Top 5 des Monats: März 2017

Veröffentlicht: 1. Juni 2017 in top 5 of the month
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Ich komme in den letzten Monaten kaum noch hinterher, aber werde in diesen Tagen die letzten drei Monate direkt hintereinander posten, um den Anschluss zu schaffen, denn Filme habe ich einige gesehen, aus denen schöne Auswahlen entstanden sind. Los geht’s mit meiner Filmauswahl aus dem März!

Filmauswahl März 2017:

THE PROPOSITION (Australien, Vereinigtes Königreich 2005; Regie: John Hillcoat)

THE ROAD (2009) war der erste Film von Regisseur John Hillcoat, den ich gesehen habe und schlagartig zu meinen Favoriten der besten dystopischen Endzeitfilme gestoßen ist. THE PROPOSITION entstand vier Jahre zuvor und ist ein harter Neo-Western im australischen Setting, geschrieben von Nick Cave. In diesem blutigen, erbarmungslosen Drama macht Captain Stanley (Ray Winstone) jagt auf die Gebrüder Burns. Die zwei Jüngeren nimmt er gefangen. Da er den Ältesten, Arthur (gespielt von Danny Huston), für den Kopf der Banditengruppe hält, macht er seinen Gefangenen einen Vorschlag. Der Jüngste, Mike (Richard Wilson), bleibt gefangen und soll an Weihnachten gehängt werden, wenn sein Bruder Charlie (Guy Pearce) nicht rechtzeitig Arthur in seinem Versteck auftreibt und erschießt. Charlie nimmt den Vorschlag an und macht sich auf die Suche. THE PROPOSITION glänzt nicht nur durch seine hochkarätigen Darsteller, die beinahe archetypische Figuren verkörpern, sondern durch sein gesamtes, gnadenloses und im Vergleich zum klassischen Western exotisches Setting vor der australischen Kulisse der 1880er Jahre.

HOMBRE (USA 1967, Regie: Martin Ritt)

HOMBRE ist die sechste Zusammenarbeit zwischen Regisseur Martin Ritt (THE SPY WHO CAME IN FROM THE COLD) und Paul Newman. Der Anti-Western basiert auf dem gleichnamigen Roman von Elmore Leonard aus dem Jahre 1961 und erzählt die Geschichte von John Russell (Newman), der als Kind von Apachen aufgezogen wurde und den Rassismus des Weißen Mannes daher mit eigenen Augen erleben konnte. Ausgerechnet er muss die Passagiere einer Kutsche nach einem Banditenüberfall in Sicherheit führen, denn ohne ihn sind sie in der Wildnis aufgeschmissen. Russell kämpft dabei gegen die innere Wut, die er diesen Menschen gegenüber verspürt. Im Verlauf der Handlung kommt es zu großartigen moralischen Dilemmata, welche die verschiedenen Ansichten der Beteiligten unterstreichen und in Konflikt geraten lassen. Newman brilliert mit minimalistischem Dialog und beinahe ausschließlich durch sein Verhalten.

MEDALIA DE ONOARE [MEDAL OF HONOR] (Rumänien 2009, Regie: Călin Peter Netzer)

Voller Verwunderung bekommt der Rentner Ion I. Ion (Victor Rebengiuc) eines Tages einen offiziellen Brief, der ihm mitteilt, dass ihm eine Ehrenmedaille für seine Verdienste im Zweiten Weltkrieg verliehen werden soll. Das Problem ist nur, dass Ion keine Ahnung hat, was er konkret geleistet haben soll. Nachdem er zunächst der Meinung ist, dass es sich um einen Irrtum handeln muss, erhält er jedoch die Medaille und stellt sie seiner Frau, die kein Wort mit ihm redet, sowie seinen Bekannten stolz zur Schau. Kompliziert wird es, als sich plötzlich doch herausstellt, dass ihm die Medaille irrtümlich verliehen worden ist. Ion versucht verzweifelt, an diesem Symbol festzuhalten, vor allem jetzt, da sein Sohn endlich wieder aus dem Ausland zurückkehrt und mit seiner Familie die Eltern besuchen will. Regisseur Câlin Peter Netzer arbeitet mit dem Drama MEDALIA DE ONOARE sehr eindrucksvoll das Thema der Vergangenheitsbewältigung heraus. Ion, einerseits von Schuldgefühlen geplagt, andererseits ein stolzer und sturer Besserwisser, versucht seinem Leben durch die vermeintliche Auszeichnung einen ganz anderen und klaren Sinn zu verleihen. Dabei kämpft er sich durch die Windmühlen der rumänischen Bürokratie. Die Ehrenmedaille ist mehr als nur ein Symbol für ihn, sie wird zum Dreh- und Angelpunkt seiner ganzen Existenz. Hierbei liefert Victor Rebengiuc in der Hauptrolle eine großartige und rührende Leistung. MEDALIA DE ONOARE könnte man sich auch als komödiantische Satire vorstellen, doch der von Netzer eingeschlagene Weg ist ein einfühlsames und melancholisches Werk geworden, das in allen Belangen zu überzeugen weiß. Ein großartiger Vertreter des rumänischen Films.

