Top 5 des Monats: April 2017

Veröffentlicht: 4. Juni 2017 in top 5 of the month
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Es geht direkt weiter mit der Filmauswahl aus dem April! Leider fehlt ein wenig die Vielfalt, da es sich fast ausschließlich um amerikanische Produktionen handelt. Das liegt daran, dass ich im April und Mai einige Filme nachholen musste, die mir gerade aus dem Mainstream-Kino noch gefehlt hatten. Dies macht die Filme allerdings nicht weniger interessant, auch wenn sie vielleicht den meisten Lesern schon bekannt sein dürften!

Filmauswahl April 2017:

TRUMBO (USA 2015, Regie: Jay Roach)

Dalton Trumbo war ein Drehbuchautor in Hollywood, der sich weigerte, vor dem berüchtigten House Un-American Activities Commitee auszusagen, und deswegen im Zuge der paranoiden Kommunistenhatz auf Hollywoods Schwarzer Liste landete. Deswegen schrieb er u. a. ROMAN HOLIDAY (1953, William Wyler) unter einem Pseudonym. Breaking Bad Star Bryan Cranston portraitiert in Jay Roachs Adaption der Trumbo-Biografie von Bruce Alexander Cook die Titelfigur. Auch wenn der Film einige Schwächen aufweist, etwa historische Ungenauigkeiten und den ein oder anderen wenig überzeugend dargestellten Hollywood-Star (John Wayne z. B. hat mir nicht gut gefallen), bietet er Cranston die Bühne für eine starke Performance als kauziger, sturer Schreiberling.

THE GIRL ON THE TRAIN (USA 2016, Regie: Tate Taylor)

THE GIRL ON THE TRAIN ist nicht nur eine großartige schauspielerische Leistung der Hauptdarstellerin Emily Blunt, die sich in den letzten Jahren mit einigen guten Produktionen in die obere Riege Hollywoods katapultiert hat (LOOPER, EDGE OF TOMORROW, SICARIO), sondern auch ein interessant aufgebauter Thriller, der auf dem Prinzip des unzuverlässigen Erzählers basiert. Blunt spielt eine psychisch labile Alkoholikerin, die dem Mann nachstellt, der sie verlassen hat, und jeden Tag mit dem Zug an dessen Haus vorbeifährt. Er ist inzwischen verheiratet und hat ein Kind, doch vor allem das Pärchen im Nachbarhaus fasziniert sie, denn in ihrer Fantasie stellt es die perfekte Liebe dar. Diese Vorstellung und die tägliche Routine führen zu einer Obsession, die sie zunehmend in das Verbrechen um eine vermisste Person verwickelt.

JODOROWSKY’S DUNE (Frankreich, USA 2013; Regie: Frank Pavich)

H. R. Giger, Jean Giraud aka Moebius, Salvador Dalí, Orson Welles, Mick Jagger, Pink Floyd – Namen von Künstlern, die in einer exotischen Melange von Alejandro Jodorowsky zusammengetrommelt wurden, um den potenziell größten psychedelischen Trip aller Zeiten zu verfilmen. Jodorowskys DUNE ist vielleicht neben Kubricks Napoleon-Projekt der größte Film, der nie gedreht worden ist. In den 70er Jahren wollte Jodorowsky, der mit seinen surrealistischen Werken EL TOPO (1970) und THE HOLY MOUNTAIN (1973) für Aufsehen gesorgt hatte, Frank Herberts Kultbuch und SF-Meisterwerk Dune (1965) verfilmen. Um den Pitch zu gewinnen, scharte er mithilfe des französischen Produzenten Michel Seydoux ein Kreativteam um sich und fertigte den vollständigen Film in Buchform ab, wie ein Storyboard, aus der Feder des großartigen Künstlers Moebius. Schließlich scheiterte Jodorowsky an den Hollywood-Studios, die ihm kein Vertrauen aussprechen wollten. Das ambitionierte Projekt war gestorben. Einige Jahre später verfilmte David Lynch den Roman in wesentlich mainstreamigerer Form. Lynchs DUNE (1984) wurde zum Kultfilm, der zwar massive Schwächen hat und einfach zu kurz ist angesichts der immensen Vorlage, aber dennoch teilweise die Atmosphäre des Buches umsetzen sowie eine ganz eigene Atmosphäre entwickeln konnte. Regisseur Frank Pavich lässt in JODOROWSKY’S DUNE den Maestro persönlich sowie verschiedene Beteiligte zu Wort kommen und rekonstruiert ein wenig den Film, den wir in dieser Form leider nie sehen werden. Vielleicht wäre sein DUNE ein kolossaler Fehlschlag gewesen und Jodorowsky an Größenwahn oder Hybris gescheitert – vielleicht hätte er auch ein Werk geschaffen, dass Geschichte geschrieben hätte (oder umgeschrieben hätte, wenn man bedenkt, dass der Film noch vor STAR WARS ins Kino gekommen wäre). Wir werden es nie wissen. Jodorowsky jedenfalls blieb nicht untätig. Er verwendete das Material und arbeitete mit Moebius die grandiose Incal– und Meta-Baron-Reihe aus, die zu meinen Lieblingscomics zählt.

