Top 5 des Monats: Januar 2017

Veröffentlicht: 1. März 2017 in top 5 of the month
Schlagwörter:

Nachdem ich leider aufgrund von Krankheit und Arbeit keine Auswahl für den letzten Dezember veröffentlichen konnte, starte ich nun etwas verspätet ins neue Jahr mit den ersten Filmempfehlungen aus dem Januar! Eine kleine Änderung habe ich am Format vorgenommen: Es gibt keine offizielle Platzierung mehr, da ich das immer recht nervig fand, sondern einfach nur noch fünf empfohlene Filme!

Filmauswahl Januar 2017:

IMMORTAL BELOVED (UK, USA 1994, Regie: Bernard Rose)

IMMORTAL BELOVED

In IMMORTAL BELOVED versucht der Sekretär und Biograph Beethovens, Anton Schindler (Jeroen Krabbé), das Geheimnis von Beethovens „Unsterblichen Geliebten“ zu lüften und sucht daher mehrere in Frage kommenden Frauen im österreichischen Kaiserreich auf, um mit ihnen über den inzwischen verstorbenen Komponisten zu reden. In Rückblicken erhält der Zuschauer dadurch Einblicke in das Leben des Genies der Wiener Klassik. Dabei ist Roses Film kein Biopic, sondern ähnelt mit seiner Herangehensweise eher Milos Formans AMADEUS (1984). Denn unter Historikern besteht auch heute noch keine absolute Übereinstimmung, um wen es sich bei Beethovens Geliebter handelte, doch Roses These ist mit Abstand die abwegigste, die kein Historiker vertritt, und dient lediglich der Dramaturgie. Allerdings sollte man dies dem Film nicht zum Vorwurf machen, ebenso wenig, wie man Forman nicht vorwerfen kann, Salieri als Mozarts Mörder inszeniert zu haben. IMMORTAL BELOVED ist ein romantischer, melancholischer Blick in die Vergangenheit, eine interessant verschachtelte Geschichte und Gary Oldman in der Rolle Beethovens ein Genuss.

7 AÑOS (ESP 2016, Regie: Roger Gual)

7 ANOS

Dieser kleine Film hat mich in erster Linie wegen seines Settings interessiert. Minimalistische Kammerspiele (wie z. B. Polanskis CARNAGE (2011)) haben es nicht leicht, denn sie können sehr schnell die Aufmerksamkeit des Zuschauers verlieren, wenn sie nicht in der Lage sind, ihn mit einer guten Story bei der Stange zu halten. 7 AÑOS schafft das. Die Story ist simpel: Die Inhaber eines erfolgreichen Unternehmens erfahren, dass sie wegen Steuerhinterziehung belangt werden und die Behörden am folgenden Tag vor der Tür stehen werden. Es drohen Gefängnisstrafen. Doch die vier haben einen Plan. Wenn einer von ihnen die Schuld voll auf sich nimmt und für voraussichtlich sieben Jahre ins Gefängnis geht, dann kommen die anderen unbehelligt davon. Das Problem ist nur, auszumachen, wer sich freiwillig stellen soll. Dazu laden sie einen Mediator ein, der zusammen mit ihnen innerhalb einer Nacht ermitteln soll, wer ins Gefängnis geht. Es kommt zu einem interessanten Schlagabtausch und vielen Dilemma-Elementen der Spieltheorie. Bis zum Schluss ist unklar, ob überhaupt und wer sich stellt. Weitere empfehlenswerte Filme dieser Kategorie: 12 ANGRY MEN (1957, Sidney Lumet), LA GRANDE BOUFFE (1973, Marco Ferreri), GLENGARRY GLEN ROSS (1992, James Foley), MOON (2009, Duncan Jones), CARNAGE (2011, Roman Polanski), AMOUR (2012, Michael Haneke).

