BAKHA SATANG (PEPPERMINT CANDY)

Veröffentlicht: 18. Juli 2015 in reviews
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PEPPERMINT CANDY ist der zweite Film des südkoreanischen Regisseurs Lee Chang-dong (GREEN FISH) und erzählt die Geschichte eines Mannes, der gleich zu Beginn Selbstmord begeht, rückwärts. 20 Jahre seines Lebens in sieben Episoden, die uns zeigen, wie es zu solch einem drastischen Ende kommen konnte.

Doch diese 20 Jahre sind nicht nur die Geschichte von Yong-ho (gespielt von Sol Kyung-gu), sondern ein Querschnitt der neueren Geschichte Südkoreas. Militärdiktatur, Studentenaufstände, Finanzkrise – jedes Kapitel wirkt sich nicht nur auf Südkorea aus, sondern auf den gesamten Lebenslauf Yong-hos. Als junger Soldat erlebt er die Studentenaufstände der 80er, und ein besonderes Ereignis in dieser Phase ist es, was ihn traumatisiert. Später als Polizist ist er bereits gezeichnet von der Brutalität der Militärdiktatur und der Verfolgung von Dissidenten, die er auf der Polizeiwache mit seinen Kollegen foltert. Zuerst abgeschreckt und zurückhaltend, entpuppt er sich schließlich als brutaler Folterer. Seine Ehe geht indessen langsam zu Grunde, und im Zuge der 90er-Finanzkrise verliert er auch noch sein gesamtes Vermögen.

Durch die rückwärts gerichtete Chronologie dauert es für den Zuschauer, Verständnis für Yong-hos Situation zu entwickeln, der dadurch erst unsympathisch und unberechenbar wirkt. Was konnte nur diesen kranken und scheinbar bösartigen Menschen aus ihm machen? An welchem Punkt hat er seine Unschuld als Mensch verloren? Welche gemeinsame Geschichte hat er mit seiner ersten (und einzigen?) Liebe Sun-im (Moon So-ri)? Lee Chang-dong verbindet die verschiedenen Episoden mit Zugaufnahmen, die rückwärts abgespielt werden und uns somit jedes Mal weiter in die Vergangenheit führen. Wie schon ansatzweise in GREEN FISH sind Züge hier ein dominantes wiederkehrendes Motiv, und es ist der Zug, der Yong-ho am Ende einholt und den Kreis wieder schließt.

PEPPERMINT CANDY

Ein bemerkenswerter Film mit einem aufgelösten Sol Kyung-gu (SILMIDO) in der Hauptrolle, der uns einen melancholischen Abriss der koreanischen Gesellschaft und Geschichte gibt. Dabei fasziniert er neben der Performance von Sol in erster Linie aufgrund seiner interessanten Struktur, die hier nicht als simpler Effekt genutzt wird, sondern dabei hilft, das Verständnis für den Protagonisten stückweise zu intensivieren. Es kann jeden erwischen. Während GREEN FISH noch eine interessante Fingerübung war, in welcher bereits die gesellschaftskritischen Themen Lees angedeutet wurden, deutet die Charakterzeichnung in PEPPERMINT CANDY schon die folgenden hochkarätigen Werke des Regisseurs an.

BAKHA SATANG [박하사탕] (PEPPERMINT CANDY)
Südkorea 1999
Regie: Lee Chang-dong
Drehbuch: Lee Chang-dong
Kamera: Kim Hyung-koo
Schnitt: Kim Hyeon
129 min.

8/10

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