Top 5 des Monats: November 2016

Veröffentlicht: 21. Dezember 2016 in top 5 of the month
Schlagwörter:

Wieder ist es Zeit für meine monatliche Filmauswahl – diesmal teilen sich drei berühmte Klassiker die Plätze mit zwei Filmen jüngeren Datums. Wieder musste ich schweren Herzens Filme aus der Vorauswahl streichen, was nicht bedeutet, dass sie es nicht auch in die Top 5 verdient hätten. Darunter sind unter anderen Douglas Sirks ALL THAT HEAVEN ALLOWS (1955), Iñárritus BIUTIFUL (2010) und Robert Altmans MASH (1970). Ich bin mit der finalen Auswahl aber zufrieden und kann auch schon für den Dezember eine schöne Liste als Jahresabschluss versprechen!

Meine Top 5 Filme im November 2016:

5. Platz: THE NEON DEMON (USA, DK, F 2016, Regie: Nicolas Winding Refn)

THE NEON DEMON

Refns Fashion-Horror betört natürlich besonders durch seine Ästhetik, wie man es von seinen bisherigen Filmen nicht anders kennt (DRIVE, VALHALLA RISING, BRONSON). Ein junges Mädchen (Elle Fanning) startet in Los Angeles eine Karriere als Model, nur um von der Modewelt wahrhaftig vereinnahmt zu werden. Die ausführliche Review zum Film gibt es hier im Blog.

4. Platz: DU RIFIFI CHEZ LES HOMMES (F 1955; Regie: Jules Dassin)

RIFIFI

Auf diesen Klassiker Dassins bin ich eher zufällig gestoßen. Da ich aber eine Schwäche für Filme aus dem Crime- und Heist-Genre habe, ist das genau mein Ding. Eine kriminelle Bande in Brüssel plant den perfekten Diamanten-Coup. Wie in allen Filmen des Genres ist der Film in entsprechende Akte aufgeteilt: Planung – Ausführung – Auflösung. Die Ausführung schreibt Kinogeschichte. Eine etwa halbstündige Einbruchszene spielt sich ohne eine einzige Dialogzeile ab. Aber wie es die Genrekonventionen verlangen – etwas muss schiefgehen! Ein großartiger Film, der auf den gleichnamigen Roman von Auguste Le Breton (1954) basiert.

3. Platz: BIRDMAN (USA 2014, Regie: Alejandro González Iñárritu)

BIRDMAN

Iñárritus Ensemblefilm BIRDMAN ist ein grandioser Kraftakt aus schauspielerischer Leistung und technischer Realisation. Der alternde Schauspieler Riggan Thomson (Michael Keaton), bekannt als Superheld „Birdman“ der Achtziger und Neunziger, möchte als seriöser Schauspieler anerkannt werden und inszeniert ein Theaterstück am Broadway. Seine Lebenskrise wird durch diverse Schwierigkeiten hinter den Kulissen verstärkt, etwa durch den in letzter Minute engagierten method actor Mike Shiner (Edward Norton). Während die Welt und die Kritiker über Riggan lachen, redet ihm die Stimme des Birdman permanent ins Gewissen. Verliert er den Verstand? Bricht er zusammen? Bekommt er seine Anerkennung? Dass die Rolle des Riggan Thomson Michael Keaton auf dem Leib geschrieben stand, dürfte jedem klar sein angesichts seiner Kinovergangenheit als Batman aus den Filmen Tim Burtons. Michael Keaton liefert in BIRDMAN die wahrscheinlich beste Leistung seiner ganzen Karriere ab, und zusammen mit dem hochklassigen Cast ist BIRDMAN ein schauspielerisches Feuerwerk. Zudem kommt die Tatsache, dass Iñárritu (THE REVENANT) den Film in einem nie abreißenden Fluss inszeniert hat. Er suggeriert, in nur einer Einstellung gedreht zu sein. Tatsächlich verbergen sich im Film ein paar Schnitte, dennoch sind große Teile in nur einem Take gedreht. Diese Entscheidung passt sehr gut zum psychischen Zustand des Protagonisten, aber auch zur Hektik hinter dem Theatervorgang. Die damit einhergehende Logistik ist nicht zu verachten, doch diese filmische Lösung ist nicht technische Spielerei (wie etwa in VICTORIA) oder Experiment. BIRDMAN hätte auch herkömmlich inszeniert funktioniert, aber wahrscheinlich konnte Iñárritu seinen Darstellern durch diesen strengen Rahmen noch das letzte Quentchen abgewinnen. Man kann sich geradezu vorstellen, wie sich bei den Schauspielern die kribbelnde Mischung aus Begeisterung und Versagensangst angesichts dieser Herausforderung breitmachte.

2. Platz: THE THIRD MAN (UK 1949, Regie: Carol Reed)

THE THIRD MAN

Dieser britische Film Noir sticht unter anderem deshalb heraus, da er vollständig an Orginalschauplätzen gedreht wurde, nämlich im Wien der Nachkriegszeit, aber auch dank seiner expressionistischen Kameraarbeit (Robert Krasker), mit ihren „Dutch Angles“, also der schrägen Kameraperspektive. Licht und Schatten haben beinahe eine eigene Persönlichkeit, und das Finale in der Wiener Kanalisation ist großes Kino. Der Film, der von einem mysteriösen Mordfall handelt, der von den Behörden zunächst als Unfall abgetan wird, ist voller einfallsreicher Einstellungen, starken schauspielerischen Leistungen und Genre-Konventionen. Nicht zuletzt gibt es den unsterblichen und beinahe unerwarteten Auftritt Orson Welles‘.

1. Platz: M (D 1931, Regie: Fritz Lang)

M

Dieser Film ist streng genommen keine Erstsichtung, da ich ihn irgendwann in der Kindheit schon mal gesehen haben muss. Da ich mich aber kaum erinnern konnte, hat er sich für die Auswahl qualifiziert. M ist ein Meisterwerk des deutschen Expressionisten Fritz Lang (METROPOLIS), ein Wegbereiter solcher Genres wie des Film Noir und des Serienmörderfilms, aber zugleich ist der Film Gesellschaftskritik und wurde kurz vor dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte veröffentlicht. Ein Kindermörder treibt sein Unwesen und die Polizei macht trotz großangelegter Ermittlung keine Fortschritte. Schließlich entscheiden sich die Verbrecherbosse der Stadt, sich ebenfalls auf die Suche nach dem Mörder zu machen, damit ihnen die Polizei nicht mehr so auf die Pelle rückt und das Geschäft vermiest. M, der erste Tonfilm Langs, ist voller interessanter Szenen, so zum Beispiel die Hetzjagd der Unterwelt auf den Mörder, der sich in einem Häuserblock versteckt hat. Vor allem der letzte Akt, die „Gerichtsverhandlung“ vor den Augen der Verbrecher der Stadt, gibt dem Film eine dramatische und moralische Tiefe. In Zeiten, in denen die Leute auf Facebook ohne lange zu überlegen ihre Rückenmark-Posts abgeben, wenn es um sensible Themen wie z. B. Kindesmissbrauch oder Tierquälerei geht, und nach den drakonischsten und bestialischsten Strafen für Täter schreien, ohne auch nur um wenige Ecken weiterzudenken, sollte sich ein jeder M erneut zu Gemüte führen, vor allem die letzte Szene und den fantastischen verbalen Schlagabtausch zwischen dem Mob und dem großartigen Peter Lorre. M ist beinahe 90 Jahre alt, doch noch immer brandaktuell.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s