Top 5 des Monats: Februar 2017

Veröffentlicht: 12. April 2017 in top 5 of the month
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Meine Filmauswahl aus dem Februar ist mal wieder ein internationaler Mix in fünf verschiedenen Sprachen und auch thematisch breit gefächert! Ich hoffe, dadurch den ein oder anderen Filmabend inspirieren zu können!

Filmauswahl Februar 2017:

TETSUO (Japan 1989, Regie: Shinya Tsukamoto)

TETSUO ist ein herrlich bizarrer Cyberpunk/Horror-Film von Shinya Tsukamoto, bei welchem sich der Protagonist im Laufe der Handlung zunehmend in ein Metallwesen verwandelt. Ich kann nicht behaupten, die Handlung vollständig begriffen zu haben, doch bei diesem Experimentalfilm ist sie fast irrelevant. TETSUO wirkt durch seine originelle Montage und seine groteske Atmosphäre, die eine Mischung aus Lynch (ERASERHEAD) und dem body horror eines David Cronenberg (NAKED LUNCH) ist. Seine Underground-Low-Budget-Herangehensweise erinnert auch an Daronofskys PI (1998)  und macht den Film definitiv zu einem Erlebnis, das hängenbleibt.

MR. SMITH GOES TO WASHINGTON (USA 1939, Regie: Frank Capra)

Frank Capras Filme liegen bei mir schon seit Jahren herum und warten darauf, gesehen zu werden. Aus verschiedensten Gründen konnte und wollte ich bisher nie, doch im Februar habe ich endlich den ersten mir verfügbaren Film, MR. SMITH GOES TO WASHINGTON, ansehen können. Der Klassiker aus dem Jahr 1939 erzählt die Geschichte eines Politikers vom Land (James Stewart), der im Zuge eines taktischen Manövers zum Senator ernannt und nach Washington geschickt wird. Dort soll er in erster Linie den Mund halten und abnicken, was die korrupten Senatoren und ihre mächtigen Männer im Hintergrund durchwinken. Doch alle täuschen sich in dem idealistischen Landei: Mr. Smith beginnt aufzumucken und nimmt in Manier eines Don Quijote den Kampf gegen die Windmühlen der Politik auf. Capras Film gipfelt im legendären Filibuster, der Ermüdungsrede James Stewarts. Als der Film ins Kino kam, wurde er wegen seiner Darstellung der US-Politik von der Washingtoner Presse und Politikern des Congress natürlich sofort als anti-amerikanisch und pro-kommunistisch verschrien – dennoch wurde MR. SMITH GOES TO WASHINGTON für elf Oscars nominiert und gewann schließlich einen („Best Story“ – eine Kategorie, die es nur bis 1957 gab. Seitdem gibt es nur noch den Oscar für das beste adaptierte bzw. Originaldrehbuch).

A FOST SAU N-A FOST? [12:08 EAST OF BUCHAREST] (Rumänien 2006, Regie: Corneliu Porumboiu)

Diese rumänische Satire behandelt das Thema der Revolution von 1989, indem in einem kleinen Regionalsender eines Bukarester Vororts zwei „Experten“ (gespielt von Mircea Andreescu und Ion Sapdaru) eingeladen werden, um die Revolution zu besprechen – oder vielmehr die Frage, ob denn überhaupt eine stattgefunden habe (so der Orginaltitel). Denn im Laufe des Gesprächs und auch nach einigen Zuschaueranrufen stellt sich für alle Beteiligten die Frage, ob die Leute sich damals tatsächlich gleich auf dem Marktplatz des Vororts versammelt haben, um gegen die Politik Ceaușescus zu protestieren, oder erst nach 12:08 Uhr, als der Diktator mit dem Hubschrauber seine Flucht angetreten hatte. Sollten sie erst danach auf den Marktplatz erschienen sein, könne man das ja schlecht eine Revolution nennen. Porumboius Film ist in zwei Teilen aufgebaut. Zunächst werden die drei Protagonisten separat eingeführt, bis sie schließlich im zweiten Teil gemeinsam das armselige TV-Programm gestalten – bis auf den ehrgeizigen Moderator (Teodor Corban) herrlich demotiviert und deplatziert.

LA PEAU DOUCE  [THE SOFT SKIN] (Frankreich 1964, Regie: François Truffaut)

Truffauts Film erzählt die Geschichte eines bekannten Publizisten (Jean Desailly), der verheiratet ist und ein Kind hat, doch auf einer Geschäftsreise nach Portugal eine Affäre mit einer Flugbegleiterin (Françoise Dorléac) beginnt. Natürlich kann der gebildete Perfektionist das folgende Doppelleben auf Dauer nicht aufrechthalten – auch stellt man sich die Frage, warum er es überhaupt tut, denn vor Begierde platzt er nicht unbedingt, und man sollte meinen, er habe bereits alles, was er braucht. Doch das ist einer der interessanten Aspekte des Films. Filmkritiker Roger Ebert brachte es gut auf den Punkt und nannte den Protagonisten einen lausigen Ehebrecher. Auch wenn die Geschichte vor allem am Ende sehr konstruiert ist, gehört er zu den Filmen Truffauts, die mir gut gefallen – vor allem die Szenen in Reims, wo die beiden eigentlich eine gemeinsame Zeit verbringen wollen, aber aufgrund sozialer Verpflichtungen nicht zusammenkommen, ist mir positiv in Erinnerung geblieben – sie spielt sich wie ein typisches Traummotiv ab.

EN PASSION [THE PASSION OF ANNA] (Schweden 1969, Regie: Ingmar Bergman)

Ingmar Bergman ist zweifellos einer der größten Regisseure aller Zeiten. Jeder Film, den ich bisher gesehen habe, übt eine Faszination aus, und ich tue mich sehr schwer damit, einen Favoriten auszusuchen (vielleicht PERSONA). Bergman war ein Meister darin, das Innenleben seiner Protagonisten cineastisch zu vermitteln. Beide Hauptcharaktere in EN PASSION sind gebrochene Menschen. Andreas (Max von Sydow) lebt nach seiner Scheidung alleine in einer Hütte, Anna (Liv Ullmann) hat einen Autounfall überlebt, bei dem ihr Mann und ihr Kind gestorben sind, und täuscht sich und ihre Umwelt seitdem. Sie lernen sich kennen, als sie bei ihm vor der Tür steht und darum bittet, telefonieren zu dürfen. Andreas lernt Annas Freunde, das Paar Elis und Eva kennen – auch bei ihnen kriselt es. Bald beginnen die beiden eine Beziehung, die jedoch zum Scheitern verurteilt ist, da permanent eine latente Aggression im Raum zu schweben scheint. Gleichzeitig treibt sich ein Tierquäler in der Gegend rum, der Tiere scheinbar wahllos und bestialisch tötet. EN PASSION ist ein großartiges psychologisches Drama, das die Gewalt und die Krise in das Leben gewöhnlicher Menschen einwirken lässt.

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