DOU FO SIN (FLASH POINT)

Veröffentlicht: 22. August 2015 in reviews
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Detective Ma Jun (Donnie Yen) ist berüchtigt für seine etwas rabiaten Methoden beim Umgang mit Zeugen und Verdächtigen. Doch wenn es um die Triaden geht, kennt er kein Pardon. Sein Partner Wilson (Louis Koo) arbeitet undercover für die drei Triaden-Brüder und Schmuggler Tony (Collin Chou), Archer (Ray Lui) und Tiger (Xing Yu), ehemalige Flüchtlinge aus Vietnam, die die Unterwelt Hongkongs aufmischen. Doch die Verbrecher zu überführen, will nicht so wirklich gelingen – ständig werden die Pläne durchkreuzt. Beweise gegen die Brüder zu finden ist schwierig, Wilson droht jeden Moment aufzufliegen und sobald eine Gerichtsverhandlung möglich scheint, werden Zeugen systematisch liquidiert oder erpresst, damit sie nicht aussagen können. Als es dann schließlich persönlich wird, sieht Ma rot und nimmt die Sache in die eigenen Hände.

Der Actionthriller FLASH POINT von Regisseur Wilson Yip (SPL, IP MAN, IP MAN 2) hat eine hohe persönliche Bedeutung für mich, denn obwohl ich ihn schon in früheren Filmen gesehen hatte, ist dies der erste Film, durch den mir Donnie Yen (IRON MONKEY, HERO, IP MAN, THE LOST BLADESMAN) zum Begriff wurde. Für mich zählt er zu den aktuell besten Martial Arts Stars in Hongkong, und FLASH POINT ragt in meinen Augen in erster Linie dadurch heraus, dass der Kampfkünstler Yen hier zur Abwechslung mit einer überwiegenden Anzahl von Grappling-Bewegungen in die Kämpfe geht. Sprich: er forciert den Bodenkampf und verwendet dabei vornehmlich Techniken des Brazilian Jiu-Jitsu. Die Gegner werden zu Boden geworfen, gewürgt und gehebelt.

FLASH POINT

Diese Bewegungen sind im klassischen Martial Arts Film eher selten zu sehen, da sich die Kämpfe dort bis auf Ausnahmen eher selten auf dem Boden abspielen. Die meisten asiatischen Kampfkünste (zu den Ausnahmen gehören Judo und Jiu-Jitsu) behandeln den Bodenkampf eher stiefmütterlich, da meist die Idee vorherrscht, den Gegner bereits aus gewisser Distanz auszuschalten und gar nicht erst zu Boden gehen zu müssen. Doch gerade deshalb sind die Bewegungen Yens in FLASH POINT wie frisches Blut für das Genre (und riefen bei mir ähnliche Begeisterung aus wie die Bewegungen Tony Jaas in ONG-BAK (2003, Prachya Pinkaew)).

FLASH POINT

Die eigentliche Handlung ist natürlich nicht gerade originell, gerade das Undercover-Thema gibt es schon zuhauf und bietet mit INFERNAL AFFAIRS (2002, Andrew Lau, Alan Mak) die hausgemachte Referenz. Dennoch ist FLASH POINT auch in dieser Hinsicht unterhaltsam und spannend, denn die Kampfszenen selbt sind überraschenderweise gut dosiert und kommen nicht in Pinkaewscher Manier in jeder zweiten Szene. Der Film beginnt zwar mit drei kurzen und schnellen Kampfszenen, die wichtige Charaktere einführen: ein kurzer Moment gleich zu Beginn, in welchem Ma einen Verdächtigen verhaftet (und ihn als umstrittenen Polizisten einführt), eine zweite kurze Szene in Minute Vier gegen seinen Undercover-Kollegen (hier gibt es einen klasse Schnitt auf die Totale von oben, in welcher Wilson seinen Wein ausspucken muss) und schließlich ein kurzes Gefecht nach sieben Minuten, in dem Tony einigen Widersachern mal eben zeigen muss, wer der Chef ist.

FLASH POINT

Danach ist allerdings viel Zeit für die Handlung und den langsamen Aufbau der Spannung bis hin zur Eskalation. Es dauert eine gute Dreiviertelstunde (!), ehe es ab Minute 52 zu einer ersten weiteren Auseinandersetzung zwischen Ma und Handlangern der Brüder kommt, und ab hier wird es persönlich. Nach kurzem Gefecht im Krankenhaus und einer spektakulären Verfolgungsjagd zu Fuß (bewusst mit wenig Schnitten und total gehalten) rastet Polizist Ma aus und vermöbelt seinen Widersacher auf offener Straße vor den schockierten Augen der Passanten. Doch das ist erst der Anfang der Eskalation. Knappe zehn Minuten später beginnt der denkwürdige Showdown, der zunächst mit Schusswaffen ausgetragen wird, um dann sechs Minuten später waffenlos fortgesetzt zu werden.

FLASH POINT

Der nun folgende finale Kampf zwischen Donnie Yen und Collin Chou (den das westliche Publikum wahrscheinlich am ehesten als Seraph aus THE MATRIX RELOADED (2003, The Wachowskis) kennt) dauert ganze sieben weitere Minuten, in denen sich beide Darsteller spektakulär verdreschen. Dieser Kampf gehört wie das Duell zwischen Jackie Chan und Benny „The Jet“ Urquidez in WHEELS ON MEALS (1984, Sammo Hung) oder zwischen Bruce Lee und Chuck Norris in THE WAY OF THE DRAGON (1972, Bruce Lee) in jede Liste der besten Martial Arts Kämpfe aller Zeiten, und wer ihn sich mal in Gänze zu Gemüte führen möchte, der kann sich das folgende Youtube-Video ansehen (Spoiler versteht sich von selbst) und genießen:

FLASH POINT überzeugt durch seine sich aufstauende Energie, den permanenten Drive, die originellen Kampfszenen und das grandiose Finale.

DOU FO SIN [导火线] (FLASH POINT)
Hongkong, China 2007
Regie: Wilson Yip
Drehbuch: Szeto Kam-Yuen, Tang Lik-Kei
Kamera: Cheung Man-Po
Schnitt: Cheung Ka-Fai
84 min.

9/10

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