DIVINES (F, Katar 2014; Regie: Houda Benyamina)

DIVINES

In DIVINES lernen wir ähnlich wie in Audiards UN PROPHÈTE (2009) die gesellschaftlichen Verlierer Frankreichs kennen. Dounia (Oulaya Amamra) lebt mit ihrer Mutter in einem Elendsviertel am Pariser Stadtrand und versucht zusammen mit ihrer Freundin Maimouna (Déborah Lukumuena) Geld zu verdienen, indem sie Teil von Rebeccas (Jisca Kalvanda) krimineller Crew werden, die in erster Linie Drogen vertickt. Dounia ist aufgeweckt genug, um sich schnell Respekt zu verschaffen. Außerdem lernt sie den Tänzer Djigui (Kévin Mischel) kennen, dessen Bewegungen sie faszinieren und ihr eine andere Welt aufzeigen. Natürlich kann die Verbrecherkarriere nicht rund laufen, und ein romantisches Happy End würde die Materie vollends verraten. Stattdessen zeigt Regisseurin Houda Benyamina in diesem mit der Caméra d’Or prämierten Drama sympathisch-tragische Figuren in einem Umfeld, das die triste Realität der französischen Gesellschaft glaubwürdig widerspiegelt.

PUBLIEKE WERKEN [PUBLIC WORKS] (NED 2015, Regie: Joram Lürsen)

PUBLIC WORKS

Basierend auf dem gleichnamigen Roman (1999) von Thomas Rosenboom, wird in PUBLIEKE WERKEN die kuriose Geschichte rund um den Bau des Victoria Hotels Ende des 19. Jahrhunderts in Amsterdam erzählt. Dabei konzentriert sich die Handlung auf den sturen Geigenbauer Vedder (Gijs Scholten van Aschat), der sich weigert, seine kleine Wohnung und Werkstatt für einen in seinen Augen zu geringen Preis an den Bauherren zu verkaufen, damit das Hotel errichtet werden kann, und dessen Cousin und Apotheker Anijs (Jakob Derwig), der sich gesetzeswidrig als Arzt betätigt und daher Schwierigkeiten mit den Behörden bekommt. Beiden wird das Leben schwer gemacht, und schließlich kommen sie auf eine Idee, geboren vielleicht aus Sturheit und Stolz, vielleicht aus purer Nächstenliebe und Begeisterung, die jedoch tragische Konsequenzen nach sich zieht.

MR. TURNER (UK, F, D 2014; Regie: Mike Leigh)

MR. TURNER

Das Biopic über den britischen Maler J. M. W. Turner (wundervoll gespielt von Timothy Spall) gibt einen eindrucksvollen Einblick in das Leben und die Zeit des romantischen Malers. Nicht nur die schauspielerische Leistung Spalls und des restlichen Ensembles, sondern vor allem auch die wunderschöne visuelle Ästhetik des Films, die bewusst Gemälde von Turner aufruft, haben mir zugesagt. MR. TURNER ist optisch einer der schönsten Filme, die ich seit langem gesehen habe (die letzte solche Erfahrung, die mir spontan einfällt, war Wong Kar-Wais THE GRANDMASTER (2013)).

Advertisements
Kommentare
  1. Mr. Turner ❤

    Schön dass es hier wieder weitergeht. Nix mehr zu 2016 insgesamt?

    • indy sagt:

      Danke! Nee, ich hab früher mal Best-of-Listen für das Jahr gemacht, aber irgendwie macht das bei mir wenig Sinn, da ich viele Produktionen eines Filmjahres erst paar Jahre später sehe. Habe noch nicht viele Titel aus 2016 gesehen. So machen meine „Top 5“ Listen übers Jahr verteilt eher Sinn.

  2. Freut mich, dass es „Divines“ auf die Liste geschafft hat 😀 Ich bin mehr durch Zufall auf Netflix über den Film gestolpert, der mich dann doch sehr beeindruckt hat! Ich stimm dir zu, dass der Film wahnsinnig interessante und starke Charaktere hat, nur wurde ich irgendwie vom Ende enttäuscht…
    Trotzdem sehr eindrucksvoller und ausergewöhnlicher Film!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s