JEDER FÜR SICH UND GOTT GEGEN ALLE (BRD 1974, Regie: Werner Herzog)

Werner Herzogs Filmographie ist so vielfältig und eigenwillig wie bei kaum einem anderen Regisseur. Ich habe mich auf diesem Blog schon an mehreren Stellen als Fan Herzogs geoutet. Die kuriose Geschichte des Kaspar Hauser schien zweifellos wie gemacht für den großen Beobachter der menschlichen Natur. Herzog inszeniert seine Version des „rätselhaften Findlings“ nicht, indem er eine Erklärung für dessen mysteriöse Vergangenheit bietet (auch wenn es ein paar Szenen mit einem Unbekannten gibt). Ihn interessiert in erster Linie Kaspar Hauser als Anomalie, die in eine Gesellschaft eindringt und diese mit der Perspektive des Außenseiters beobachtet und zunehmend mit ihr interagiert und an ihr zerbricht. Mit „Bruno S.“ gelang Herzog zudem ein Besetzungscoup, denn der Darsteller und das historische Vorbild teilen diverse Gemeinsamkeiten in ihren Biographien.

EL ABRAZO DE LA SERPIENTE [EMBRACE OF THE SERPENT] (Kolumbien, Venezuela, Argentinien 2015; Regie: Ciro Guerra)

EL ABRAZO DE LA SERPIENTE ist ein großartiger Film, der für mich allein schon deswegen die finale Erwähnung verdient, weil er gedreht wurde. Einen Film in einem so schwierigen Umfeld zu realisieren ist alleine schon ein Kraftakt, der an die körperlichen und psychischen Grenzen gehen muss (siehe Werner Herzog); wenn dabei auch noch so ein visuelles Spektakel herauskommt wie bei Ciro Guerras Werk, dann entsteht der ganz besondere Film, den man als Cineast unbedingt gesehen haben möchte. Die Geschichte basiert auf den Tagebüchern des deutschen Anthropologen Theodor Koch-Grünberg, sowie des amerikanischen Biologen Richard Evans Schultes. Theo (Jan Bijvoet) reist Anfang des 20. Jahrhunderts in die Region des Amazonas, um die dortigen Ureinwohner zu studieren. Dabei erfährt er von einer mysteriösen Pflanze, die er gemeinsam mit dem Schamanen Karamakate (Nilbio Torres) finden möchte. Jahrzehnte später macht sich der Amerikaner (Brionne Davis) ebenfalls auf die Reise und Suche, um den Spuren des Deutschen zu folgen.  Ciro Guerra führte Regie und schrieb das Drehbuch. Gedreht wurde im kolumbianischen Amazonasgebiet in Schwarz-Weiß. Herausgekommen ist ein betörender Trip, der an Filme wie AGUIRRE, ZORN GOTTES (1972, Werner Herzog) und APOCALYPSE NOW (1979, Francis Ford Coppola) erinnert.

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Kommentare
  1. Embrace of the Serpent hatte mich im Mittelteil etwas verloren, weil ich religiösen Elementen in Filmen immer wenig abgewinnen kann, da ich Religion im Allgemeinen und Christentum im Speziellen extrem dumm finde. Aber visuell war der Film natürlich top.

    • indy sagt:

      Als Atheist nehme ich Religion auch alles andere als ernst. Allerdings habe ich mich an dem Film auch nicht an religiösen Momenten aufgehängt – im Gegenteil, finde die Szenen in der Mission z. B. durchaus gelungen, die zeigen, welchen Schwachsinn Menschen, die an einem religiösen Dogma hängen, veranstalten. 😉

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