FOXCATCHER (USA 2014, Regie: Bennett Miller)

FOXCATCHER ist ein Sportdrama von Bennett Miller (CAPOTE, MONEYBALL), das nicht ganz historisch akkurat die Ereignisse um den Multimillionär John E. du Pont (untypisch gespielt von Steve Carell) nachbildet, der in den 80ern die Ringerbrüder Mark und Dave Schultz (Channing Tatum und Mark Ruffalo) für sein Team rekrutiert hatte, um bei den kommenden Olympischen Spielen Gold für die USA zu holen. Das persönliche Drama und die hochdramatischen Ereignisse, die sich im weiteren Verlauf ereigneten, waren mir gänzlich unbekannt (ich erwähne sie an dieser Stelle nicht, um für ähnlich unwissende Leser keine Spoiler zu bringen). FOXCATCHER ist für mich in erster Linie ein beeindruckender Schauspieler-Film mit einem glänzenden Trio, das gekonnt von Miller geführt wurde. Um die historischen Ungenauigkeiten aufzuklären, könnte die Netflix-Doku TEAM FOXCATCHER (2016, Jon Greenhalgh) von Interesse sein, die ich mir bei Gelegenheit ansehen werde.

SPOTLIGHT (USA, Kanada 2015; Regie: Tom McCarthy)

Auch mein Favorit im April ist großartiges Schauspieler-Kino mit einem sogar noch größeren Ensemble, das bis in die kleinsten Rollen gut gecastet wurde. SPOTLIGHT basiert ebenfalls auf historischen Ereignissen, nämlich auf dem Skandal in der katholischen Kirche in Boston, die über Jahre hinweg den massiven Missbrauch von Kindern seitens der Pfarrer vertuschte, hinnahm und die Pfarrer schützte, indem sie etwa nur versetzt wurden. Der Skandal wurde von Journalisten des Boston Globe recherchiert und in seiner unglaublichen Dimension aufgedeckt. In bin ein großer Fan von Filmen, die Journalisten bei ihrer Arbeit authentisch darstellen. Zu meinen Lieblingsfilmen gehören Alan J. Pakulas ALL THE PRESIDENT’S MEN (1976) und Michael Mann’s THE INSIDER (1999), doch auch Fincher’s ZODIAC (2007) war in dieser Hinsicht großartig. SPOTLIGHT reiht sich hier nahtlos ein und funktioniert als Dialogfilm, der das brisante Thema weder in ausbeutender noch überdramatischer Form angeht, sondern nah bei den beteiligten Journalisten und ihrer Arbeit bleibt – auch wenn sie emotional natürlich zunehmend involviert und betroffen sind. Den Schauspielern gelingt hierbei eine gesunde Balance. SPOTLIGHT gewann zwei Oscars, für den besten Film und für das beste Drehbuch, und setzte sich u. a. in der ersten Kategorie gegen THE REVENANT (2015, Alejandro González Iñárritu) und in der zweiten Kategorie gegen INSIDE OUT (2015, Pete Docter) und EX MACHINA (2014, Alex Garland) durch.

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Kommentare
  1. Ich hatte bei The Girl on the Train das Hörbuch angefangen, dann aber irgendwann in der Mitte das Interesse verloren, weil mir das Drama doch zu kitschig wurde und die Plot Points zu redundant (gerade die Stelle, wo der Arzt als Verdächtiger wieder freigelassen wurde). Hatte dann die Auflösung bei Wikipedia nachgelesen und fand sie… naja. Halt irgendwie getreu dem Pulp-Charakter, den solche Geschichten wie diese hier oder Gone Girl besitzen.

    Foxcatcher war nicht so meins, mir fehlte ein Zugang zu den Figuren und ihren Motivationen, zudem eine rechte Struktur. Die Dokumentation war genauso wenig aufschlussreich.

    Spotlight ist typisches Oscarkino, in dem Fall nicht wirklich zwingend schlecht, aber auch nicht wirklich herausragend gut für meinen Geschmack. Ein Film, den man anschaut, hinterher sagt „jo, war ganz gut“ und dann vergisst, ehe man mit dem Auto wieder daheim vor die Garage vorfährt. Einige offene Fragen bleiben zurück, einige etwas seltsame Entwicklungen, nicht jede Schauspielleistung will vollends zünden (für mich hier z.B. Mark Ruffalo).

    Größte Zustimmung gibt es von mir für Jodorowsky’s Dune, meinem zweitliebsten Film von 2014. Jodorowsky ist ein begnadeter Erzähler, was jeder weiß, der schon mal seine Audiokommentare angehört hat. Die gescheiterte Story hinter Dune ist faszinierend, einfach ein rundum gelungener Film.

    Trumbo hatte ich mir gespart, da ähnlich wie Spotlight klassisches „Oscar Bait“ und Pressekritiken auf einen eher durchwachsenen Film hindeuteten, der sich höchstens wegen Cranstons Darbietung lohnt.

    P.S.: Freue mich auf die Top 5 des Mais 🙂

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