle auch nur wärmstens empfehlen kann.

4. Platz: SICARIO (USA 2015, Regie: Denis Villeneuve)

SICARIO

Von den derzeit angesagten zeitgenössischen Regisseuren gehört Denis Villeneuve für mich spätestens seit ENEMY (2013) zu den ganz heißen Kandidaten. Seine Filme faszinieren mich bisher durch ihre beklemmende, befremdliche Atmosphäre und die starke Bildsprache. Ich habe noch nicht alle gesehen, bisher nur die letzten drei (PRISONERS, ENEMY und SICARIO), doch der Kanadier scheint seine Perspektive und seine Bildsprache gefunden zu haben. SICARIO hätte in den Händen eines anderen Regisseurs zu einem völlig herkömmlichen Sommer-Blockbuster werden können. Ein Actionthriller mit harten Männern und einer Protagonistin, die sich als FBI-Agentin in einer Machowelt durchsetzen muss und in einer CIA-Task Force versucht, ein mexikanisches Drogenkartell hochzunehmen. Solche Filme sieht man oft und vergisst sie im Anschluss schnell wieder. Ganz anders ist jedoch Villeneuves Version geworden. Ohne die Handlung zu verraten, kann ich versprechen, dass die Atmosphäre des permanenten Unwohlseins, wie sie auch in ENEMY zu verspüren war, auch hier der Schlüssel ist. Nichts ist so, wie es scheint, und die FBI-Agentin (gespielt von Emily Blunt) ist die perfekte Perspektive für den Zuschauer, der in diesem knallharten Spiel den Überblick zu behalten versucht. Zusammen mit Josh Brolin (NO COUNTRY FOR OLD MEN) und Benicio Del Toro (TRAFFIC) ist SICARIO ein hochklassiger Thriller und macht Lust auf mehr Filme von Denis Villeneuve.

3. Platz: UNDER FIRE (USA 1983, Regie: Roger Spottiswoode)

UNDER FIRE

Drei Journalisten erleben eine Dreiecksgeschichte vor der Kulisse der Revolution in Nicaragua 1979, bei welcher das Regime der (von den USA unterstützten) Somoza-Diktatur gestürzt wurde. Teile der Geschichte basieren auf dem Mord des ABC-Journalisten Bill Stewart, der von einem Kameramann aufgezeichnet wurde. Der Film überzeugt vor allem durch das starke Spiel seiner hochkarätigen Besetzung. Nick Nolte, Gene Hackman, Joanna Cassidy, Ed Harris und Jean-Louis Trintignant spielen glaubwürdige Charaktere vor einer zunehmend chaotischen Kulisse. Vor allem Nick Nolte glänzt als krisengeprüfter Fotograf mit Instinkt. UNDER FIRE ist aber nicht zuletzt auch ein Soundtrack-Juwel von Jerry Goldsmith, dessen Thema „Nicaragua“ zuletzt von Quentin Tarantino in DJANO UNCHAINED (2012) wieder in Erinnerung gerufen wurde.

2. Platz: BEASTS OF NO NATION (USA 2015, Regie: Cary Joji Fukumaga)

BEASTS OF NO NATION

In einem unbenannten westafrikanischen Land bricht der Bürgerkrieg aus, der Junge Agu wird von seiner Familie getrennt und entkommt nur knapp der Hinrichtung. Nachdem er von Rebellentruppen gefangengenommen wird, zwingt man ihn, sich der Einheit als Kindersoldat anzuschließen. Fortan durchlebt er den Drill, die Hirnwäsche und die Gewalt, die ihn abstumpfen und zur Waffe machen sollen. BEASTS OF NO NATION basiert auf dem gleichnamigen Roman von Uzodinma Iweala und wurde von Cary Joji Fukunaga realisiert, der bereits mit SIN NOMBRE (2009) Jugendliche porträtiert hatte, die ihrer Kindheit und Jugend beraubt wurden. Der Film ist ein Kraftakt, der schließlich auch den Zuschauer abstumpfen lässt. Neben dem Protagonisten, gespielt von Abraham Attah, drückt vor allem Idris Elba (PROMETHEUS) in seiner bisher besten Rolle als Warlord der Kinderarmee seinen Stempel auf.

1. Platz: JODAEIYE NADER AZ SIMIN [A SEPARATION] (IRN 2011, Regie: Asghar Farhadi)

A SEPARATION

A SEPARATION ist ein fantastisches Familiendrama, das auf so vielen Ebenen interessant ist. Es ist nicht nur der Konflikt zwischen Ehemann und Ehefrau, die sich trennen, weil er aus Sorge um seinen an Alzheimer erkrankten Vater nicht das Land mit ihr und ihrer gemeinsamen Tochter verlassen will. Es ist auch das Aufeinandertreffen der Familie aus der gebildeten, gehobenen Mittelschicht mit der Familie ihrer neuen Haushaltshilfe aus der armen, religiösen Unterschicht. Es ist auch die Konfrontation mit den iranischen Behörden, zunächst beim Familiengericht, später im Zuge eines Rechtsstreits vor einem weiteren Richter. Es ist zudem auch die Beziehung zwischen Vater und Tochter, die im Laufe der sich verkomplizierenden Ereignisse den Vater zunehmend als moralische Instanz konfrontiert und als Gewissen agiert. Und schließlich ist A SEPARATION ein großartig inszenierter Spielfilm, der von der ersten Minute bis zur perfekten Schlussszene von Regisseur Asghar Farhadi gekonnt inszeniert ist. Allein aus diesen Gründen ist dieser Film für jeden Cineasten ein Muss. Aber vielleicht sollte man sich A SEPARATION auch ansehen, um gegen das seit Jahrzehnten in erster Linie durch die USA und Israel säbelrasselnd propagierte Bild des gefährlichsten Schurkenstaats im Nahen Osten entgegenzuwirken und einen kleinen Einblick in das Land zu bekommen.

Kommentare
  1. Daumen hoch für Sicario und insbesondere Perfect Blue. Dagegen finde ich A Separation ziemlich überhypt, aber immerhin schön, dass ein ausländischer Film so viel Aufmerksamkeit erhält.

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